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„Ordentliche Dienstleistung muss Geld kosten“

Sparkassen-Präsident Fahrenschon „Ordentliche Dienstleistung muss Geld kosten“

Wie sehen Sparkassen im Zeitalter von Online-Banken ihre Zukunft? Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassenverbandes, im HAZ-Interview über Gebühren, Regulierung und die Bankberatung in Zeiten des Internets.

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"Eine ordentliche Dienstleistung muss Geld kosten": Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon.

Quelle: Harald Wenzel

Herr Fahrenschon, einige Geldhäuser - darunter Sparkassen - sind in die Kritik geraten, weil sie Auszahlungsgebühren am Automaten verlangen. Halten Sie die Gebühren für richtig?

Rund 10 Prozent der Sparkassen haben überhaupt Kontomodelle, in denen solche Einzelposten berechnet werden. Und das teilweise schon seit über 30 Jahren. Die Sparkassen waren doch nie der Vorreiter der Kostenlosstruktur, da fallen mir eher private Geldhäuser ein. Wir haben immer gesagt, dass ordentliche Dienstleistung auch Geld kosten darf und muss. Was die Gebühren angeht, muss das jede Sparkasse selber entscheiden. Die Empörung ist aber in den bundesweiten Medien meist viel größer als bei den Kunden vor Ort.

Wäre es nicht sinnvoller, Kosten einzusparen?

Sie werden in den betroffenen Häusern keine goldenen Wasserhähne sehen. Ich bin sicher, dass diese Sparkassen diesen Weg als Ultima Ratio betrachten. Kleine Sparkassen sind ertragreich, aber sie kommen mit der Last der Regulierung, die keine Rücksicht auf ihre Struktur nimmt, nicht zurecht. 44 Mitarbeiter in Bad Sachsa müssen die gleichen regulatorischen Anforderungen erfüllen und Berichte abliefern wie die Hamburger Sparkasse mit ihren 5000 Mitarbeitern.

Geht das langfristig so weiter?

Nein, das kann nicht so weitergehen. Und ich bin dankbar, dass die Politik das erkannt hat. „One size fits all“, das führt zu einer ungerechten Aufwandsverteilung. Die regional verankerten Institute wie Sparkassen oder die Volks- und Raiffeisenbanken sind der stabilisierende Faktor in der Kreditwirtschaft und gerade in ihrer Bedeutung für die Versorgung der ländlichen Bevölkerung oder als Kreditgeber für den Mittelstand nicht so leicht zu ersetzen.

Haben die kleinen Häuser überhaupt eine Zukunft? Schließlich drücken auch niedrige Zinsen die Erträge.

Unabhängig von der Bilanzsumme einer Sparkasse muss das der Träger vor Ort bewerten. Ich bin der Meinung, dass die Nähe zum Kunden heute immer noch wichtig ist. Wir brauchen für unsere dezentrale und mittelständisch geprägte deutsche Wirtschaft die Abdeckung in der Region. Das ist die Stärke des öffentlich-rechtlichen Bankensystems.

Das heißt, Sie sehen keinen Druck zur Konsolidierung?

Natürlich wird es weitere Konsolidierungen geben, aber nicht in erheblichem Umfang. Wir würden uns eine wesentliche Stärke nehmen, nämlich dass wir unsere Kunden am besten kennen. Das bestätigen sogar Prüfer des Internationalen Währungsfonds. Wir brauchen die örtliche Verankerung.

Die Geldbranche erlebt Umwälzungen durch die Digitalisierung. Können die Sparkassen da mithalten?

Es ist auf den ersten Blick natürlich eindrucksvoll, wenn man hört, wie viel Geld zum Beispiel die Deutsche Bank in einen Hub in Berlin investiert. Die Sparkassen sind aber genauso stark in diesem Segment engagiert. Bei uns sind die Investitionen aber auf 394 Institute und die Verbundunternehmen aufgeteilt. Die Sparkassen-App etwa ist die meistgenutzte Banking-App in Deutschland. Wir bieten unseren Kunden zudem seit November die Möglichkeit, Geld von Handy zu Handy zu überweisen. Das nutzen mittlerweile rund 360 000 Kunden.

Die Bedürfnisse junger Kunden verändern sich grundlegend, oder?

Wissen Sie, im Schnitt geht der Sparkassenkunde schon heute nur noch einmal im Jahr in die Filiale. Aber wir machen die Erfahrung, dass auch die jungen Kunden für Fragen wie Immobilienfinanzierung, Wertpapierberatung, Altersvorsorge oder Investitionen die persönliche Beratung suchen. Die Wege dorthin digitalisieren sich. Aber der Wunsch nach Beratung vor Ort bleibt.

Brauchen Sie dafür noch so viel Personal wie bisher?

Die Sparkassen steuern bereits um. Viele Kollegen werden verstärkt in der Beratung eingesetzt. Die klassischen Verwaltungsarbeiten werden weniger. Auch die Kommunikation wird sich verändern. Soziale Netzwerke spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Das heißt, dass sich auch die Anforderungen an das Personal verändern. Die Sparkassen werden aber der größte Arbeitgeber und Ausbilder in der Kreditwirtschaft bleiben.

Interview: Bernard Marks und Stefan Winter

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