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Warum zahlen Frauen mehr als Männer?

Preisunterschiede Warum zahlen Frauen mehr als Männer?

Es ist nicht nur der Frisörbesuch, der Frauen immer teurer kommt als Männern. Mittlerweile kosten auch viele Produkte für sie mehr – etwa Rasierer. Und die Liste mit Preisunterschieden wächst trotz Protests weiter. Aber es geht auch umgekehrt.

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Na, welcher Rasierer ist wohl günstiger? Natürlich der blaue.

Quelle: Symbolbild/Montage

Hannover. Rosa für die Frau, blau für den Mann - diese Regel gilt hierzulande seit Jahrzehnten und bringt vor allem der Industrie satte Gewinne. Egal ob Kleidung, Kugelschreiber, Pflaster oder Handyhüllen: Produziert wird meist in zweifacher Ausführung, damit Mädchen und Jungen, Frauen und Männer auch das Passende für sich finden. Produkte in weiblicher Ausfertigung sind dabei in den meisten Fällen teurer als das männliche Pendant.

Bei einer Stichprobe im Februar 2016 verglichen Experten der Verbraucherzentrale Hamburg unter anderem Preise für Kosmetikartikel wie Einwegrasierer oder Rasierschaum miteinander und stießen auf Preisaufschläge für Frauen von bis zu 218 Prozent. Unterschiede zwischen den für Männer und Frauen bestimmten Produkten konnten die Tester vorwiegend in Farbe und Aufmachung der Verpackung entdecken, die Inhaltsstoffe waren in den meisten Fällen nahezu identisch.

Auch zwei Laptoptaschen nahmen die Verbraucherschützer in die Untersuchung auf. Das Ergebnis: Form und Design waren absolut gleich, aber wer hier auf Rosa statt Schwarz Wert legte, zahlte gut zehn Prozent drauf. Für die Hamburger Verbraucherschützer liegt der Fall damit klar auf der Hand: „Hersteller und Händler nutzen offenbar aus, dass Frauen bereit sind, mehr Geld für bestimmte Produkte auszugeben.“

Preisunterschiede sind kein Zufall

Bei den Unternehmen will man dagegen von einer gezielten Benachteiligung von Frauen bei Produktpreisen nichts wissen. „Das ist Quatsch“, sagt Thomas Klose, Unternehmenssprecher der Drogeriemarktkette Rossmann, von der einige Produkte auch im Test der Verbraucherzentrale vorkommen. „Angebot und Nachfrage regeln in der freien Marktwirtschaft nun einmal den Preis, und niemand hindert Frauen daran, auch mal Männerprodukte zu kaufen, wenn sie denn tatsächlich günstiger sein sollten als vergleichbare Frauenprodukte.“

Dass es sich bei den Preisunterschieden zwischen Frauen- und Männerartikeln mitnichten um Zufälle handeln kann, legt auch eine Studie aus den USA nahe. Das New York City Department of Consumer Affairs verglich im vergangenen Jahr insgesamt 800 Gegenstände aus 35 verschiedenen Kategorien von Kosmetik über Kinderspielzeug bis hin zu Kleidung. Fazit: Im Schnitt zahlten Frauen für auf sie zugeschnittene Produkte sieben Prozent drauf, nur in fünf der 35 Produktkategorien fanden die Tester Waren, bei denen die männliche Version teurer war.

„Jeder kann sich davon überzeugen, dass Produkte für Frauen häufig teurer sind als für Männer“, bestätigt die Münchener Soziologin Paula-Irene Villa. Noch vor 30, 40 Jahren hätten sich Produkte für Mädchen und Jungen nicht sonderlich voneinander unterschieden. Heutzutage seien Kleidung, Spielzeug, Schmuck oder Süßigkeiten speziell auf das jeweilige Geschlecht zugeschnitten. Genauso gebe es einen eigenen Markt für Babyprodukte, für die Generation „50 plus“ oder auch für Angehörige ethnischer Minderheiten. „Das Angebot trifft auf ein Publikum, auf Menschen, die das wollen und interessant finden.“

In New York und Kalifornien ist Gender Pricing verboten

Frauen, so die Soziologin, könnten sich den höheren Preisen nur entziehen, indem sie sich bewusst für das billigste Produkt entscheiden. In ihrem Einkaufsverhalten seien sie dabei genauso mündig wie in Bezug auf andere Fragen.

