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Deutschland / Welt Ist ein Anzug Arbeitskleidung?
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12:10 21.03.2016
Ist der Anzug eines Anwalts steuerlich absetzbar? Ein Gericht in Hamburg hat sich zu dieser Frage geäußert.  Quelle: dpa
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Hamburg

Den VW-Mitarbeitern in der Produktion droht Schlimmes. Der Konzernvorstand drückt auf die Kostenbremse - auch die kostenlosen T-Shirts als Teil der Arbeitskleidung soll es offenbar nicht mehr geben. Das kann der Betriebsrat nicht einfach so schlucken. „Dass unsere Kolleginnen und Kollegen unter ihren Latzhosen künftig mit freiem Oberkörper arbeiten sollen - das machen wir nicht mit“, soll Bernd Osterloh auf einer Betriebsversammlung gesagt haben. Möglich wäre natürlich auch der Kauf solcher Kleidungsstücke auf private Rechnung, wie es die Masse der Arbeitnehmer tut. Manche von ihnen können sogar das Finanzamt an den Kosten beteiligen. Dies gilt dann, wenn die Anschaffung zu den Werbungskosten zählt - also „den Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen“, wie die Steuerberaterkammer Niedersachsen erläutert.

Dazu gehört auch „typische Berufskleidung“, aber die Abgrenzung zwischen privatem und dienstlichem Kleiderkauf ist immer wieder ein Streitthema. Dies musste auch ein Hamburger Anwalt erfahren. Er hatte einen Job bei einer internationalen Kanzlei mit klingendem Namen ergattert und wollte sich nun entsprechend ausstaffieren. Die Aufwendungen wollte der Anwalt als Werbungskosten dem Finanzamt in Rechnung stellen, doch dieses machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Schließlich könne er die Anzüge auch privat tragen, deshalb handele es sich nicht um typische Berufsbekleidung. Das Finanzgericht Hamburg schloss sich dieser Ansicht an (Az. 6 K 231/12).

Viel besser haben es da Schornsteinfeger, Pfarrer, Richter, Kellner, Köche oder Stewardessen - bei ihnen liegt der Fall steuerlich klar. Ihre Arbeitskluft ist nur für den Dienstgebrauch gedacht. Auch Ärzte und Krankenschwestern können ihre weißen Kittel oder Dienstkleider in der Regel steuerlich absetzen. Etwas komplizierter wird es bei den darunter getragenen weißen T-Shirts oder Socken. Die Steuerberaterkammer rät, zur Vermeidung von Stress mit dem Finanzamt die Kleidungsstücke in einem Spezialgeschäft für Berufskleidung zu erwerben. Ob dieser Tipp praktische Bedeutung hat, ist jedoch zweifelhaft. Schließlich dürften die Kleidungsstücke in einem solchen Laden um Einiges teurer sein als anderswo - was die mögliche Steuerersparnis mehr als aufwiegen könnte.

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