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So lässt sich Geld ethisch korrekt anlegen

Finanzen So lässt sich Geld ethisch korrekt anlegen

Verbraucher, die Kaffee und Kleidung längst aus fairer Produktion kaufen, wollen auch ihr Geld ethisch korrekt anlegen. Doch geht das überhaupt? Ja - wenn man sich genau informiert.

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Quelle: dpa

Hannover. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Verbraucher, die ihr Gemüse im Biomarkt kaufen, ihren Strom aus nachhaltigen Energiequellen beziehen und beim Kauf von Kleidung auf das Label „Fair Wear“ achten, wollen auch ihr Erspartes ehrlich und nachhaltig anlegen. Und tatsächlich: Das Interesse der Menschen an Geldanlagen, bei denen nicht nur Rendite und Sicherheit, sondern auch soziale, ethische und ökologische Kriterien eine Rolle spielen, wächst. So jedenfalls liest sich das Ergebnis des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seiner Jahresstatistik. Rund 137 Milliarden Euro haben die Deutschen im Jahr 2015 in nachhaltige Geldanlagen investiert, sieben Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr.

Egal, ob faires Girokonto, nachhaltige Investmentfonds oder Index für Naturaktien – zu fast jedem herkömmlichen Finanzprodukt gibt es eine grüne oder faire Alternative. Umso schwieriger ist es, den Durchblick zu wahren. „Im Prinzip kann man fast alles ethisch korrekt anlegen“, sagt Kris Hauf vom Bundesverband unabhängiger Finanzdienstleisterinnen. Entscheidend sei darum vor allem, sich zu überlegen, welche Anlageform man persönlich bevorzuge. Und: Wie viel Geld steht zur Verfügung? Kann das Geld langfristig festgesetzt werden, oder sollte es besser jederzeit erreichbar sein? Wie groß ist die Erwartung an die Rendite und wie wichtig die Sicherheit, dass am Ende nicht alles verloren ist? Wer eine Antwort auf diese Fragen hat, kann damit beginnen, das passende Finanzprodukt auszuwählen.

Verbraucherzentralen fordern gesetzliche Mindeststandards

Offene Fonds beispielsweise gelten für private Anleger als einfachste und risikoärmste Möglichkeit, um auch kleine Geldbeträge in die internationalen Kapitalmärkte zu investieren. Fondsgesellschaften bieten mittlerweile eine Vielzahl an Geldanlagen an, die als „nachhaltig“, „fair“ oder „sauber“ angepriesen werden. Doch was unter den einzelnen Begriffen zu verstehen ist, definieren die Anbieter selbst. „Für private Anleger ist es daher schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen“, sagt Ulrike Brendel, die in der Verbraucherzentrale Bremen den Bereich „Nachhaltige Geldanlagen“ verantwortet. So kommt es durchaus vor, dass an manchen als „ökologisch“ gekennzeichneten Fonds auch Ölkonzerne oder Firmen der Atomenergie beteiligt sind. Die Verbraucherzentralen fordern aus diesem Grund gesetzliche Mindeststandards, an die sich die Fondsgesellschaften halten müssen.

Zwar gibt es zu jedem Wertpapier verpflichtend ein Produktinformationsblatt, das unter anderem auf verständliche Weise klarmachen soll, in welche Branchen investiert wird und welche ausgeschlossen sind. Doch in der Realität sind die sogenannten „Wesentlichen Anlegerinformationen“ oft nicht aussagekräftig genug. Kris Hauf rät daher, wer gezielte Fragen zum Fonds habe, könne sich direkt an die Gesellschaft wenden oder auch den Anlageberater zu Rate ziehen: „Diese müssen Auskunft geben.“

Saubere Aktienindexfonds

Bequeme Anleger setzen auf börsengehandelte Aktienindexfonds (ETF). Sie bilden die Wertentwicklung von Aktienindizes wie dem Dax nach, sind günstiger als klassische Aktienfonds und eignen sich für Menschen, die ihr Geld über einen langfristigen Zeitraum von zehn oder mehr Jahren anlegen können und sich auch von kurzfristigen Börsenturbulenzen nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Im Bereich Nachhaltigkeit gibt es von den Weltaktienindizes Dow Jones und MSCI World Varianten, die einige problematische Branchen ausschließen. An beiden ETFs sind jedoch auch Unternehmen beteiligt, die mit der Rüstungsindustrie in Verbindung stehen, unter dem Vorwurf der Kinderarbeit stehen oder es mit dem Umweltschutz nicht so genau nehmen.  

Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht von 193 nachhaltigen Fonds bietet außerdem die Matrix des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Zu jedem aufgelisteten Fonds finden sich darin detaillierte Informationen über Ausschlusskriterien von Branchen, bestimmten Unternehmen oder auch Staaten. Werden Kernenergie und fossile Brennstoffe ausgeschlossen? Ist grüne Gentechnik erlaubt? Wie steht ein Staat zur Todesstrafe? Seit Ende 2015 gibt es zudem ein FNG-Gütesiegel, das nachhaltige Fonds auszeichnet.

Einer von der Verbraucherzentrale Bremen in Auftrag gegebenen Umfrage aus dem Jahr 2013 zufolge erwarten die meisten Menschen von einem ethisch-ökologischen Fonds den Verzicht auf Rüstung und Kinderarbeit, genauso lehnt die Mehrheit Atomkraft, Glücksspiel und Pornografie ab. Mit der Beteiligung von Unternehmen aus dem Bereich Bergbau, Herstellern von Verhütungsmitteln oder Unternehmen aus der Automobilbauindustrie hatten die Befragten hingegen kaum Probleme.

Anhand dieser Ergebnisse hat die Stiftung Warentest zusammen mit der Verbraucherzentrale Bremen 46 nachhaltige Aktienfonds geprüft. Das Ergebnis: Nur einer meidet bei Investitionen alle umstrittenen Geschäftsfelder konsequent und eignet sich damit gleichermaßen für Anleger, die klimafreundlich oder ethisch-ökologisch korrekt ihr Geld anlegen möchten. Zugleich ist der Testsieger teuer: 2,5 Prozent Gebühren kostet die Anlage pro Jahr, hinzu kommt eine Erfolgsgebühr.

Wem die Rendite wichtiger ist als die korrekte Geldanlage, hat mehr Auswahl, aber womöglich doch noch ein schlechteres Gewissen: Für 39 der untersuchten Fonds schließen die Gesellschaften Beteiligungen an Firmen aus dem Bereich Kohle- und Ölindustrie nicht aus. Bei acht der nachhaltigen Investmentfonds können Unternehmen beteiligt sein, die Kriegsgerät herstellen, entwickeln oder vertreiben. Fünf der getesteten Fonds lehnen Kinderarbeit nicht explizit ab.

Am bequemsten ist wohl, sich auf das Angebot alternativer oder kirchlicher Banken zu verlassen. „Diese Institute verfolgen von vornherein eine konsequentere Anlagestrategie und haben darum die beste Auswahl und Transparenz und wahrscheinlich auch bessere Standards“, sagt Ulrike Brendel. Aber auch hier gibt es Unterschiede, was die soziale, ethische oder ökologische Ausrichtung angeht. So schließt etwa die evangelische KD-Bank unter anderem Investitionen in Gentechnik und Embryonenforschung aus, bei der Ethikbank gehören Tierversuche und die Verbindung zur Rüstungsindustrie zu den Ausschlusskriterien.

Das bedeutet: Wer sein Geld auf politisch korrekte Weise vermehren möchte, braucht dafür in der Regel mehr Vorbereitungszeit als für eine konventionelle Investition. Neben Renditechancen und Risiken muss jeder Anleger auch ökologische, soziale und ethische Kriterien abwägen und deren Einhaltung gegebenenfalls überprüfen. Wer die passende Geldanlage gefunden hat, darf dem Ersparten dafür auch mit reinem Gewissen beim Wachsen zusehen. 

Von Alena Hecker

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