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Wann endet die
 Milchschwemme?

Sinkende Preise Wann endet die
 Milchschwemme?

Verbraucher können sich freuen, der Liter Milch kostet in Supermärkten deutlich weniger als einen Euro. Die Milchbauern sind von der Entwicklung der Preise weniger begeistert: Die Landwirte ächzen unter den sinkenden Preisen.

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Die Bauern leiden unter den niedrigen Milchpreisen.

Quelle: dpa

Berlin. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter zahlen Molkereien den Bauern mittlerweile pro Liter Milch zwischen 17 Cent in Norddeutschland und 29 Cent in Bayern. Der Deutsche Bauernverband kritisiert die Preispolitik des Handels: „Wir erwarten die Einsicht, dass die bisherige Billigstrategie falsch ist und im Widerspruch zu Bekenntnissen für mehr Nachhaltigkeit und Regionalität steht“, sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied. „Unsere Milchbauern schreiben tiefrote Zahlen.“ Auch von der Politik verlangte er Einsatz für die Landwirte: „Von der Bundesregierung fordern wir ein strikteres Kartellrecht gegen die missbräuchliche Einkaufsmacht der Handelsketten.“ In Brüssel sprachen gestern die EU-Agrarminister über die Situation der Landwirte, für Freitag hat Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) die Beteiligten zu einem Gespräch gebeten, und Ende des Monats findet eine Runde in Berlin statt. Ein Blick auf eine kriselnde Branche.
 Wie viele Milchbauern gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums gab es im Jahr 2014 noch 75 000 Betriebe mit Milchwirtschaft. In den vergangenen Monaten haben demnach Tausende Landwirte die Milchviehhaltung aufgegeben, viele andere bangen um ihre Existenz. Erst Anfang Mai hat der Discount-Marktführer Aldi die Preise für einen Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent gesenkt – das hat Signalwirkung für den gesamten Handel.

n Wie setzt sich der Milchpreis im Supermarkt zusammen?

Am Anfang steht der Preis, den die Molkereien den Landwirten zahlen. Das waren den jüngsten offiziellen Zahlen aus dem März zufolge im Schnitt knapp 27 Cent je Kilogramm Milch. Dazu kommen die Transport-, Produktions- und Verwaltungskosten der Molkerei, Kosten für Verpackung und Lagerung, eine Entsorgungsabgabe und schließlich das Geld, das der Handel als Gewinn behält – plus 7 Prozent Mehrwertsteuer. Bei einem Supermarktpreis von 55 Cent kosten den Berechnungen des Kieler Instituts für Ernährungswirtschaft zufolge der Transport etwa 1,4 Cent, die Verpackung 8,5 Cent und die Lagerung 2 Cent je Liter.

Nach eigenen Angaben bräuchten die Landwirte 40 Cent von den Molkereien, um kostendeckend wirtschaften zu können. Was fordern die Bauern von der Politik?

Finanzielle Hilfen sind natürlich willkommen, zudem verlangen sie eine Neuregelung der Beziehungen von Milcherzeugern, Molkereien und dem Handel. Die Geister scheiden sich aber am Thema Milchquote. Während der Deutsche Bauernverband ihr nicht nachtrauert, verlangt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, finanzielle Zuschüsse an eine Verringerung der Produktion zu koppeln. Die jahrelang praktizierte EU-Milchquotenregelung war im vergangenen Jahr ausgelaufen.

Was hat Brüssel bisher für die Branche getan?

Im September 2015 hatten sich die EU-Agrarminister auf ein Notprogramm in Höhe von 500 Millionen Euro geeinigt. Damit sollten Finanzhilfen und Stützungsprogramme finanziert werden. Auf Deutschland entfielen etwa 69 Millionen Euro. Im März hat die EU zudem den Weg für freiwillige, zeitlich begrenzte Mengenreduzierungen für Milchprodukte in den EU-Staaten freigemacht. Produzenten können sich nun absprechen, ohne kartellrechtlich in Schwierigkeiten zu geraten.

 Was tut die Bundesregierung?

Eine neue Milchquote kommt für Agrarminister Christian Schmidt (CSU) nicht infrage. „Die Milchkrise muss im Markt gelöst werden“, sagt er und setzt für die Reduzierung der Milchmenge auf Freiwilligkeit. CDU und CSU planen ein Hilfspaket von „100 Millionen Euro plus X“. Details stehen noch nicht fest; im Gespräch sind Zuschüsse zur Unfallversicherung, Bürgschaften, damit Banken den Landwirten weiter Geld leihen, und Freibeträge zum Abbau von Schulden.

Und was macht die EU-Kommission?

Durch das russische Importembargo für EU-Agrarprodukte in Folge des Ukraine-Konflikts sind der Branche wichtige Abnehmer verloren gegangen. Die Brüsseler Behörde verstärkt seither ihre Bemühungen, für die europäischen Agrarprodukte andere Märkte zu erschließen. EU-Agrarkommissar Phil Hogan reist immer wieder zu Gesprächen, zuletzt war er etwa in Mexiko und Kolumbien.

Wie soll es weitergehen?

Für stärkere Regulierungen gibt es auf EU-Ebene derzeit keine Mehrheit. Deutschland und etliche andere Länder, vor allem in Mittel- und Nordeuropa, sehen darin vielmehr Rückschritte. Bis zum Sommer ist nicht mit weiteren Entscheidungen zu rechnen. Erst soll beurteilt werden, wie die im März verabschiedeten Maßnahmen wirken. Ende Juni ist ein weiteres Treffen der EU-Landwirtschaftsminister geplant.

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