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Razzia in der Villa von Winterkorn

Anfangsverdacht des Betrugs Razzia in der Villa von Winterkorn

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen des Anfangsverdachts des Betrugs gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn. Es geht dabei um den Abgas-Skandal des Konzerns. Die Ermittler durchsuchten auch seine Villa und sein Büro.

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Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Martin Winterkorn.

Quelle: dpa/Archiv

Braunschweig. . Im Abgas-Skandal von Volkswagen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihre Ermittlungen deutlich ausgeweitet. Wie die Behörde am Freitag mitteilte, ist die Zahl der Beschuldigten von bislang 21 auf 37 Personen ausgeweitet worden. Darunter befindet sich nun auch der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn. Gegen ihn und alle anderen Beschuldigten werde wegen des Anfangsverdachts des Betruges und der strafbaren Werbung nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Aufgrund von Zeugenaussagen, ausgewerteter Dateien und in den bislang in den Ermittlungen gewonnenen Erkenntnissen hätten sich "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" dafür ergeben, dass Winterkorn "früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte", so die Staatsanwälte. Bislang hatten die Behörden gegen Winterkorn nur mit dem Verdacht auf Finanzmarktmanipulationen ermittelt.  

Razzia in Villa von Winterkorn

Im Zuge der Ausweitung der Ermittlungen gab es auch Razzien. In dieser Woche seien insgesamt 28 Objekte mit Schwerpunkt im Bereich Wolfsburg, Gifhorn und Braunschweig durchsucht worden, hieß es. Wie die dpa und die "Bild" berichten, wurden auch Winterkorns Villa im Münchner Stadtteil Oberföhring sowie sein Büro in der Münchner Innenstadt durchsucht. 

Winterkorn war im September 2015 kurz nach Bekanntwerden des Skandals von der VW-Spitze zurückgetreten. Er sei sich aber keines Fehlverhaltens bewusst, hatte er damals gesagt. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft gegen Winterkorn nur wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt, weil VW die Finanzmärkte möglicherweise zu spät über die milliardenschweren Risiken des Skandals informiert haben könnte.

Winterkorn: Wusste bis September 2015 nichts

Vor einer Woche hatte Winterkorn abgestritten, bis zum Bekanntwerden des Diesel-Skandals von illegalen Abgas-Manipulationen bei dem Autobauer gewusst haben. "Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin", sagte der Ex-Manager vor dem Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags in Berlin.

Winterkorn bleibt laut Mitteilung seiner Anwälte bei der Darstellung, bis zum September 2015 von illegalen Abgas-Manipulationen nichts gewusst zu haben. VW betonte, sich nicht zu Einzelheiten in dem laufenden Verfahren äußern zu wollen. Der Konzern kooperiere in vollem Umfang mit den Behörden.

VW-Anleger fordern Entschädigungen in Milliardenhöhe

Die neuen Anschuldigungen sind Wasser auf die Mühlen von Kritikern des Ex-Konzernchefs - und spielen mitunter auch Klägern in die Karten. VW-Anleger fordern Entschädigungen in Milliardenhöhe, weil unter anderem die Aktie nach dem Bekanntwerden des Skandals im September 2015 deutlich an Wert verloren hatte. Laut Staatsanwaltschaft Braunschweig steht der Zeitpunkt für die neuen Ermittlungen nicht direkt in Verbindung mit zuletzt erhobenen Anklagen in den USA. Unter anderem hätten Zeugenaussagen die Verdachtsmomente bei den deutschen Ermittlungen erhärtet. "Sie können davon ausgehen, dass die Quellen der Erkenntnis auf beiden Seiten des Atlantiks sprudeln", sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, konnte er noch nicht sagen.

Die Affäre um manipulierte Abgastests bei Dieselfahrzeugen hatte VW in die schwerste Krise seiner Geschichte gestürzt. Der Vorsitzende des Abgas-Untersuchungsausschusses, Herbert Behrens (Linke), sagte: ""Sollten sich die Hinweise der Staatsanwaltschaft gegen Herrn Winterkorn auch nur ansatzweise erhärten, hat er im Untersuchungsausschuss schlicht gelogen." Behrens forderte Winterkorn auf, "reinen Tisch" zu machen. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte der dpa, die neuen Enthüllungen legten nahe, dass die Betrügereien entgegen der bisherigen Äußerungen Winterkorns doch schon eher bekannt waren. "Dass es bei den Abgasbetrügereien nur um das Fehlverhalten von ein paar Ingenieuren gehandelt haben soll, entpuppt sich immer mehr als Legende. Schummeln und Betrügen bei Abgasmessungen scheint mehr Konzernpolitik als das Fehlverhalten einzelner gewesen zu sein." 

(mit lni)

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