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Lieferservice bei Supermärkten Auf Hausbesuch

Neben Beruf und Familie wird für manche der Einkauf zur Belastung. Supermärkte versuchen, es ihren Kunden mit Lieferservice und Drive-in-Schaltern einfacher zu machen – doch in Deutschland laufen diese Konzepte nur schleppend an.

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Neuer Trend in Deutschland? So wie Rewe bieten auch andere Lebensmittelmärkte einen Lieferservice an.

Quelle: dpa

Hannover. Milchmann und Bäcker liefern nur noch selten frische Lebensmittel bis an die Haustür. Dabei würde das vielen Kunden durchaus gefallen – denn die Zeit, die sie im Supermarkt verbringen können, wird knapper. Große und kleine Lebensmittelhändler haben das Problem erkannt und versuchen zu helfen: indem sie ihren Kunden ein schnelleres Einkaufen anbieten. Sei es an einem Drive-in-Schalter, an dem man über das Internet bestellte Ware einfach abholen kann, sei es per Lieferservice, der die im Netz bestellte Ware vorbeibringt. Oder per Paketversand, bei dem ausgesuchte Ware per Post kommt.

Im Winter 2010 hat die Supermarktkette Real in Isernhagen ihren bundesweit ersten Drive-in-Schalter eröffnet. Das Konzept ist denkbar einfach: Auf der Internetseite des Supermarkts können Kunden aus rund 5000 Produkten wählen. Fleisch, Geflügel, Wurst und Käse, auch frische Milchprodukte, Eier und gekühlte Fertigprodukte – alles darf in den Einkaufskorb. Pro Warengruppe, so verspricht das Unternehmen, können die Kunden aus zwei bis drei verschiedenen Sorten wählen. Dabei werden günstigere Ware sowie Marken- und Bioprodukte abgedeckt. Ist der Einkauf am heimischen Rechner zusammengestellt, kann er frühestens zwei Stunden später am Supermarkt abgeholt werden – fertig verpackt in Tüten. Einen Euro Gebühr kostet das den Kunden.

„Im Durchschnitt nutzen 65 Kunden den Drive-in täglich“, sagt Real-Sprecherin Annika Albrecht. Der mittlere Einkaufswert auf dem Kassenbon dieser Kunden sei häufig höher als bei Einkäufern, die direkt im Markt waren. Dementsprechend positiv fällt bei Real die Bilanz nach bald drei Jahren Drive-in aus. „Die Resonanz der Kunden ist positiv“, sagt Albrecht. Die meisten seien Stammkunden, doch auch mit der Zahl neuer Kunden sei man zufrieden. Zurzeit gibt es nur zwei Real-Drive-in-Schalter in Deutschland. Ob das Unternehmen weitere Schalter plant, dazu will es sich nicht äußern.

Deutlich ist: Die Deutschen sind bei dieser Form des Einkaufens zurückhaltender als ihre Nachbarn. In Frankreich etwa gibt es bereits an 2000 Supermärkten einen Drive-in. Die Schalter erzielten nach Daten von Planet Retail im Vorjahr einen Umsatz von zwei Milliarden Euro. In London drehen derweil Lieferwagen der Supermarktriesen ihre Runden. „In Großbritannien wird schon drei Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes online abgewickelt“, sagt Planet-Retail-Analyst Joachim Pinhammer. In Deutschland liegt der Onlineanteil am Lebensmittelumsatz im Promillebereich.

Der Drive-in-Supermarkt ist nur eines von drei Geschäftsmodellen im Online-Lebensmittelhandel. Im Internet bestellte Ware kann auch von einem Lieferservice gebracht oder per Paket geliefert werden. Dabei seien die Anforderung an die Logistik ziemlich hoch, sagt Trendforscher Marco Atzberger vom Handelsinstitut EHI. Um etwa Ware zu kühlen, kämen bei Lieferdiensten spezielle Fahrzeuge oder Boxen zum Einsatz. „Nur langsam fangen die Lieferkonzepte an zu funktionieren.“

Was in Deutschland fehlt, sei eine Tradition, Lebensmittel liefern zu lassen, sagt Atzberger. Ein Grund für die schwache Nachfrage im Internet sehen Fachleute wie Händler an der hohen Ladendichte. Einen Lieferdienst profitabel betreiben zu können ist in Deutschland nicht leicht. Fehlt etwa ein starker Kapitalgeber, verschwindet ein Unternehmen schnell von der Bildfläche. Die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann betreibt nach eigenen Angaben ihren Lieferservice „Bringmeister“ ohne riesige Verluste – dank mehr als zehn Jahren Erfahrung.
Doch wer tätigt den Einkauf vom Rechner aus? Wer vertraut auf Qualität, Frische und eine pünktliche Lieferung? „Den typischen Nutzer des Lebensmittel-Lieferservice gibt es nicht“, heißt es bei Kaiser’s Tengelmann. Zur Kundschaft gehörten Mütter, Studenten und ältere Kunden. Eben solche, die nicht genug Zeit oder Kraft für den Besuch im Supermarkt haben. Doch sei es schwer, diese Kunden zu finden, sagt Karsten Schaal, der Gründer und Geschäftsführer vom Onlinelieferservice Food.de. Es sei wichtig, dass sich ein guter Service in der Nachbarschaft herumspreche. Mehr als jeder dritte Kunde bestelle aber in absehbarer Zeit wieder. Der Wochenendeinkauf ist das erklärte Ziel, sagt Schaal. Der Weg sei jedoch noch lang.

