Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Das müssen Sie zur Nord-Süd-Trasse wissen

„SuedLink“-Projekt Das müssen Sie zur Nord-Süd-Trasse wissen

Der Bürgerprotest ist programmiert: Für Deutschlands längstes Stromnetzprojekt liegen die Trassenpläne auf dem Tisch. Das 800 Kilometer lange „SuedLink“-Projekt soll von Schleswig-Holstein nach Bayern reichen – vorbei an Hannover und Lehrte. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Voriger Artikel
Facebook-Aktie legt an Geburtstag zu
Nächster Artikel
Sony will angeblich PC-Sparte abstoßen

Der geplante Trassenverlauf durchschneidet die Region Hannover

Quelle: Googe Maps/HAZ

Hannover/Berlin. Eine mächtige neue Stromtrasse mit 70 Meter hohen Masten soll quer durch Niedersachsen verlaufen. Dies sehen die Pläne vor, die gestern von den Netzbetreibern Tennet und TransnetBW vorgestellt wurden. Ziel ist es, den an den Küsten und auf See produzierten Windstrom zu den Verbrauchern in Süddeutschland zu führen – über eine Gleichstromleitung ohne Abzweigungen, die bis 2022 fertig sein soll. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) mahnte: „Wir brauchen mehr Erdverkabelung. Die Belastungen für die Anwohner müssen so gering wie möglich gehalten werden.“

Die von Tennet und TransnetBW vorgestellten Pläne sehen zunächst einen 15 Kilometer breiten „Grobkorridor“ vor. Er führt von Wilster bei Hamburg vorbei an Verden und geht dann zwischen Hannover und Lehrte weiter an Hildesheim und Holzminden vorbei nach Höxter in Nordrhein-Westfalen und von dort gen Süden. Die Netzbetreiber haben sich bereits bemüht, um Städte, Dörfer und Naturschutzgebiete weitgehend einen Bogen zu machen. Im nächsten Schritt wurde der Trassenkorridor auf einen Kilometer verkleinert. In Bürgerversammlungen sollen sich Anwohner demnächst dazu äußern können – die ersten Termine für solche Versammlungen soll es noch in diesem Jahr geben.

Das Gesetz sieht vor, dass die Planungsbehörde vom Netzbetreiber verlangen kann, bei weniger als 400 Meter Abstand zur Wohnbebauung das Kabel unterirdisch zu verlegen. Als vor Jahren die Stromtrasse von Peine nach Göttingen geplant wurde, war das Land Niedersachsen zuständig und hat diese Auflage erteilt.

Jetzt aber ist die Bundesnetzagentur am Zuge – und es obliegt ihr, ob sie den Unternehmen derart strenge Auflagen machen will. Niedersachsens Umweltminister Wenzel erinnerte die Bundesregierung an diese rechtliche Möglichkeit: „Mehr Tempo beim Ausbau darf sich nicht zulasten der Bevölkerung auswirken“, sagte er. Kritik und Vorschläge der betroffenen Anwohner sollten sorgfältig geprüft „und so weit wie möglich aufgenommen und umgesetzt werden“.

So soll die Trasse verlaufen:

Alles, was sie zur Nord-Süd-Trasse wissen müssen, im Überblick:

Warum soll die neue Südlink-Stromtrasse überhaupt gebaut werden?

Der Atomausstieg ist insbesondere für Süddeutschland eine Herausforderung: Zwei Drittel des Atomstroms werden südlich von Frankfurt produziert. Dort gibt es aber bisher nicht genug Ersatzkraftwerke. Gleichzeitig steht die Masse der Windkraftanlangen im Norden, vor allem in Niedersachsen. Die Südlink-Trasse ist eines von drei großen Neubauprojekten, die im Zuge der Energiewende zum Stromtransport nötig werden. Als Gesamtkosten werden mindestens zehn Milliarden Euro für insgesamt 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte veranschlagt. Spannend wird es schon 2015, dann geht das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld in Bayern vom Netz – und wenn bis dahin die neue Hochspannungstrasse über Thüringen nicht fertig ist, erwarten Experten Probleme.

Was sind eigentlich Hochspannungsleitungen?

Stromautobahnen wie Südlink dienen zur Übertragung elektrischer Energie über große Entfernungen. Sie werden mit besonders hohen elektrischen Spannungen von mindestens 60 Kilovolt bis hin zu Höchstspannungen von etwa 1000 Kilovolt betrieben. Auf diese Weise lässt sich eine hohe Leistung trotz moderater Stromstärke übertragen. Weiterer Vorteil: Man kann dünnere Kabel verwenden und trotzdem hohe Energieverluste vermeiden.

Warum verlegt man die Kabel nicht unterirdisch?

