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Eine Chance für deutschen Käse

TTIP-Serie Eine Chance für deutschen Käse

Europäische Hersteller könnten vom Freihandelsabkommen mit den USA durchaus profitieren. Produkte von Hormonkühen sind allerdings nicht kennzeichnungspflichtig. Teil 3 einer mehrteiligen Serie über die gravierenden Unterschiede in der Lebensmittelproduktion.

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„Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel sind in den USA gefragt“ - aber europäische Molkereien müssen sich bisher noch nach US-Standard zertifizieren lassen. Foto: afp

Quelle: JEAN-PIERRE CLATOT

Hannover. Das Milchregal im US-Supermarkt Walmart ist dreimal so groß wie hierzulande. Es gibt Vollmilch, Milch mit 2 Prozent Fett, Milch mit 0 Prozent Fett. Laktosefreie Milch, laktosefreie fettreduzierte Milch, Milch mit zugesetztem Vitamin A und D oder Omega-3. Und da ist noch die Milch „ohne künstliche Wachstumshormone“. In Europa eine Selbstverständlichkeit. In den USA sind die Hormone, die bewirken, dass Milchkühe rund 10 Prozent mehr Milch geben, aber erlaubt.

HAZ-Serie: Was kommt mit TTIP?

Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP wird ein großes Thema sein, wenn US-Präsident Barack Obama am 24. April zur Hannover Messe nach Deutschland kommt. Ziel des Abkommens ist nicht nur der Abbau von Zöllen, sondern auch die Harmonisierung von Vorschriften: Handelshemmnisse aller Art sollen beseitigt werden. Vor allem die Industrie und der Dienstleistungssektor könnten von TTIPprofitieren.

TTIP-Kritiker in Europa befürchten, dass Verbraucher das Nachsehen haben werden, weil in den USA andere Vorschriften in der Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit gelten. Ob mit TTIP tatsächlich europäische Standards aufgegeben werden, wird erst das fertige Abkommen zeigen. Fakt ist aber, dass es gravierende Unterschiede in der Lebensmittelproduktion gibt. Wie diese aussehen, beleuchtet die HAZ in einer mehrteiligen Serie.

„In den Vereinigten Staaten hat der Konsument die Wahl“, sagt ein Angestellter im US-Ministerium für Landwirtschaft. „Wer organische Milch will, kann sie kaufen.“ In der EU ist die Auswahl meist kleiner, dafür gibt es mehr Regularien. So ist es europäischen Milchbauern verboten, ihren Kühen Wachstumshormone zu verabreichen, weil diese Nebenwirkungen für die Tiere haben.

Im fertigen Produkt, also in Milch, Käse oder Butter, sind die Hormone aber nicht mehr nachweisbar. Der Import dieser Produkte in die EU ist deshalb erlaubt, sie müssen auch nicht gekennzeichnet werden. Bisher exportieren die USA aber nur sehr wenig Milchprodukte nach Europa - auch weil die Zollabgaben mit rund 36 Prozent hoch sind. Mit TTIP könnten die Zölle fallen. Kritiker befürchten, dass dann auch mehr Milchprodukte von hormonbehandelten Kühen in den Supermärkten der EU landen. Dass Milch aus den USA die angespannte Lage auf dem europäischen Milchmarkt weiter verschärfen könnte, halten Handelsexperten aber für unwahrscheinlich. Gerade weil der Milchpreis hierzulande so niedrig ist, lohnt es sich für amerikanische Milchexporteure nicht, die hohen Transportkosten zu zahlen.

Im Gegenteil: Wahrscheinlicher ist, dass die europäischen Milchbauern von TTIP profitieren. So könnten sich nach Einschätzung von Experten europäische Käse­spezialitäten zum Exportschlager entwickeln. „Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel sind in den USA gefragt. In den letzten Jahren sind insbesondere die Käse­ausfuhren in die USA gewachsen“, schreibt etwa der Deutsche Raiffeisenverband in einem Positionspapier. Mit 130 000 Tonnen sind die USA schon heute der größte EU-Exportmarkt für Käse.

In amerikanischen Supermärkten sieht man davon bisher aber noch wenig. Die Käseauswahl ist meist klein - es gibt vor allem Hartkäse aus pasteurisierter Kuhmilch wie Cheddar oder Jack. Weich- oder Schimmel­käse sucht man dagegen in vielen Supermärkten vergeblich. Grund sind die strengeren Vorschriften für bakteriologische Grenzwerte. „Die USA sind sehr vorsichtig beim Import von Rohmilchkäse, weil ihnen das Keimrisiko zu hoch ist“, erklärt Janine­ Pelikan vom Thünen-­Institut für Marktanalyse, einer Bundesforschungseinrichtung des Landwirtschafsministeriums.

Weil Rohmilchkäse vor der Verarbeitung nicht erhitzt wird, kann er Krankheitserreger wie Listerien enthalten. Auch in Europa wird deshalb zum Beispiel Schwangeren vom Verzehr abgeraten. In den USA darf Rohmilchkäse generell nur importiert werden, wenn er mindestens 60 Tage lang gereift ist. Dann nämlich sollen die Erreger abgestorben sein.

Aber auch bei Käse aus pasteurisierter Milch haben die USA ihre eigenen Prüfverfahren. Europäische Molkereien müssen sich nach dem US-Standard zertifizieren lassen - die EU-Normen werden nicht anerkannt. Weil die Zertifizierung kostspielig ist, sind nur wenige große Molkereien überhaupt zugelassen. Ihre Produkte sind auf dem amerikanischen Markt dann meist doppelt so teuer - denn neben dem aufwendigen Prüfverfahren schlagen derzeit noch Zölle von etwa 18 Prozent zu Buche.

Käsereien und Landwirtschaftsverbände hoffen deshalb, dass mit TTIP einheitliche Standards eingeführt werden. Das Ifo-Institut erwartet, dass sich die Käseexporte dann verfünf-, versechs- oder gar verzehnfachen könnten.

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