Felix Klabe und Volker Danisch

Klicken, Liefern, Abholen: So funktioniert der Netzeinkauf

  • Real: Zwei Drive-in-Märkte gibt es im Bundesgebiet, in Isernhagen und in Köln-Porz. Seinen Einkauf stellt man zunächst online zusammen und kann ihn frühestens zwei Stunden später vor der Filiale – in Isernhagen in der Opelstraße – im Auto verstauen. Erhoben wird dafür eine Gebühr von einem Euro ( www.real-drive.de). Einen Lieferservice aus den Filialen bietet Real nur für Großprodukte wie Kühlschränke oder Matratzen an. „Die Einrichtung eines generellen Lieferservices wäre mit hohen Kosten verbunden, die sich zwangsläufig in unseren Preisen niederschlagen würden“, heißt es beim Unternehmen. Der Real-Onlineshop bietet Artikel abseits des Lebensmittelsortiments vom Heizkissen bis zur Digitalkamera. Die gewählte Ware wird per Paketservice innerhalb von fünf Tagen direkt nach Hause (mit einer Versandkostenpauschale von 4,95 Euro) oder an eine Real-Filiale eigener Wahl (versandkostenfrei) geliefert ( www.real.de).
  • Edeka: Die Homepage informiert über aktuelle Angebote, gesunde Ernährung und Produktqualität, einen Onlineshop gibt es nicht. Die Filialen organisieren individuell Lieferservice und -sortiment. Frische Lebensmittel gehören aber meist dazu. In der Region Hannover beliefern fünf Edeka-Geschäfte ihre Kunden bis vor die Haustür: im Stadtgebiet sind dies Durasin (Lister Meile) und Hippauf (Hildesheimer Straße), in Seelze Ehlert und Schnobl, in Uetze ist es Habel ( www.edeka.de).
  • Lidl: Der Discounter wartet in seinem Onlineshop mit einem Sortiment von Goldmünzen über Funktionskleidung bis Wasserbett auf. Mit wenigen Klicks sind die Produkte geordert; innerhalb von zwei bis drei Tagen stellt sie ein Paketdienst – gegen eine Versandkostenpauschale von 4,95 Euro – vor die Haustür ( www.lidl.de)
  • Marktkauf: Eine Onlinedirektbestellung ist nicht möglich – dafür gibt es eine Angebotsübersicht. Kunden schicken ihre Wünsche per E-Mail oder Brief oder sie kaufen ein – und bekommen die Ware an die Haustür gebracht. Das Geschäft an der Vahrenwalder Straße in Hannover liefert täglich zwischen 14 und 19 Uhr, die Filiale in Wunstorf mittwochs und donnerstags, nachdem der Kunde im Markt eingekauft und bezahlt hat ( www.marktkauf.de).
  • Rewe: Mit zwei Onlinekonzepten wartet das Unternehmen auf – Drive-in und Lieferservice. An bundesweit 13 Drive-in-Filialen können Kunden ihren im Netz gefüllten Einkaufskorb abholen, in der Region Hannover ist dies noch nicht möglich. Gleiches gilt für den Lieferservice zum Wunschtermin, auch hier sind die Hannoveraner noch außen vor. Das Angebot umfasst das komplette Supermarktsortiment, auch die Preise sind gleich. Der Lieferservice wird ab einem 40-Euro-Einkauf angeboten, die Gebühr beträgt fünf Euro. Beim Abholservice fällt eine Gebühr von zwei Euro an ( www.rewe-online.de).
  • Penny: Die Homepage informiert über Angebote und Sortiment – ohne Bestellfunktion ( www.penny.de).
  • Kaufland: Der Internetauftritt bietet eine Angebotsübersicht, einen Onlineshop gibt es nicht. Dafür einen Link für mobile Endgeräte. Lieferservice oder Drive-in-Filialen sind nicht geplant ( www.kaufland.de).
  • Aldi: Kunden finden auf der Homepage Informationen zum aktuellen und künftigen Angebot sowie Hinweise auf Reisen sowie Foto- und Blumenservice ( www.aldi-nord.de).

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