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Deutschland / Welt Stürmisches Wachstum
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00:15 11.01.2016
Von Jens Heitmann
Strommenge um die Hälfte gesteigert: Die Windräder liefern in Deutschland den Großteil an Ökostrom. Foto: dpa Quelle: Jens Büttner
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Hannover

Hannover. Der 23. Dezember 2015 war ein stürmischer und somit symbolträchtiger Tag: Mit 36 700 Megawatt speisten die Windräder so viel Strom in die Netze ein wie noch nie - etwa die Hälfte davon in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Das entspricht der Leistung von 30 konventionellen Großkraftwerken. Auch der 21. April 2015 sorgte für einen Rekordwert: An diesem Tag erzeugten Solaranlagen in der Mittagszeit 28 500 Megawatt. Beide Tage trugen maßgeblich dazu bei, dass die erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr die anderen Energieträger bei der Stromproduktion erstmals überholt haben.

Verantwortlich dafür waren in erster Linie die Windräder. Mit einer installierten Leistung von circa 40 000 Megawatt übertrifft die Fotovoltaik die Windkraft zwar leicht - bei der Einspeisung fallen die Solaranlagen aber deutlich ab: Die Windmühlen steigerten ihre Strommenge um die Hälfte auf 85 Millionen Kilowattstunden, die Sonnenenergie schaffte nur ein Plus von 2 Prozent auf rund 38 Millionen Kilowattstunden. Dennoch bekommen die Betreiber den Löwenanteil aus dem Subventionstopf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): Laut einer Prognose des Bundeswirtschaftsministeriums sind dafür 2015 knapp 11 Milliarden Euro fällig geworden. Zum Vergleich: Bei der Windkraft waren es rund 8,5 Milliarden Euro. Diese Kosten werden auf die Stromkunden umgelegt.

Da die Nachfrage in Deutschland nicht mehr steigt, verfallen an der Strombörse die Preise. Am Spotmarkt für den Handel am nächsten Tag kostete eine Megawattstunde in den vergangenen Monaten durchschnittlich 31,60 Euro. Am Terminmarkt sanken die Preise noch weiter: In der zweiten Jahreshälfte 2015 kostete Strom für die Jahre 2016 bis 2019 weniger als 30 Euro je Megawattstunde. Für die Verbraucher ist das keine gute Nachricht, denn sie müssen aufgrund des EEG-Verteilungsmechanismus für die Differenz zwischen den Börsenpreisen und den Förderbeträgen der erneuerbaren Energien aufkommen.

Trotz des gesunkenen Preisniveaus im Großhandel haben die Braun- und Steinkohlekraftwerke ihre Leistung im vergangenen Jahr kaum reduziert. Offenbar seien die niedrigeren Einnahmen für die Betreiber immer noch attraktiv genug, um ihre Meiler am Netz zu lassen, heißt es bei der Berliner Energie-Denkfabrik Agora. Das bestätigen unter der Hand auch die Versorger: Selbst Preise nahe der Nulllinie seien übergangsweise immer noch günstiger, als die Kraftwerke herunterzufahren, berichten Insider.

Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet der Export. Mit 50 Terawattstunden erreichten die physikalischen Stromflüsse in die Nachbarländer im vergangenen Jahr ein Allzeithoch - per Saldo entsprachen die Ausfuhren damit rund 8 Prozent der heimischen Stromproduktion. Vor allem die Niederlande, Österreich und Frankreich beziehen Strom aus Deutschland, weil die Börsenstrompreise hier nach Skandinavien die zweitniedrigsten in Europa sind. Allerdings gibt es auch Proteste ausländischer Netzbetreiber: Sie wollen nicht länger dafür Sorge tragen müssen, dass die Stabilität des Leitungsnetzes in Deutschland gewährleistet bleibt. Die EU-Kommission nehme die Beschwerden ernst, heißt es.

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