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RWE will Töchter zusammenlegen

Krise der Energieversorger RWE will Töchter zusammenlegen

Der unter Druck geratene RWE-Konzern arbeitet an der Reform seiner Strukturen. Töchter werden zusammengelegt oder mit der Mutter verschmolzen. Das Unternehmen wird sein Gesicht stark verändern.

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Der Vorstandsvorsitzende von RWE, Peter Terium, spricht bei der Bilanzpressekonferenz in der Zentrale in Essen.

Quelle: dpa

Essen/Berlin. Die massiv gefallenen Gewinne aus der Stromerzeugung zwingen Deutschlands zweitgrößten Energieversorger RWE zu einem weitreichenden internen Umbau. Der Aufsichtsrat habe schon vor längerer Zeit den Vorstand mit einem entsprechenden Konzept beauftragt, sagte eine Konzernsprecherin am Wochenende auf Anfrage.

Ein Abbau von Personal stehe dabei jedoch nicht im Fokus, betonte RWE - es gehe in erster Linie um einfachere Strukturen. Ein zugehöriges Vorstandspapier wird am 10. August bei einer Aufsichtsratssitzung behandelt, wie aus Unternehmenskreisen bestätigt wurde.

Die «Rheinische Post» (Samstag) hatte berichtet, bei den Essenern sollten Töchter zusammengelegt oder mit dem Mutterkonzern verschmolzen werden. RWE wollte diese Details und den Termin der Aufsichtsratssitzung nicht näher kommentieren.

Das Vorhaben der Führungsspitze ist grundsätzlich bereits bekannt. Das Programm zum internen Umbau und zur Stärkung des «Stammhauses» - der Holding RWE AG - trägt den Titel «Parent».

Im RWE-Konzern gibt es rund 100 Teilgesellschaften, sogenannte Legaleinheiten, vielfach mit Führungsstäben, Vorständen und eigenen Aufsichtsräten. Den daraus entstehenden hohen Verwaltungsaufwand soll das Reformkonzept nun verringern.

Zugleich könnte sich mit dem Umbau der Charakter des einstigen «Kohlekonzerns» RWE grundlegend ändern, falls die mitarbeiterstarke und lange dominierende Stromerzeugungs-Sparte ihre organisatorische Eigenständigkeit verlieren würde. Angesichts der eingebrochenen Kraftwerksgewinne spielen die überschaubaren, aber sicheren Erträge der Stromnetze, der Stromvertrieb und die zunehmend lukrative Ökostrom-Sparte in der Unternehmensgruppe eine größere Rolle.

Der deutsche Branchenprimus Eon hat einen solchen Weg beschritten und will sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und den Vertrieb konzentrieren. Die konventionelle Erzeugung bei den Düsseldorfern wird sogar komplett in die neue Firme Uniper abgetrennt.

So weit will RWE nicht gehen, sondern prinzipiell am bisherigen Geschäftsmodell festhalten. Der Konzern muss deshalb auch mit schlankeren Strukturen gegen seine schrumpfenden Erlöse ansparen.

Die Gewerkschaft Verdi mahnte den Schutz von Arbeitnehmerrechten an. Bei der geplanten Zusammenlegung dürften diese nicht ausgehöhlt werden, und die Mitbestimmung müsse ihren Einfluss behalten, sagte der Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat, Hans-Peter Lafos, laut der Zeitung. Bei RWE gab es Ende 2014 knapp 60 000 Vollzeitstellen.

Der Konzern hat allein sieben Töchter - teils mit gesonderten Vorständen und Aufsichtsräten, die teilweise wiederum Subunternehmen führen. Das gilt etwa für die RWE Deutschland AG in Essen mit ihrer Vertriebstochter in Dortmund. Beide Gesellschaften sollen dem Bericht zufolge verschmolzen werden.

Die verschachtelte Struktur des nach Eon führenden deutschen Energieanbieters ist teils historisch bedingt. So musste RWE nach der Fusion mit VEW (Dortmund) im Jahr 2000 garantieren, Jobs in Dortmund zu belassen. Typisch für das Unternehmen ist auch der große Einfluss der nordrhein-westfälischen Kommunen, die bis heute rund 25 Prozent der Anteile halten. Es werde nichts an der regionalen Verankerung des Konzerns verändert, betonte die RWE-Sprecherin.

Mit seiner Strukturreform reagiert RWE auf den Einbruch in der Stromerzeugung mit Gas- und Kohlekraftwerken und auf den starken Verfall der Erlöse an den Strombörsen. So liegt der Preis für die Megawattstunde Strom am jeweiligen Folgetag derzeit nur bei rund 25 Euro - 2011 war es noch mehr als doppelt soviel. Grund ist unter anderem das große Konkurrenzangebot an Wind- und Sonnenstrom.

RWE-Chef Peter Terium hatte bei der Bilanzvorlage im März sogar betriebliche Verluste in der Stromerzeugung «in nicht allzu ferner Zukunft» prognostiziert, sollte sich an dem geringen Preisniveau im Großhandel nichts ändern. Das Ergebnis der Stromerzeugung - lange Jahre ein zentraler Erlösbringer für die gesamte Energiewirtschaft - war 2014 um fast ein Drittel auf etwa eine Milliarde Euro gesunken.

dpa

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