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Springer und ProSiebenSat.1 bandeln erneut an

Medienberichte Springer und ProSiebenSat.1 bandeln erneut an

Es wäre der Zusammenschluss zu einem Medienriesen mit einem Börsenwert von 15 Milliarden Euro: Die Fernseh-Gruppe ProSiebenSat.1 und der Axel Springer Verlag („Bild“, „Die Welt“) verhandeln über eine Fusion. Offiziell ist noch nichts nach außen gedrungen, doch Insider bestätigen Kontakte.

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Die Logos der ProSiebenSat.1 Media AG  und der Axel Springer AG (re.)

Quelle: dpa

München. Die Gespräche liefen mit Wissen von Verlegererbin Friede Springer, heißt es. Sie seien aber noch in einem frühen Stadium und dürften sich eher Monate als Wochen hinziehen.

Es wäre der zweite Anlauf zu einer Konzernehe beider Medienhäuser. Vor neun Jahren wollte Springer für 2,5 Milliarden Euro die mühsam der Kirch-Pleite entronnene TV-Gruppe kaufen. Die Hamburger sind damals am Einspruch des Bundeskartellamts und der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) gescheitert. Zumindest das KEK-Veto wurde aber zu Unrecht eingelegt – so hat 2014 das Bundesverwaltungsgericht geurteilt und eine Verschmelzung von Springer mit ProSiebenSat.1 nachträglich als medienrechtlich unbedenklich eingestuft.
Das Urteil bezieht sich allerdings auf die Verhältnisse von 2006, und die haben sich zwischenzeitlich in mehrerlei Hinsicht verändert. Die Münchner wären heute nicht mehr der Juniorpartner: Gemessen am Marktwert von rund 10 Milliarden Euro hätte ProSiebenSat.1 heute die Nase vorn. Springer kommt nur auf die Hälfte. Beim Umsatz rangieren beide mit je rund 3 Milliarden Euro auf Augenhöhe, profitabler sind die Bayern.  

Völlig offen ist, wie Kartellbehörden das Techtelmechtel sehen. Durch eine Fusion entstünde das größte deutsche Unternehmen, das auf allen Medien-Plattformen mitspielt. Im Fernsehen läge man auf Platz drei hinter ARD und RTL/Bertelsmann, bei den Tageszeitungen dank „Bild“ auf Rang eins, bei den Magazinen – auch nach dem Verkauf zahlreicher Titel an Funke – wäre es immer noch Rang fünf und bei Online die klare Nummer eins. „In Europa gibt es im Digital-Geschäft keinen größeren Verlag als Axel Springer“, hatte Konzernchef Mathias Döpfner zuletzt verkündet. Aber auch ProSiebenSat.1 reagiert auf das nachlassende Interesse junger Zuschauer im Stammgeschäft mit Investitionen ins Internet. Dem Konzern machen Online-Anbieter wie Netflix zu schaffen. Zuletzt kaufte Konzernchef Thomas Ebeling das Vergleichsportal Verivox.

Für einen möglichen Zusammenschluss baut Springer-Chef Mathias Döpfner bereits vor: Früher war Springer eine AG, aktuell firmiert sie als SE, also als eine europäische Form der Aktiengesellschaft. Künftig soll Springer zu einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) werden. Das hätte den Vorteil, dass die Aktien gesplittet werden – in solche mit und ohne Stimmrecht.

Auf diese Weise könnte ProSiebenSat.1 Mehrheitsaktionär werden und vom Gewinn profitieren, die Münchner hätten aber ohne Stimmrecht keinen unternehmerischen Einfluss. Der bliebe bei Friede Springer. Durchgerechnet hält Axel Springers Witwe komfortable 57 Prozent am Verlag – mit Stimmrecht. Die Mehrheit gesichert hat sie sich nach der Pleite des Konzerns von Leo Kirch, der an Springer beteiligt war.

Von Thomas Magenheim
und Ulrike Simon

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