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Darf ein 30-Jähriger Seniorenteller bestellen?

Restaurant-Etikette Darf ein 30-Jähriger Seniorenteller bestellen?

In Restaurants landet jede Menge Essen in der Mülltonne. Viele Portionen sind anscheinend einfach zu groß. Dummerweise heißen halbe Portionen meist "Seniorenteller". Darf den auch ein 30-Jähriger bestellen? Diese und andere Fragen rund um den Restaurantbesuch.

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Die Hälfte zum halben Preis? Das muss allein der Wirt entscheiden.

Quelle: Fotolia

Hannover. In Restaurants, Kantinen und auf Volksfesten werden jährlich 23,6 Kilogramm Essen pro Gast weggeworfen. Einer der Gründe dafür ist die Größe der Portionen: Was in deutschen Restaurants und Gaststätten serviert wird, reicht oftmals für mehr als eine Mahlzeit, oder am besten gleich für zwei. Der Seniorenteller ist wegen seiner kleineren Portionen deshalb nicht nur bei Rentnern beliebt. Aber dürfen sich gerade einmal 30-Jährige im Restaurant überhaupt ein Gericht bestellen, das explizit nicht für ihre Altersgruppe gedacht ist?

Für Christopher Lück, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin, ist die Antwort auf diese Frage bereits Routine, weil sie immer wieder gestellt wird. „Es gibt keinerlei gesetzlich vorgeschriebene Ansprüche des Gastes auf einen Seniorenteller. Der Gastronom bestimmt die Spielregeln - und der Kunde muss sich danach richten“, sagt er. Der Service, also auch das, was dem Gast serviert wird, unterliegt dem Hausrecht. Kein Essen, das auf der Karte steht, einem Restaurantgast aber verweigert wird, ist vor Gericht einklagbar.

Davon abgesehen hat ein Restaurantbetreiber natürlich viele Möglichkeiten, auch ohne die von vielen Gästen als herabwürdigend empfundene Bezeichnung „Seniorenteller“ auf andere Weise kleine Portionen anzubieten. Erst vor wenigen Jahren hatte der Dehoga gemeinsam mit dem Bundesverbraucherministerium eine Kampagne gestartet, die Gastwirte dazu ermuntern sollte, auf den Speisekarten unterschiedliche Portionsgrößen zum Standard zu machen und die Verschwendug von Lebensmitteln in der rund 230.000 Unternehmen umfassenden Branche damit zu reduzieren.

Vor einem Jahr ließ das Bundesernährungsministerium mit der Aktion „Restlos genießen“ 15.000 kompostierbare Reste-Boxen kostenfrei in Restaurants verteilen. In der kleinen Faltschachtel können Restaurantbesucher die Überbleibsel ihres Mahls appetitlich und sauber verpackt mit nach Hause nehmen. Die Restaurants sollen künftig ihren Gästen aktiv anbieten, Reste einzupacken, sagte Marcus Ramster von „greentable“. Und die Gäste sollen ermutigt werden, im Lokal nach dieser Möglichkeit zu fragen. Ähnliche Initiativen gibt es bereits in zahlreichen Ländern. Jüngst verordnete Frankreich seinen hochgelobten Küchen eine ganz ähnliche Box.

Im Alltag sind die Reste in der Faltschachtel allerdings meist noch die Ausnahme. Und die Inhalte der Speisekarten verändern sich langsam. Zwar kalkulieren viele Wirte die Portionen mit unter auch aus unternehmerischen Gründen realistischer oder bieten Gerichte „für den kleinen Hunger“ oder „für zwischendurch“ an. Es gibt aber noch immer zahlreiche Häuser, in denen XXL-Schnitzel über den Tellerrand hinausragen. Experte Lück rät Gästen solcher Häuser dazu, bei der Bestellung konkret eine kleinere Portion anzufragen. „Jeder Gastronom, der seine Gäste behalten möchte, sollte das anbieten“, sagt der Dehoga-Sprecher. In der Regel gingen Gastronomen auf solche Wünsche ein.

Allerdings können Gäste nicht darauf hoffen, bei einer halben Portion auch nur den halben Preis zu bezahlen. Die Preise auf den Speisekarten sind meist so kalkuliert, dass sich im Einkauf und in der Anschaffung günstige Gerichte gegenseitig ausgleichen. „Das passiert beispielsweise, wenn der Gastgeber die Fischstäbchen für Kinder rationiert und kalkuliert hat und diese Rechnung nun wieder ausgleichen muss“, sagt Lück. Außerdem müsse der Inhaber bei jedem Essen die Kosten für die Zubereitung mit einkalkulieren, und die sind beim Servieren von zwei Fischstäbchen mit Beilage nun mal nicht geringer als bei vieren.

