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Der Name Gerling ist Geschichte

Versicherungsbranche Der Name Gerling ist Geschichte

Es ist das Ende einer Ära in der Versicherungsbranche: Talanx setzt im Industriegeschäft jetzt nur noch auf die Marke HDI und beerdigt den Namen Gerling. Auch etliche Gebäude des Konzerns in Hannover bekommen eine neue Flagge.

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 Die frühere Zentrale des Versicherungskonzerns Gerling in Köln im Jahr 2005. Die deutsche Versicherungswirtschaft verliert nun einen großen Namen.

Quelle: dpa

Hannover. Dass ein Großkonzern den Familiennamen des Gründers trägt, ist zumindest in der Versicherungswirtschaft äußerst selten. Bei der Kölner Gerling-Gruppe war dies der Fall - doch diese Ära geht nun zu Ende. Zehn Jahre nach der Übernahme durch Talanx wird der traditionsreiche Name getilgt. Auch im weltweiten Geschäft mit der Großindustrie setzt der hannoversche Konzern nun allein auf die Marke HDI: Die bisherige HDI Gerling Industrie Versicherung AG heißt jetzt HDI Global SE.

Internationalisierung als Grund für Umbenennung

Ihr Chef Christian Hinsch begründet die Umbenennung vor allem mit der Internationalisierung des Geschäfts. „Knapp 60 Prozent unserer Prämie erwirtschaften wir heute bereits im Ausland - mit steigender Tendenz.“ Das Unternehmen gehört heute schon weltweit zu den Topversicherern der großen Konzernadressen - doch vor allem im Ausland taten sich die Kunden manchmal schwer mit den Bezeichnungen. „Der neue Name ist einfacher, kürzer und leichter auszusprechen“, erläutert Talanx-Vorstand Hinsch. Zudem werde damit die Markenvielfalt im Konzern etwas verringert. Unterstrichen wird der globale Anspruch des hannoverschen Unternehmens zusätzlich durch den Wandel der Rechtsform in eine europäische Aktiengesellschaft mit der Kurzbezeichnung SE (für „Societas Europaea“).

Mit dem Abschied vom Namen Gerling folgt die Talanx-Industriesparte dem Privatkundengeschäft des Versicherers. Dort wurde dieser Schritt schon vor Jahren vollzogen. Deshalb ist in Köln, dem einstigen Gerling-Hauptsitz, der Name schon länger von den Firmenschildern verschwunden. Dennoch bleibt Gerling der Rheinmetropole erhalten. Schließlich ist ein ganzer Stadtteil nach dem einst größten Familienunternehmen der Versicherungsbranche benannt: Das „Gerling-Quartier“ beherbergte die Hauptverwaltung des Unternehmens, heute ist es ein exklusives Wohn- und Geschäftsviertel in bester Innenstadtlage von Köln.

Robert Gerling legte 1904 den Grundstein

Dort hatte im Jahr 1904 Robert Gerling mit der Vermittlungsgesellschaft Bureau für Versicherungswesen Robert Gerling & Co. GmbH den Grundstein für den Versicherungskonzern gelegt, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der führenden Unternehmen der Branche aufstieg. Hans Gerling, Sohn des Firmengründers, lenkte die Gruppe wie ein Patriarch und wollte seine Macht auch äußerlich zur Geltung bringen - unter anderem mit einem Verwaltungsgebäude, das die Kölner wegen seiner Anklänge an die Protzarchitektur der Nazis als „kleine Reichskanzlei“ verspotteten.

Der Konzern geriet in den Siebzigerjahren im Gefolge der Herstatt-Bank-Pleite in Schwierigkeiten. Ganz ernst wurde es jedoch, nachdem Rolf Gerling die Führung übernommen hatte. Er interessierte sich sehr für Umweltschutz und Sonnenenergie, weniger jedoch für das Versicherungsgeschäft. Das Unternehmen kam unter anderem durch ein verlustreiches Engagement auf dem US-Rückversicherungsmarkt sowie die Folgen des 11. September 2001 in eine Schieflage. Gerling blieb nur der Verkauf. Den größten Teil erwarb vor zehn Jahren Talanx - und laboriert bis heute an den Folgen der Übernahme. In Hannover hatte man sich die Integration einfacher vorgestellt.

Neustart mit neuem Namen

Doch mit dem Namen sollen nun auch die Erinnerungen an diese Probleme verschwinden. Die HDI Global SE ist mit rund 3000 Mitarbeitern in 130 Ländern aktiv und kam zuletzt auf 4 Milliarden Euro Prämieneinnahmen. Zu den Kunden gehören so gut wie alle Dax-Konzerne. Damit ist der 1903 als „Haftpflichtverband der deutschen Eisen- und Stahl-Industrie“ gegründete HDI Deutschlands führender Industrieversicherer.

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