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„Entzug von Pflichtteil nur selten möglich“

Telefonaktion zum Erbrecht „Entzug von Pflichtteil nur selten möglich“

Welche Formvorschriften sind bei einem Testament zu beachten? Die vier hannoverschen Anwälte Frank-Holger Lange, Holger Klose, Gerd Lange und Jasper Mauersberg beantworteten Leserfragen zum Erbrecht.

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Ein selbst gemachtes Testament muss grundsätzlich vom Erblasser vollständig handschriftlich verfasst sein. 

Quelle: Jens Büttner

Hannover. Welche Form muss ich bei einem Testament einhalten und wann sollte ich zu einem Notar gehen?
Das Testament muss handschriftlich und eigenhändig vom Erblasser verfasst sein. Auf keinen Fall dürfen Ort, Datum sowie die Unterschrift fehlen. Natürlich müssen Sie auch deutlich machen, wer der oder die Erben sein sollen, und nicht nur Vermächtnisse aussetzen. Einen Notar sollten Sie im Zusammenhang mit Testamenten dann konsultieren, wenn zum Nachlass eine Immobilie gehört. Denn das Grundbuchamt trägt bei einem handschriftlichen Testament im Falle des Todes die Erben nicht ins Grundbuch ein. Hierfür muss ein notarielles Testament vorliegen. Andernfalls muss ein Erbschein beantragt werden. Dasselbe gilt, wenn Sie bei einer Bank angelegtes Kapitalvermögen zu vererben haben, denn die Banken akzeptieren als Erbnachweis nur Erbscheine oder notariell beurkundete Testamente.

Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Wie sieht die gesetzliche Erbfolge aus?
Ist kein Testament vorhanden, erhält der Ehepartner die Hälfte des Nachlasses, während den Kindern die andere Hälfte zu gleichen Teilen zusteht. Wenn Sie aber in einem Ehevertrag Gütertrennung vereinbart haben, erhalten jeweils Ihre Ehefrau und Ihre beiden Kinder ein Drittel Ihres Nachlasses.

Ich habe mit meinem verstorbenen Ehemann ein „Berliner Testament“ errichtet. Damit haben wir uns wechselseitig als Erben eingesetzt. Schlusserben sind unsere Kinder zu gleichen Teilen. Mit einem Kind habe ich mich allerdings zerstritten. Kann ich das Testament jetzt noch ändern?
Nein, das Testament können Sie nicht mehr ändern, wenn im Testament keine Möglichkeit eingeräumt wurde, nach dem Tode des Erstversterbenden das Testament ändern zu dürfen. Nur mit dieser sogenannten Öffnungsklausel hätten Sie die Möglichkeit, das Testament zu ändern.

Ich habe eine Frau geheiratet, die drei Kinder in die Ehe mitgebracht hat. Meine Frau und ich wollen uns gegenseitig als Erben einsetzen. Mit zweien ihrer Kindern verstehe ich mich nicht gut. Wie kann ich verhindern, dass diese Kinder an meinem Nachlass partizipieren, wenn meine Frau nach mir verstorben ist? Hätten die beiden übergangenen Kinder Pflichtteilsansprüche?
Sie können ein Testament errichten, in dem Sie Ihre Frau als - gegebenenfalls befreite - Vorerbin einsetzen und nur das Ihnen nahestehende Kind zum Nacherben machen. Pflichtteilsansprüche der beiden anderen Kinder würden, bezogen auf Ihren Nachlass, nicht entstehen, weil sie keine Abkömmlinge von Ihnen sind.

Mein Vater hat 1960 in seinem Testament angeordnet, dass mein Bruder das Elternhaus bekommen und mir als Ausgleich 50.000 DM zahlen soll. Ist dieser Betrag auch heute noch gültig oder ist er der Geldentwertung oder der Entwicklung der Grundstückspreise anzupassen?
Hier wäre zu prüfen, ob über eine Auslegung des Erblasserwillens eine Anpassung dieses Betrages vorzunehmen ist. Dazu müsste man den genauen Wortlaut des Testaments und die wirtschaftlichen Verhältnisse zum Zeitpunkt der Festlegung dieser Ausgleichszahlung kennen. Grundsätzlich gibt es im Gesetz sehr viele Regelungen dazu, wie unklare oder unvollständige letztwillige Verfügungen ausgelegt werden können.

Mein Mann und ich haben ein Haus in Frankreich und leben die meiste Zeit dort. Spielt mein Aufenthaltsort nun eine Rolle bei der Testamentserrichtung?
Nach der Europäischen Erbrechtsverordnung, die für alle Erbfälle ab dem 17. August 2015 Gültigkeit hat, gilt dann für Sie das französische Erbrecht, weil sie Ihren ständigen Aufenthaltsort in Frankreich haben. Jedoch können Sie dies durch eine Rechtswahl im Testament vermeiden: Möchten Sie das gesamte Vermögen oder jedenfalls Ihr Haus in Frankreich nicht nach französischem Recht vererben, haben Sie die Möglichkeit, das deutsche Recht zu wählen.

Ich bin sehr vermögend und möchte meine Ehefrau und deren Sohn aus erster Ehe als meine Alleinerben einsetzen. Welche steuerlichen Freibeträge haben diese?
Ihrer Ehefrau steht ein Freibetrag von 500 000 Euro zu und Ihrem Stiefsohn ein Freibetrag von 400 .000 Euro. Er wird insoweit wie ein leibliches Kind behandelt.

Wie kann ich mein Kind, das nicht nur undankbar ist, sondern mich sogar körperlich bedroht hat, enterben?
Enterben können Sie das Kind ohne weiteres. Allerdings hat es in diesem Fall einen Pflichtteilsanspruch und kann von den Erben die Zahlung eines Geldbetrags verlangen, der 50 Prozent seines gesetzlichen Erbteils entspricht. Die Hürden, die das Gesetz für eine Entziehung auch dieses Pflichtteils stellt, sind sehr hoch. In der Regel muss das Kind wegen einer gravierenden Straftat zum Nachteil des Erblassers von einem Gericht verurteilt worden sein.

Welche Kosten entstehen bei dem notariell beurkundeten gemeinschaftlichen Ehegattentestament oder Erbvertrag?
Das hängt vom Wert der beiden zu erwartenden Nachlässe ab. Bei einem Gesamtwert von zum Beispiel 110 000 Euro betragen die Kosten rund 680 Euro, bei einem Gesamtwert von 500 000 Euro kostet ein notariell beurkundetes gemeinschaftliches Testament etwa 2500 Euro. Diese Kosten sind geringer, als wenn später in beiden Erbfällen Erbscheine beantragt werden müssen, weil zum Nachlass jeweils eine Immobilie gehört.

Kann ich in meinem Testament festlegen, wie ich bestattet werden soll?
Sie können den Bestattungswunsch zwar im Testament festlegen, im Regelfall wird das aber nichts nützen, da es üblicherweise erst nach der Beerdigung vom Gericht eröffnet wird. Eine solche Festlegung können und sollten Sie im Rahmen einer Vorsorgevollmacht treffen. Damit vermeiden Sie auch, dass für Sie vom Gericht ein Betreuer bestellt werden muss, wenn Sie Ihre Angelegenheiten selbst nicht mehr regeln können.

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