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Deutschland / Welt Rapper Eminem ist sauer auf Autobauer Audi
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Rapper Eminem ist sauer auf Autobauer Audi
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14:10 09.06.2011
Rapper Eminem will Autobauer Audi verklagen. Der Konzern hat einen Song des Rappers ohne sein Wissen für einen Werbespot verwendet. Quelle: dpa (Archiv)
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Ingolstadt

Wenn Gangsta-Rapper, also böse guckende Sprechsänger mit weiten Hosen, schlackernden Armen und viel Metallgedöns um den Hals, ein Video drehen, tauchen darin meist zwei Konstanten auf: schlanke, leicht geschürzte Frauen und fette, schwer verspoilerte Autos. Was liegt also näher als für solche berechenbaren Inhalte gleich offiziell zu werben? Bei Frauen ist das schwierig, aber Autofirmen sind den rappenden Schaufinster-Buben durchaus zugetan. Amerikanische sowieso, jetzt aber auch Audi.

Audi hat einen Spot gedreht für das Besserverdienermodell A6 Avant, in dem ein Businessmann mit Dreitagebart in eben jenes Fahrzeug wie in sein zweites Wohnzimmer einsteigt, in einer Mischung aus Arbeitszufriedenheit und Vorfreude auf Fahrfreude tief durchatmet, in seinem Cockpit den Start vorbereitet und dann einsam durch die Nacht cruist. Dabei hört der Mann ohne Rasierer und Familie einen Rocksong, dem der Song „Lose yourself“ von Rap-Superstar Eminem maßgeblich als kompositorische Inspiration gedient haben könnte, sagen wir, zu etwa 100 Prozent.

Problem eins: Eminem wusste nichts davon, jedenfalls nicht vorher. Audi hatte ihn nicht gefragt. Jetzt weiß er es und will Audi verklagen. Zweites Problem: Hätten die Audi-Manager ihn gefragt, hätte er ihnen vermutlich erzählt, dass er bereits für deren US-Konkurrenten Chrysler zu „Lose yourself“ durch das nächtliche Detroit gecruist ist, übrigens besser rasiert als der Audi-Fahrer. Das muss man bei Audi nicht wissen, doch im US-Fernsehen ist das Werbefilmchen für Chrysler und dessen Heimatstadt, die „Motor City“ Detroit, ein Renner, seit es im Januar beim Football-Finale, dem „Superbowl“, gelaufen ist. Vor 100 Millionen Menschen. Und offenbar keinen Audi-Bauern.

Jetzt sind erst mal alle überrascht: Eminem, sein Rechtevermarkter, Chrysler und Eminem-Fans im Internet, die fieser auf die Ingolstädter Avant-Gardisten schimpfen, als es Eminem vermutlich rappen könnte. Bei Audi will man die Sache nun erst einmal „prüfen“. Ganz weit oben auf der Prüfliste steht für Audi die Frage, wie der Spot so schnell ins Internet geflutscht ist und nun auf YouTube wohnt, ganz in der Nähe des Chrysler-Spots. Schließlich sei der gut zweiminütige Film gar nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt gewesen, sondern nur für eine Präsentation vor Pressevertretern. Vermutlich eher Auto- als Musikjournalisten.

Während der Prüfphase trösten wir uns mit zwei Erkenntnissen: Vielleicht holt Audi Eminem nach Deutschland, wenn auch nur in einen Gerichtssaal. Und gelernt haben sie bei Audi auch etwas: Kaum hat man einen Satz zu Ende gesprochen, steht der Anfang schon im Netz. Böse ist es, dieses Netz. Fast so böse wie der Gangsta-Rap.

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