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Streit um die Zeitarbeiter bei VW eskaliert

Zukunftspakt Streit um die Zeitarbeiter bei VW eskaliert

Bei Volkswagen liefern sich Markenchef Herbert Diess und der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh einen heftigen Kampf. Es geht dabei um einige Hundert Leiharbeiter – und für beide Seiten ums Prinzip.

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Der Mann aus der BMW-Schule: Herbert Diess kam 2015 nach Wolfsburg und fremdelt noch. Foto: dpa

Quelle: Dai Kurokawa

Hannover. Der Frieden zwischen den beiden Schlüsselfiguren beim VW-Umbau hat nicht lange gehalten. Markenchef Herbert Diess und der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh haben sich so fest ineinander verhakt, dass ein Krisengipfel in den nächsten Tagen klären soll, ob beide überhaupt noch eine Grundlage haben, am gemeinsam beschlossenen Zukunftspakt zu arbeiten. Ob sich überhaupt ein Treffen lohnt, wird aber erst am Montag entschieden.

„Grundwerte in Gefahr“

Diess „agiert zutiefst unsozial, er bricht bei der Umsetzung des Zukunftspaktes laufend sein Wort und wischt gemeinsam errungene Regelungen wieder vom Tisch“, schreibt der Betriebsausschuss der Arbeitnehmervertretung an die VW-Mitarbeiter. Der Chef des Markenvorstands „vergiftet die Volkswagen-DNA“, heißt es. „Die Grundwerte bei Volkswagen werden mit Füßen getreten“, wettert das Gremium mit Osterloh an der Spitze.

Der heftig Kritisierte, im Sommer 2015 von BMW zu VW gewechselt, will sich an der öffentlichen Debatte nicht beteiligen. Der Zukunftspakt werde umgesetzt, und Konflikte dabei werde man intern klären, lässt er verbreiten. Dass es Konflikte gebe, sei kein Wunder, heißt es in der Umgebung des Markenchefs: „Er ist ja geholt worden, um etwas zu verändern.“

Post für die Personalleiter

Der Zukunftspakt soll mit Einsparung auf der einen und Investition in neue Technologie auf der anderen Seite nicht weniger als den Bestand des VW-Konzerns sichern. Denn darin sind sich beide Seiten einig: Scheitert der Umbau, ist VWs Existenz gefährdet. Gemessen daran arbeiten sich beide Seiten an Kleinigkeiten ab. Umstrittenster Punkt: einige Hundert Leiharbeiter.

Am 2. Februar bekamen VWs Personalleiter Post aus der Zentrale: Diess und Personalvorstand Karlheinz Blessing hätten entschieden, dass es im ersten Halbjahr in keinem Bereich Personalaufbau geben dürfe. Wer also neue Leute brauche, müsse andere zum Beispiel über Altersteilzeit abbauen - betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Und die Personaler haben einigen Bedarf, denn zum Zukunftspakt gehört auch, Kompetenz in neuen Technologien wie Software, Vernetzung und autonomes Fahren aufzubauen. Die entsprechenden Spezialisten müssten jetzt eingekauft werden, heißt es auf beiden Seiten, und so kamen allein seit Jahresbeginn einige Hundert neue Leute. Aber wie baut man an anderer Stelle entsprechend Jobs ab?

Diess will das bei den Zeitarbeitern erreichen, von denen die Marke noch mehr als 4000 beschäftigt. Der Betriebsrat dagegen pocht darauf, dass man für dieses Jahr den Abbau von 980 Zeitarbeitern vereinbart habe, Diess wolle nun 1700 Leute heimschicken. Aber wenn die Manager mehr neues Personal anforderten, als abgebaut werden könne, sei das deren Problem. Im Management wiederum heißt es, man habe gar keine Zahl zu Leiharbeitern vereinbart.

„Fangen wir an“

Für beide Seiten geht es um viel. Diess muss beweisen, dass er VW verändern und rentabel machen kann. Osterloh muss seinen Leuten beweisen, dass das Unternehmen dabei trotzdem bleiben kann, wie sie es kennen. Er sieht den Topmanager als Büttel der Finanzmärkte, der in Quartalen denke. Für Diess dagegen ist der Konflikt der Prüfstein für den ganzen Pakt: Bei VW seien schon viele gute Vereinbarungen halbherzig umgesetzt worden, sagt ein hochrangiger Manager. Wenn der Zukunftspakt gleich mit Personalaufbau - also Kostensteigerung - beginne, sei das ein verheerendes Signal. „Der erste Meilenstein ist: Fangen wir an.“

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