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Deutschland / Welt Post leidet – und hebt die Preise an
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Post leidet – und hebt die Preise an
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09:22 08.08.2018
Ein Briefträger der Deutschen Post fährt mit einem Fahrrad über einen Zebrastreifen. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Bonn

 Das Brief- und Paketgeschäft entwickelt sich immer mehr zum Problemfall der Deutschen Post. Nach einem Gewinneinbruch plant der Konzern nicht nur Kostensenkungen, sondern auch Preiserhöhungen. „Wir planen überdurchschnittliche Preiserhöhungen im Paketbereich“, sagte Finanzchefin Melanie Kreis am Dienstag bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz. Auch das Briefporto soll Anfang 2019 steigen. Zuletzt war die Rede davon, dass das Porto für den Standardbrief 2019 um 10 Cent auf 80 Cent steigen könnte. Hier steht aber noch die Genehmigung der Bundesnetzagentur aus.

Klassische Postsparte bereitet Sorgen

Konzernchef Frank Appel hatte vor einigen Wochen den zuständigen Vorstand Jürgen Gerdes abgelöst und führt die Sparte nun erst einmal selbst. „Sein Anspruch ist ganz klar, die wesentlichen Maßnahmen einzuleiten und einen geeigneten Nachfolger zu finden, wenn der Trend wieder in die richtige Richtung geht“, sagte Kreis.

Jüngst hatte er in einer Mitarbeiterzeitschrift kritisiert, dass der Brief- und Paketbereich sich verzettelt habe: „Wir haben in einigen Bereichen zu viele Ideen verfolgt.“ So schrumpfte der operative Gewinn der klassischen Postsparte im zweiten Quartal um mehr als die Hälfte auf 108 Millionen Euro.

Gewinn der Post schrumpfte um 14 Prozent

Das schlug auch im Konzernergebnis durch: Der Gewinn schrumpfte im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 516 Millionen Euro. Damit schnitt die Deutsche Post noch etwas besser ab, als Analysten befürchtet hatten. Der Konzernumsatz stieg leicht um 1,4 Prozent auf rund 15 Milliarden Euro.

„Wir haben nach wie vor Herausforderungen“, sagte Finanzchefin Kreis. Ein harter Wettbewerb, niedrige Preise und hohe Kosten machten vor allem dem Brief- und Paketbereich zu schaffen. Auf dem Programm steht nun auch Personalabbau: 51 Millionen Euro hat die Post im zweiten Quartal allein für Vorruhestand ausgegeben.

Post will Produktion des Streetscooter ausbauen

Die Probleme bei Brief und Paketen überschatten das ansonsten gut laufende Geschäft des Konzerns. Alle anderen Bereiche legten beim Ergebnis deutlich zu. Das einstige Sorgenkind Global Forwarding, das Frachtgeschäft der Post, steigerte den Gewinn um die Hälfte. Die Wende unter dem neuen Chef Tim Scharwath sei geschafft, sagte Kreis.

Auch beim Aushängeschild der Post, dem von einem Tochterunternehmen produzierten Elektro-Transporter Streetscooter, sieht sich der Konzern auf einem guten Weg. „Wir werden die Produktion und die interne Nutzung weiter hochfahren, aber auch den externen Verkauf der Fahrzeuge verstärken“, sagte Kreis. Einen Börsengang des Elektro-Lieferwagens schließt die Post zwar nicht aus, doch die nächsten zwei Jahre solle alles beim Alten bleiben, sagte Kreis.

Von Matthias Arnold und Stefan Winter/RND

Kommentar von Christian Wölbert

Post in der Zwickmühle

Das muss man erst einmal schaffen: Die Brief- und Paketsparte der Post hat ihren Umsatz spürbar gesteigert, ihren Gewinn gleichzeitig aber ungefähr halbiert. Da fällt es leicht, dem Management schwere Fehler zu attestieren. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Post leidet nicht nur an hausgemachten Problemen. Sie sitzt in einer Zwickmühle, aus der sie sich kaum befreien kann.

Zusammenfassen lässt sich das Dilemma so: Die Menschen schreiben immer seltener Briefe, also ist die Post auf den wachsenden Paketmarkt angewiesen. Zumal das Briefgeschäft längt auch andere können. Mit Paketen kann die Post allerdings kaum Geld verdienen. Erstens machen ihr günstigere Wettbewerber wie DPD und Hermes das Leben schwer. Sie lassen ihre Pakete meist von billigen Subunternehmern ausfahren, während die Post vorrangig eigene Zusteller beschäftigt und anständig bezahlt.

Zweitens wird auch der wichtigste Kunde Amazon zum gefährlichen Konkurrenten. Er sieht sich nicht nur als Händler. Längst bereitet sich Amazon darauf vor, Pakete selbst auszuliefern – das geplante Verteilzentrum in Garbsen ist Teil dieser Strategie. Der US-Konzern sitzt deshalb in jeder Preisverhandlung am längeren Hebel.

Hausgemachte Fehler gibt es aber auch – wie jeder weiß, der ab und zu Pakete empfängt. Die wenigen Filialen sind oft überlastet, Zusteller überfordert, Packstationen kaputt, IT-Systeme veraltet. Nur wenn die Post diese Probleme löst, kann sie im Wettbewerb bestehen, ihre höheren Preise durchsetzen und vielleicht auch Amazon bei der Stange halten.

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