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Altes Styropor sorgt vielerorts für Baustopp

Plötzlich Sondermüll Altes Styropor sorgt vielerorts für Baustopp

Styropor wird als Dämmstoff oft verwendet. Doch weil in alten Platten eine Substanz enthalten ist, die früher zum Brandschutz beigemischt wurde, gelten sie seit 1. Oktober als gefährlicher Abfall. Und stellen Dachdecker vor große Probleme. Hunderte Baustellen sind stillgelegt.

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Alte Dämmplatten machen vor allem den Dachdeckern zu schaffen.

Quelle: dpa

Hannover. Bekannt ist es als Styropor, doch die korrekte chemische Bezeichnung lautet Polystrol. Die meist weißen Platten bestehen aus etwas Kunststoff und viel Luft und sind wegen ihrer äußerst geringen Wärmeleitfähigkeit als Dämmstoff sehr beliebt. Allerdings bereiten sie vielen Dachdeckern und anderen Bauhandwerkern im Moment einige Probleme. Dies liegt an einer Substanz, die früher zum Brandschutz beigemischt wurde. Deswegen gelten alte Styropor-Platten neuerdings als gefährlicher Abfall - und dürfen daher nicht mehr mit dem sonstigen Bauschutt entsorgt werden.

Deshalb seien in Deutschland mehrere Hundert Baustellen stillgelegt, teilte der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks am Dienstag mit. „Erste Betriebe melden, dass sie Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder sogar entlassen müssen, wenn es nicht bald eine Lösung gibt“, sagte Dachdeckerpräsident Ulrich Marx.

Entstanden ist das Problem durch eine Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung. Seit 1. Oktober darf Styropor, das das Brandschutzmittel HBCD enthält, nicht mehr mit sonstigem Bauschutt auf die Deponie gekippt werden. Stattdessen müssen die alten Dämmplatten separat verbrannt werden. Dafür wiederum braucht es jedoch eine spezielle Zulassung.

Entsprechend schwierig ist es für dieDachdecker geworden, das Material loszuwerden - auch in der Region Hannover. „Viele Entsorger nehmen gar kein Styropor mehr an oder fordern einen Nachweis, dass kein HBCD drin steckt“, erklärte ein Dachdecker aus Langenhagen. Und wenn man eine Entsorgungsmöglichkeit finde, werde es teuer. „Erst mal wollen alle mehr Geld“, hieß es.

Auf der politischen Bühne werden derweil Schuldzuweisungen verteilt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks wies in Berlin die Verantwortung von sich. „Diese Notlage ist durch den Bundesrat veranlasst“, sagte die SPD-Politikerin in Berlin. Der habe „gegen unsere Empfehlung“ gehandelt. Nun stiegen die Preise bei den Müllverbrennungsanlagen „ins Unermessliche“. Tatsächlich hatte eine Mehrheit der Bundesländer im Bundesrat schon im vergangenen Jahr die entsprechende Änderung der Abfallkennzeichnungsverordnung beschlossen.

Allerdings hat sich das Entsorgungsproblem inzwischen bei den Landesumweltministern herumgesprochen. So stellte das Umweltministerium in Hannover in einem Schreiben an die Abfallbehörden vom 31. Oktober klar, dass die HBCD-haltigen Abfälle weiterhin als ungefährlich gelten, wenn sie nicht mehr als 20 Prozent des Abfallvolumens ausmachen. Offenbar hat sich das in der Müllbranche noch nicht herumgesprochen.

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