Erdkabel bieten gegenüber Freileitungen viele Vorteile: Sie stören nicht das Landschaftsbild, Hagel und Sturm können ihnen nichts anhaben. Durch Erdkabel verringern sich auch die Energieverluste. Leider sind Erdkabel aber auch um das Drei- bis Fünffache teurer; deshalb kommen sie meist nur in besonders sensiblen Gebieten zum Einsatz. Beispiel: Bei einer Trasse von 600 Kilometern, bei der ein Viertel unterirdisch verlegt wird, belaufen sich die Mehrkosten nach Schätzungen auf 450 Millionen Euro.

Wie groß muss der Mindestabstand der Trasse zu Gebäuden sein?

Nach dem niedersächsischen Energieleitungsausbaugesetz muss der Abstand von Höchstspannungsleitungen zu Ortschaften mindestens 400 Meter betragen, zu einzelnen Häusern müssen es 200 Meter sein. „Wenn es nicht möglich ist, die Bebauung zu umgehen, haben wir die Möglichkeit, die Trasse teilweise unterirdisch zu verlegen“, sagt Südlink-Sprecher Thomas Wagner.

Welche gesundheitlichen Gefahren gehen von den Trassen aus?

Im Umfeld von Stromtrassen treten elektrische Felder auf. Ob damit auch gesundheitliche Risiken einhergehen, ist umstritten. Kritiker fürchten, dass so Krankheiten wie Leukämie ausgelöst werden können. „Nach aktuellem Wissensstand drohen keine Gefahren“, versichert hingegen Südlink-Sprecher Thomas Wagner. „Wir bleiben unter den Grenzwerten der Bundesemissionsschutzverordnung.“ Nach Studien des Bundesamtes für Strahlenschutz sind Personen, die in der Nachbarschaft von Hochspannungsleitungen wohnen, nur einer geringfügig höheren Feldbelastung ausgesetzt als andere. Bei der geplanten Trasse handelt es sich allerdings um eine Gleichstromleitung. In Deutschland gibt es bislang kaum längere Gleichstrom­trassen, so dass keine Messwerte aus deren Umgebung vorliegen.

Wer ist für den Trassenbau zuständig?

Die Stromautobahnen gehörten ursprünglich den vier großen Energiekonzernen e.on, RWE, EnBW und Vattenfall. Angesichts dieses Monopols witterte die EU-Kommission ein Kartell. Um ein entsprechendes Verfahren zu verhindern, verkaufte e.on sein 10 700 Kilometer langes Hochspannungsnetz zwischen Flensburg und Fürstenfeldbruck 2009 an die niederländische Tennet. Das Staatsunternehmen gilt allerdings als chronisch klamm – auch deshalb konnten einzelne Windparks auf See nicht rechtzeitig angeschlossen werden.

Wer entscheidet über den Verlauf?

Bisher waren die Länder zuständig. Doch die alte schwarz-gelbe Bundesregierung hatte vor wenigen Jahren die Zuständigkeiten zugunsten des Bundes geändert. Zwei Gründe waren dafür maßgeblich: Erstens durchkreuzen die Stromtrassen mehrere Bundesländer. Es wäre zu aufwendig, an Landesgrenzen die Planungen miteinander zu verknüpfen. Das gewichtigere Argument war die Beschleunigung des Netzausbaus. Der Bund hatte die Erwartung, derartige Projekte zügiger abwickeln zu können, da die verschiedenen Landesverwaltungen näher an kommunalen Akteuren und damit beeinflussbarer für Einwände wären. Ob aber die Bundesnetzagentur das Projekt rascher durchsetzen kann, ist fraglich.

Was sagen die betroffenen Kommunen?

In der Region Hannover reagierten die vom Trassenbau voraussichtlich betroffenen Städte gestern zurückhaltend. „Natürlich rufen solche Leitungen bei niemandem Begeisterung hervor“, sagt Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke: „Es ist schon fraglich, ob diese ausgerechnet im dicht besiedelten Umland von Hannover gebaut werden müssen.“ „Wir werden die Pläne prüfen und gemeinsam mit den Kommunen entscheiden, was zu tun ist“, sagt Regionssprecherin Christina Kreutz. Bei den meisten Städten – auch in Hannover – lag bis gestern keine Anfrage zum Trassenbau vor.

Wie läuft das Verfahren jetzt ab?

Im ersten Schritt, dem Raumordnungsverfahren, wird der grobe Korridor vorgestellt. Gegen diesen ersten Plan können Einwände vorgetragen werden, über die dann von den Behörden entschieden wird. Erfahrungsgemäß melden sich in dieser ersten Phase besonders viele, die gegen die Pläne protestieren. Im zweiten Schritt wird der genaue Verlauf der Trasse entworfen, dies wird in einem Planfeststellungsverfahren wieder mit Beteiligung von Verbänden und Anliegern festgelegt. Das Verfahren wird mit einem „Planfeststellungsbeschluss“ beendet – und gegen den können betroffene Grundeigentümer dann vor Gericht ziehen.

