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Deutschland / Welt Strom aus Norwegen soll Preise drücken
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Strom aus Norwegen soll Preise drücken
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13:39 17.07.2009
Von Jens Heitmann
Mit Strom von Windrädern in der Nordsee sollen Pumpspeicherkraftwerke in Norwegen angetrieben werden. Quelle: Dana Press Photo/ddp

„Wir haben überall nur positive Reaktionen bekommen“, sagt Projektleiter Jens Harenberg. Er rechnet mit einer Investitionssumme von einer Milliarde Euro.

NorGer ist ein Konsortium der beiden norwegischen Stromversorger Agder und Lyse mit dem schweizerischen Energiehändler EGL. Das Trio lässt eine Idee wiederaufleben, die ursprünglich beim Branchenprimus e.on entstanden ist: Wenn sich in Deutschland die Windräder kräftig drehen, soll überschüssiger Strom in norwegische Wasserkraftspeicher geleitet werden - steigt der Strombedarf hierzulande, soll die Energiemenge zurückfließen.

In der Theorie können sich die Versorgungssysteme in Deutschland und Norwegen gut ergänzen: Die Skandinavier beziehen ihren Strom nahezu vollständig aus Wasserkraftwerken. Im Sommer jedoch fehlt den Turbinen im hohen Norden der „Treibstoff“ - mittels Windstrom von der deutschen Küste ließen sich die Wasserbecken wieder füllen; es ist das Prinzip der Pumpspeicherwerke. Da die Deutschen in der Nordsee riesige Windparks planen und es im Sommer in Norwegen wegen des Klimawandels immer weniger regnet, sei das Seekabel eine vielversprechende Investition, meint NorGer-Projektleiter Harenberg.

Neben der Versorgungssicherheit könnte die Stromleitung auch den Wettbewerb hierzulande erhöhen. „Durch das Projekt erhöhen sich die verfügbaren Kapazitäten - und das hat preisdämpfende Wirkung“, erklärt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur. Auch beim Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), einem Zusammenschluss von Großabnehmern, findet das Projekt Unterstützung. Es sei ein Beitrag, „um die verkrusteten Erzeugungsstrukturen in Deutschland aufzubrechen“, sagt Geschäftsführer Alfred Richmann.

Strom ist an der skandinavischen Strombörse Nordpool in der Regel günstiger zu haben als an der deutschen EEX, weil die Elektrizität zu einem Großteil in günstigen Wasserkraftwerken und abgeschriebenen Atommeilern erzeugt wird. Mangels fehlender Übertragungsnetze können die Verbraucher in Deutschland davon bislang allerdings kaum profitieren. Mit dem Kabel von NorGer würde sich das ändern, heißt es bei NorGer: Die Leitung soll eine Kapazität von 1400 Megawatt erreichen - das entspricht der Leistung eines Kernkraftwerks.

Noch allerdings steht das Projekt ganz am Anfang. Marktführer e. on war schon einmal etliche Schritte weiter. Obwohl die Trasse bereits genehmigt war, stoppte der Konzern Ende 2001 das zusammen mit dem norwegischen Netzbetreiber Statnett geplante „Viking“-Kabel. Zum einen fürchtete e.on Klagen wegen der Trassenführung durch das Wattenmeer, zum anderen sah der Konzern durch den Import von Strom aus norwegischer Wasserkraft die Abnahmeverpflichtung für einheimische Windenergie infrage gestellt.

Es blieb nicht das einzige gescheiterte Projekt. Während in der Ostsee bereits mehrere Stromkabel Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland und Polen verbinden, wurde in der Nordsee bisher nur das 600 Millionen Euro teure „NorNed“ vom norwegischen Feda ins niederländische Eemshaven verlegt und vor anderthalb Jahren in Betrieb genommen.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Oldenburger Versorger EWE aus dem NorGer-Konsortium zurückgezogen. Das Unternehmen führt dafür zwei Gründe an: Wegen der gestiegenen Kupferpreise zweifele man an der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens; darüber hinaus seien die Zugriffsrechte auf den in Deutschland erzeugten Windstrom nicht geklärt, erläutert ein Unternehmenssprecher. „Wir waren nicht sicher, dass wir Windstrom auch nach Norwegen transportieren können.“

Wegen dieser Unsicherheiten könne es mit der Finanzierung des Kabelprojekts schwierig werden, sagt ein Banker, der sich in der Energiebranche auskennt. Noch bis vor Kurzem hätten die NorGer-Betreiber nur eine Handvoll Banken von ihrem Konzept überzeugen müssen - wegen der Finanzkrise würden die Kreditgeber jedoch große Risiken scheuen: NorGer müsse daher mindestens ein Dutzend Banken von dem Projekt überzeugen. „Da kann man im Augenblick eigentlich nur pessimistisch sein“, sagt der Investmentexperte.

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