Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt So viel Falschgeld im Umlauf wie noch nie
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt So viel Falschgeld im Umlauf wie noch nie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 22.01.2016
Symbolbild Quelle: dpa
Anzeige

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die beiden 50-Euro-Scheine kaum. Das glitzernde Hologramm auf der Vorderseite ist täuschend echt – das geben selbst Kenner zu. Doch in einem Fall ist es nachträglich aufgeklebt worden, der Schein ist einer von 46.567 „falschen Fuffzigern“, die im vergangenen Jahr in Deutschland aus dem Verkehr gezogen wurden. „Fast jeder fünfte falsche Fünfziger ist mit diesem imitierten Hologramm versehen, das über das Internet vertrieben wird“, erklärt Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank.

Mit ein paar Klicks kann sich im Grunde jeder solche nachgemachten Sicherheitsmerkmale in dunklen Kanälen des Internets auf chinesischen Handelsplattformen besorgen und mit den Hologramm-Stickern billige Farbkopien zu vermeintlich echten Geldscheinen veredeln. „Das Hologramm hat in seinem Fälschungsschutz gelitten“, konstatiert Elm. Mancher Kriminelle bestellt sich online auch gleich ganze Bündel von Falschnoten. Bei einer Razzia im November durchsuchten Ermittler in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen zahlreiche Wohnungen nach 20- und 50-Euro-Fälschungen. Das Bundeskriminalamt (BKA) stellte fest: Die in Italien gedruckten Scheine seien „von guter Qualität und im üblichen Bargeldverkehr nur schwer als Blüten zu erkennen“. Der schwunghafte Handel über das Internet stellt Währungshüter vor neue Herausforderungen. „Die Basis derer, die Falschgeld verbreiten, hat sich dadurch immens vergrößert“, sagt Elm. „Vorher hatten wir es vor allem mit bandenmäßigen Strukturen zu tun. Heute kann im Grunde jeder Falschgeld in Umlauf bringen.“

Die jüngsten Zahlen sprechen für sich: Nie seit Einführung des Euro-Bargeldes 2002 wurden in Deutschland so viele Blüten entdeckt wie 2015, insgesamt 95 357. Der Schaden schnellte auf 4,4 Millionen Euro – die dritthöchste Summe seit 2002. Auch weltweit gab es einen Negativrekord: 899 000 gefälschte Scheine zählte die Europäische Zentralbank (EZB) 2015. Das waren gut 60 000 mehr als ein Jahr zuvor und fast 40 000 mehr als beim bisherigen Höchststand 2009 (860 000). Gesamtschaden: Gut 39  Millionen Euro. Meist bleibt der Handel auf dem Schaden sitzen, wenn Verkäufer den Schwindel übersehen und der Betrug erst beim Einzahlen des Geldes bei der Bank auffällt. Für Falschgeld gibt es keinen Ersatz.

Im Wettlauf um sicheres Bargeld haben Europas Währungshüter im November vorgelegt. Der neue Zwanzig-Euro-Schein hat ein kleines „Porträtfenster“, das durchsichtig wird, wenn man die Banknote gegen das Licht hält. Das gab es bei einer Banknote auf Papierbasis noch nie – schon gar nicht bei einer Menge von 4,3 Milliarden Stück. „Erste Fälschungen des neuen Zwanzigers sind in Spanien aufgetaucht, aber alles einfache Farbkopien“, schildert Elm. „Wir sind realistisch: Irgendwann wird einer versuchen, das Porträtfenster zu fälschen und es auch in geringer Stückzahl einigermaßen hinkriegen.“ Der Wettlauf zwischen Währungshütern und Geldfälschern geht also weiter.

Von Jörn Bender

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Von Bleistift bis Schminkstift: Die Produkte von Faber-Castell kennt wohl fast jeder. Nun ist der Chef des Unternehmens, Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell, im Alter von 74 Jahren gestorben.

22.01.2016

Bei der Lufthansa sind weitere Streiks der Flugbegleiter vom Tisch. Noch vor Beginn der Schlichtung einigten sich Unternehmen und die Gewerkschaft Ufo auf Tarifverträge zu Gehaltssteigerungen und zur Altersversorgung des Kabinenpersonals geeinigt.

22.01.2016

„Bis zu 70 Prozent reduziert“, „Saisonausverkauf“, „Letzte Reduzierung“: Rote Rabattschilder prägen zurzeit das Bild der Einkaufsstraßen in Deutschland. Dabei steht der „Höhepunkt“ der Ramschaktionen eigentlich noch bevor - am Montag beginnt der Winterschlussverkauf. Doch macht der eigentlich noch Sinn? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

22.01.2016
Anzeige