Nach heftiger Kritik aus der Politik will die Drogeriekette Schlecker ihre Zusammenarbeit mit einer umstrittenen Leiharbeitsfirma auslaufen lassen. Mit dem Unternehmen sollten keine neuen Verträge abgeschlossen werden, teilte ein Sprecher von Schlecker am Montag mit. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zuvor angekündigt, die Beschäftigungspolitik von Schlecker unter die Lupe nehmen zu wollen.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wirft dem Drogeriediscounter vor, kleinere Filialen zu schließen, den Angestellten zu kündigen und für neu eröffnete sogenannte XL-Märkte Personal fast ausschließlich über die Leiharbeitsfirma Meniar zu deutlich schlechteren Bedingungen einzustellen.
Anstelle des im Einzelhandel geltenden Tariflohns von 12,70 Euro erhielten die neu Eingestellten nur 6,78 Euro, sagte Achim Neumann von Verdi. Zudem würden weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld gezahlt, auch der Urlaubsanspruch falle deutlich geringer aus. Bislang habe Meniar mit Sitz in Zwickau etwa 4300 Beschäftigte an Schlecker vermittelt.
Von der Leyen erklärte am Montag, ihr Ministerium werde die Vorgänge bei Schlecker „genau prüfen“. „Die Kernfrage ist, ob Gesetze verletzt oder umgangen worden sind.“ Sollte sich dabei herausstellen, dass es „Schlupflöcher und Lücken im Gesetz“ gebe, dann müsse das Gesetz zur Leiharbeit ergänzt werden.
Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl Josef Laumann (CDU) warf dem Unternehmen in einem Brief an die Schlecker-Mitarbeiter systematische Tarifflucht vor, die „das soziale Gefüge in Schieflage“ bringe, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Montag zitierte. Leiharbeit sei dazu da, betriebliche Auftragsspitzen abzufangen oder im Falle von Urlaub oder Krankheit Vertretungen bereitzustellen. Sie dürfe nicht dazu missbraucht werden, „um mit ihrer Hilfe Stammbelegschaften zu ersetzen“.
Schlecker wies die Vorwürfe am Montag zurück und bezichtigte Verdi einer „Desinformations- und Diffamierungskampagne“. Die in den XL-Märkten Beschäftigten würden „in vielen Fällen“ Stundenlöhne von „bis zu 13 Euro und mehr“ erhalten. Von Niedriglöhnen oder gar Lohndumping könne keine Rede sein. Zudem sollten die XL-Märkte die herkömmlichen Schlecker-Geschäfte nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Die Debatte habe die Drogeriemarktkette „bisher nicht nachvollziehen können“, erklärte der Unternehmenssprecher. Um die öffentliche Diskussion um die Beschäftigung von Leiharbeitnehmern der Firma Meniar zu beenden, habe Schlecker jedoch beschlossen, „mit sofortiger Wirkung keine neuen Arbeitnehmerüberlassungsverträge“ mit der Firma mehr abzuschließen.
afp
HAZ.de Anmeldung


Deutsche Bank / Realtime Indikation

Kommentare
Ganz Europa hat Mindestlöhne.... Volker Rockel – 12.01.10
Ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen und irrlichternden FDP'lern und CDU'lern bestimmte Regierung wehrt sich entschieden gegen den gesetzlich flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland!Und so erfreut sich dieses Land inzwischen 6,5 Millionen Niederlöhnern, über 7 Millionen geringfügig Beschäftigten, ArbeitnehmerInnen die für 400 Euro monatlich bis zu 80 Stunden arbeiten, nur noch 60 % ArbeitnehmerInnen die einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben, Millionen ArbeitnehmerInnen die in die Altersarmut fallen werden und vielen Menschen die ausgebeutet werden, weil sich andere durch Lohndumping die Taschen füllen.
Danke FDP, danke CDU super Politik, so fährt man ein ganzes Land gegen die Wand!
@lindener MM – 12.01.10
ich lach mich gleich tot. als ob schlecker der einzige betrieb ist, die so etwas machen oder unsere politiker nichts davon wissen. ist nur nihct oportun, gegen die leiharbeit etwas zu unternehmen. von der leyen ist doch nur publikumswirksam auf den zug aufgesprungen und nur durch den öffentlichen druck (und zwar nicht von der von leyen) hat schlecker reagiert.Erfolg paulchen – 12.01.10
Nein, Frau v.d.Leien hat da gar nichts gemacht. Der Erfolg ist ganz allein den Betroffenen die dagegen angingen und den Medien zu verdanken. Ohne die öffentliche Wirkung hätte Schlecker einfach weiter gemacht. Das Ministerium hätte schon lange vorher einschreiten müssen. Frau v.d.L. hat nur in der TV-Sendung angekündigt etwas zu tun, Schlecker war aber schneller. Das liegt aber nur daran das die schlechte Presse Umsatzeinbußen mit sich bringt.Schlecker Lindener – 12.01.10
Sehr schön, geht doch...Der Sinneswandel von Schlecker kann sich von der Leyen sicherlich als Erfolg verbuchen.
Hoffentlich bleibt Sie weiter dran und kümmert sich auch um andere Firmen, die Situation und Bezahlung im Einzelhandel ist- wie auch in vielen anderen Sparten, nämlich katastrophal.
Jedenfalls bringt die Frau doch einmal etwas frischen Wind in die verstaubte Landschaft!
Kompliment und Dank!
Gruss
Lindener