Vor dem Ladenregal ist es häufig jedoch gar nicht so einfach herauszufinden, welcher Rasierschaum, welches Parfüm oder welche Haarkur letztendlich am wenigsten kostet. Unterschiedliche Füllmengen und Packungsgrößen verlangen ungeübten Kunden für den direkten Preisvergleich einiges an Rechenleistung ab. Zudem platzieren Drogeriemärkte ihr Angebot für Frauen und Männer in der Regel fein säuberlich getrennt voneinander, sodass Frauen die billigeren Männerprodukte gar nicht erst im Blick haben.

In anderen Ländern steht die preisliche Diskriminierung von Frauen bereits auf der politischen Agenda. Die amerikanischen Bundesstaaten New York und Kalifornien haben das sogenannte Gender Pricing offiziell verboten: Produkte und Dienstleistungen dürfen nicht mehr je nach Geschlecht unterschiedlich viel kosten. Auch in Österreich gibt es seit 2008 ein Gesetz, das die Benachteiligung eines Geschlechtes bei der „Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen“ untersagt, in Großbritannien gab es dazu jüngst eine Parlamentsdebatte.

Verbraucherzentrale dokumentiert Preisunterschiede

Wie viel eine gesetzliche Regelung nützt, ist jedoch fraglich: Bei einer Untersuchung der Gleichstellungsanwaltschaft in Wien zum Thema „Friseurdienstleistungen“ stießen die Juristen auf zahlreiche Beispiele, in denen vergleichbare Haarschnitte zu unterschiedlichen Preisen angeboten wurden. Ihr Fazit: Ein Gesetz allein reiche nicht aus, man müsse insgesamt besser über Preise und Aufwand aufklären.

Diesen Auftrag nimmt in Deutschland die Verbraucherzentrale für sich in Anspruch. Ihre Liste mit dokumentierten Preisunterschieden wächst stetig. Beispiele für Produkte, für die Frauen tiefer in die Tasche greifen müssen als Männer, nehmen die Verbraucherschützer per E-Mail entgegen. Zudem können Frauen Beschwerde bei den Herstellern einlegen.

Wer sparen möchte, sollte sich am besten gegen das rosafarbene Design entscheiden. So weiblich, wie oft behauptet, ist die Farbe sowieso nicht: Bis in die 1940er Jahre galt Rosa in Deutschland als männlich, während Frauen in Anlehnung an die Jungfrau Maria die Farbe Blau zugesprochen wurde.

Den Preisvergleich der Verbaucherzentrale Hamburg gibt es im Internet unter.

Von Alena Hecker

Gender Pricing im Alltag

Beim Frisör : Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg bezahlen Männer für Waschen, Schneiden, Föhnen und Pflegen im Durchschnitt 28 Euro, Frauen zwischen 40 und 48 Euro.

In der Reinigung : Der Test eines Fernsehteams vom Bayrischen Rundfunks zeigt: Wenn Männer und Frauen ein Hemd zur Reinigung bringen, zahlt die Frau bis zu 50 Prozent mehr als der Mann. Die Begründung: Bei Männern reiche die Bügelmaschine, Frauen legten Wert auf handgebügelte Wäsche.

Rasierer : Der Testkauf der Verbaucherzentrale Hamburg zeigte: Für vier Rasierer der Marke „Wilkinson Sword Quattro“ bezahlten Männer 7,99 Euro. Frauen erhielten 3 Stück eines vergleichbaren Produktes für 8,49 Euro.

Bei Online-Dating-Plattformen : Im Jahr 2011 klagte ein Mann, der sich weigerte für eine Singlebörse 99 Euro zu bezahlen, während Frauen die „Premium Mitgliedschaft“ umsonst erhielten. Diskriminierung liege nicht vor, urteilte das Amtsgericht Gießen. Vom Rabatt für Frauen profitierten Männer, weil sich dadurch mehr Frauen anmeldeten.

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