Welche Einflussmöglichkeiten haben die Bürger auf die Pläne?

Oft dreht sich der Streit um die Frage, ob die Stromleitung auf 70 Meter hohen Masten oder unterirdisch verlegt werden soll. Tennet hat sich bisher gegen die Erdverkabelung gewehrt, weil diese zu teuer und schlechter zu warten sei. Viele Bürgerinitiativen aber kämpfen dafür. Welche Teile unterirdisch verlegt werden, kann davon abhängen, wie energisch der Widerstand in einzelnen Regionen ist.

Was ist, wenn sich Grundeigentümer gegen die Strommasten wehren?

Je konkreter die Planung wird, desto intensiver tauscht sich Tennet mit den Grundeigentümern aus. Diesen können Abfindungen angeboten werden. Wie hoch die Summen ausfallen, ist Verhandlungssache. Wenn sich jemand trotzdem querstellt, sind zwei andere Möglichkeiten denkbar – entweder Tennet macht einen Bogen um das Areal, oder aber es wird eine Enteignung anvisiert. Diese ist durchaus möglich, kostet aber viel Zeit.

Gibt es in Niedersachsen schon Proteste?

In den vergangenen Jahren hat Tennet bereits mehrere Stromtrassen geplant. Besonders viel Aufregung gab es um die Strecke zwischen Wahle bei Peine und Mecklar in Nordhessen. In Bad Gandersheim hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sich seit Jahren rege um das Thema kümmert und eine Vernetzung aller Protestgruppen gegen neue Hochspannungsleitungen anpeilt. Der Druck dieser Initiative hat offenbar zu einem ersten Erfolg geführt – das Gebiet, in dem die Gruppe aktiv ist, wird im neuen Tennet-Plan umgangen. Das Beispiel zeigt: Protest kann durchaus erfolgreich sein, denn die Planer sind bestrebt, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

Warum sind die Proteste in Süddeutschland weit größer als im Norden?

Durch die Energiewende wird Bayern zum Stromimporteur. Nach dem Abschalten der Atomkraftwerke soll Windstrom aus Norddeutschland den Freistaat versorgen. Schon das verträgt sich nicht mit dem Selbstbewusstsein des wirtschaftlich starken Landes. Dazu kommt, dass für die erforderlichen Stromautobahnen quer durch das Land bis zu 70 Meter hohe Masten aufgestellt werden müssen. Aktuell treibt die geplante Trasse von Halle in Sachsen-Anhalt bis in die Nähe von Augsburg die Anwohner auf die Barrikaden. Sie sehen ganze Regionen Bayerns verschandelt.

Warum fordert auch Bayerns Ministerpräsident Seehofer einen Ausbaustopp?

Am 16. März sind dort Kommunalwahlen. Die Kommunalpolitiker entlang der geplanten Süd-Ost-Trasse bekommen den Ärger unmittelbar zu spüren. Das alarmiert den Stimmungspolitiker Horst Seehofer, der seine CSU auf Landesebene gerade wieder in die absolute Mehrheit zurückgeführt hat. Er hat stets versprochen, nichts werde gegen den Willen der Betroffenen zu entscheiden. Darauf berufen sich jetzt die Trassengegner. In dieser Situation kann Seehofer das Südlink-Projekt überhaupt nicht gebrauchen. Der Ruf nach einem Moratorium soll nun den Unmut besänftigen.

Von Jens Heitmann, 
Klaus Wallbaum, Arnold Petersen 
und Simon Benne

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Einwände geplant

„Einwände zu Stromplan sollen rasch kommen“: Die Landesregierung wird womöglich einen eigenen Vorschlag zu der Frage vorlegen, wo die geplante neue Stromtrasse „Südlink“ von Schleswig-Holstein nach Bayern langführen soll.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 84,19 +2,58%
CONTINENTAL 188,69 +0,17%
DELTICOM 16,23 +2,08%
HANNO. RÜCK 95,25 +0,80%
SALZGITTER 29,16 +1,02%
SARTORIUS AG... 74,86 +1,33%
SYMRISE 65,60 +1,30%
TALANX AG NA... 27,13 -0,42%
TUI 12,74 +1,57%
VOLKSWAGEN VZ 115,78 +0,63%
DAX
Chart
DAX 10.542,50 +1,00%
TecDAX 1.808,00 +0,88%
EUR/USD 1,1218 +0,02%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

LUFTHANSA 10,20 +0,80%
DT. BANK 11,02 +0,77%
VOLKSWAGEN VZ 115,78 +0,63%
SAP 82,01 +0,06%
BEIERSDORF 84,63 +0,10%
HEID. CEMENT 84,81 +0,12%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
AXA IM Fixed Incom RF 211,74%
AXA World Funds Gl RF 175,51%
Bakersteel Global AF 144,74%
Crocodile Capital MF 129,14%
Stabilitas PACIFIC AF 129,02%

mehr