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Deutschland / Welt Sinkende Spritpreise bremsen Tanktourismus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Sinkende Spritpreise bremsen Tanktourismus
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13:14 23.01.2016
Nach Luxemburg fahren generell viele Deutsche, um günstig zu tanken. Quelle: dpa
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Luxemburg/Slubice

Es ist die Tankstellenmeile Luxemburgs: Im Ort Wasserbillig nahe der deutschen Grenze reiht sich fast ein Dutzend Tankstellen dicht aneinander. Der Betrieb ist rege. Es sind vor allem Autos mit deutschen Kennzeichen, die die Zapfsäulen ansteuern. "Es ist ja immer noch billiger als in Deutschland", sagt ein Autofahrer aus der Eifel. Aber: "Extra herfahren zum Tanken würde ich nicht", sagt der 46-jährige Bauleiter, der gerade beruflich in Wasserbillig unterwegs ist. Denn Tanken in Deutschland ist wegen der gefallenen Öl- und Kraftstoffpreise derzeit so günstig wie lange nicht mehr.

Das bremst den Tanktourismus ins Großherzogtum. "Wenn der Preis hoch ist, nimmt man einen längeren Weg in Kauf, um zu sparen", sagt Roland Clerbaut, der Präsident des luxemburgischen Verbandes der Tankstellenpächter. Bei günstigen Preisen lohne es sich kaum mehr, "von so weit zu kommen". Luxemburgs Tankstellen merkten schon länger einen Rückgang an Kunden, auch nahe Belgiens und Frankreichs. "Es ist an allen drei Grenzen spürbar", sagt Clerbaut.

Er schätzt, dass der Umsatz an den Tankstellen in Grenznähe in den vergangenen zwei Jahren um rund zehn Prozent gesunken ist. "Und ich vermute, dass er noch ein bisschen weiter runter geht." Das Tanken in Luxemburg ist nach wie vor wegen der dort niedrigeren Mineralölsteuer billiger: Diesel, Benzin und Super sind je nach Region in Deutschland zwischen 7 und 30 Cent pro Liter günstiger. Dauer-Tankkunden sind die rund 160 000 Grenzgänger aus Frankreich, Deutschland und Belgien, die täglich nach Luxemburg pendeln - und Bewohner naher Städte.

Einen Liter Diesel gibt es in Deutschland zurzeit für weit unter einem Euro. Im bundesweiten Durchschnitt fiel der Preis für den Kraftstoff Mitte Januar nach ADAC-Angaben erstmals seit Jahren unter die 1-Euro-Marke. Spritpreise ändern sich am Tag allerdings mehrmals und schwanken auch von Region zu Region.

Am anderen Ende der Republik: An den Zapfsäulen einer Tankstelle in der polnischen Grenzstadt Slubice stehen vor allem Autos mit deutschen Kennzeichen. Die Tür des Tank-Shops geht auf, die meisten Fahrer kommen mit Zigarettenstangen in der Hand heraus. So weit, so klischeehaft. Doch viele Autofahrer haben den Eindruck, dass weniger los ist als sonst. Im angrenzenden Frankfurt (Oder) heißt es bei den Tankstellen: Mehr Kunden.

"Normalerweise muss ich hier länger warten", sagt eine junge Frau, die in Slubice vollgetankt hat. Seit vier Jahren komme sie einmal in der Woche hierher. Sie spare mit jeder Tankfüllung etwa 10 Euro, schätzt die 24-Jährige. Dafür nehme sie den 20 Kilometer langen Weg aus dem Oder-Spree-Kreis in Brandenburg auf sich. Jedes Mal kaufe sie hier auch Zigaretten. Dass die Spritpreise in Deutschland sinken, ändere nichts an ihrer Gewohnheit, sagt sie.

Genaue Zahlen oder aktuelle Erhebungen darüber, wie viele Deutsche zum Tanken nach Polen fahren, gibt es nicht. Dass die Kleinstadt Slubice mit annähernd 20 000 Einwohnern auf deutsche Kunden setzt, ist nicht zu übersehen. Nach Stadtangaben gibt es weit mehr als 20 Tankstellen, viele auf engem Raum direkt hinter der Odergrenzbrücke.

Wie wirken sich die niedrigen Spritpreise in Deutschland auf den sogenannten Tanktourismus in Polen aus? Der ADAC Berlin-Brandenburg geht davon aus, dass die Zahl der deutschen Autofahrer, die ausschließlich wegen des Tankens über die Grenze fahren, derzeit tendenziell niedriger ist. Auch der polnische Verband unabhängiger Tankstellenbetreiber bestätigt, dass derzeit etwas weniger Deutsche zum Tanken kommen.

Die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg sieht hingegen keine Auswirkungen. Der polnische Zloty ist momentan schwach - zurzeit auf dem tiefsten Stand seit Jahren. Dadurch könne man in Polen immer noch billiger tanken. Der gängige Preisvorteil sei rund 20 Cent pro Liter, teilt die IHK mit. Auch ein Tankstellenbetreiber in Schwedt/Oder geht wegen des schwachen Zlotys nicht davon aus, dass Deutsche, die sonst in Polen tanken, das ändern werden.

Und wie geht es mit dem Tanktourismus weiter? Der Mineralölmarkt sei unberechenbar, gibt der Präsident des Verbandes der luxemburgischen Mineralölfirmen, Romain Hoffmann, zu bedenken. "Es kann sein, dass durch eine internationale Krise die Preise wieder in die Höhe gehen. Das weiß aber niemand."

Auch wenn es wohl weniger werden - es gibt ihn also noch: den klassischen Tanktouristen, der auch weite Wege auf sich nimmt. Etwa Michael Möller (55), der an seinem ersten Urlaubstag eigens aus Köln nach Wasserbillig kommt. "Ist doch ein schöner Ausflug. Und nebenbei kann ich noch günstig tanken, Kaffee und Zigaretten kaufen."

dpa

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