Wird der Wunsch nach einer halben Portion abgelehnt, bringt der Gast entweder Verständnis dafür auf oder er wird nicht wiederkommen und möglicherweise auch anderen potenziellen Kunden von seiner Erfahrung berichten. Die Alternative ist die Restebox: Wer sich die Reste einer zu großen Portion einpacken lässt, wirft nichts weg und spart sich am nächsten Tag das Kochen zu Hause.

Beschwerden nach dem Essen sind zu spät

Sind die Pommes biegsam wie ein Grashalm, ist das unter Umständen ein Qualitätsmangel. Kunden haben in diesem Fall das Recht auf Nachbesserung, sagt Harald Rotter, Rechtsanwalt aus Köln. Doch Gäste müssen differenzieren: Es ist kein Qualitätsmangel, wenn das Essen nicht den eigenen Geschmack trifft. Allgemein gilt in der Gastronomie der Grundsatz: Meckern nach dem Essen gilt nicht. Unzufriedene Gäste sollten sich deshalb sofort beschweren. Was gilt wann? Ein Überblick:

Schwere Mängel: Ist gar ein Wurm im Salat oder eine Schabe im Gemüse gelandet, muss der Gast dem Koch keine zweite Chance geben. „Denn dadurch kann das Vertrauen zwischen Gast und Wirt nachhaltig gestört werden“, sagt der Rechtsexperte. Niemand könne erwarten, sich von einem Wirt, zu dem man das Vertrauen verloren hat, noch einmal bedienen zu lassen. Der Gast hat in diesem Fall das Recht, sein Geld zu behalten. Grundsätzlich aber gilt: Einen Anspruch, nicht zu bezahlen, haben die Gäste erst, wenn die Nachbesserung nicht klappt. Reklamiert werden muss dagegen sofort – und nicht erst, wenn das Gericht schon halb aufgegessen ist. In jedem Fall muss der Gast alles bezahlen, was einwandfrei war, etwa die Getränke.

Lange Wartezeiten: Auch wenn Gäste zu lange auf ihr Essen warten müssen, können sie das beim Ober reklamieren. Ein gewisses Maß an Geduld ist aber Pflicht: Bei einem einfachen Mahl genügt etwa eine gute halbe Stunde, um 30 Prozent von der Rechnung abzuziehen. Mehrgängige Menüs schließen normalerweise eine längere Geduldsprobe ein. Bei Getränken halten Juristen eine Wartezeit von rund 20 Minuten für angemessen, um die Rechnung ebenfalls um 20 bis 30 Prozent zu kürzen (Landgericht Karlsruhe, Az.: 1 S 196/02, Amtsgericht Hamburg, Az.: 20 a C 275/73). Ungeduldige sollten ihren Unmut unbedingt deutlich äußern. Zum Beispiel mit einer klaren Ansage: „In zehn Minuten hätte ich gerne das Essen, sonst gehe ich.“ Die Küche erhält damit eine angemessene Frist. Gleichzeitig wird deutlich, dass danach kein Interesse mehr an der Vertragserfüllung besteht. Dieser Vertrag kam mit Annahme der Bestellung zustande. Weist das Servicepersonal im Voraus auf eine Geduldsprobe hin, steht es Gästen frei, zu gehen.

Reservierung : Für das Warten auf den reservierten Tisch können bis zu 30 Minuten zumutbar sein, bevor der Gast Schadensersatz – etwa für seine Anfahrt – verlangen kann. Umgekehrt darf ihn das Restaurant zur Kasse bitten, wenn er trotz Reservierung zu Hause bleibt. Der Wirt muss jedoch nachweisen, dass ihm ein Schaden entstanden ist. Zum Beispiel, weil der Tisch leer blieb oder er mehr Personal verpflichtet hatte (Landgericht Kiel, Az.: 8 S 160/97). Rechtlich ist das über den Bewirtungsvertrag abgedeckt. Den haben beide Seiten mit der Reservierung geschlossen.

Fehlende Rechnung: Ist der Kellner bereits dreimal gefragt worden und die Rechnung noch immer nicht da, können Gäste gehen. Vorher sollten Gäste aber einen Zettel mit Namen und der Anschrift hinterlassen, denn sonst besteht die Gefahr, eine Anzeige wegen Zechprellerei zu bekommen. Mit Zettel sind sie auf jeden Fall im Recht, sagt Rotter. Dann kann der Wirt die Rechnung per Post schicken.

Jeder zahlt seins: Dass am Ende eines feucht-fröhlichen Abends der letzte für die offene Zeche anderer aufkommt, stimmt nicht. Jeder einzelne muss nur das bezahlen, was er vorher konsumiert hat. Es ist Aufgabe des Wirtes, das jedem Gast nachzuweisen, einzelne Rechnungen zu schreiben und zu kassieren. Andernfalls kann es eine teure Runde aufs Haus werden. In Kneipen und vor Gericht geht der Bierdeckel als Rechnungsurkunde durch.

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