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Deutschland / Welt Telekom-Hacker hat vor Gericht gestanden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Telekom-Hacker hat vor Gericht gestanden
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21:10 21.07.2017
Von Stefan Knopf
„Oh Shit“: Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte bestürzt über die Auswirkungen seines Hackerangriffs, der in Deutschland 1,25 Millionen Telekom-Kunden betraf. Quelle: Marius Becker
Köln

Mithilfe einer Dolmetscherin sagte der Angeklagte anschließend selbst aus. Die Aktion sei „der schlimmste Fehler seines Lebens“ gewesen. Als Motiv nannte „Spiderman“ - wie er sich im Netz nannte - Geldsorgen. Er wolle seine Verlobte heiraten. Für einen „guten Start ins Eheleben“ habe er sich ein gewisses Polster zulegen wollen.

Durch seine Netz-Attacke hatte der Brite im November 2016 in Deutschland massenweise „Speedport“-Router lahmgelegt. Bei rund 1,25 Millionen Telekom-Kunden waren teilweise Internet, Telefon und Fernsehen gestört. Das Bonner Unternehmen bezifferte den Schaden auf mehr als 2 Millionen Euro.

Festnahme in London

Das Bundeskriminalamt (BKA) war dem Hacker schließlich gemeinsam mit Europol auf die Schliche gekommen. Im Februar wurde er an einem Londoner Flughafen festgenommen und kurze Zeit später nach Deutschland ausgeliefert. Die Staatsanwaltschaft Köln wirft ihm versuchte gewerbsmäßige Computersabotage vor.

Der Angriff habe nicht gezielt der Telekom gegolten, sagte der Angeklagte. Er habe im Auftrag eines Telekommunikationsunternehmens aus Liberia gehandelt und einen weltweiten Angriff auf Router gestartet - mit dem Ziel, sie zum Teil eines sogenannten Botnets zu machen. Dieses Netzwerk aus zusammengeschalteten Computern und Elektronik-Geräten sollte die Konkurrenz in Liberia ausschalten. Dafür habe er 10 000 Dollar bekommen.

Das Computer-Wissen habe er sich selbst angeeignet. Nach dem Highschool-Abschluss in Israel, wo er aufgewachsen sei, habe er lediglich „ein paar Programmierkurse“ belegt. Ausbildung und Studium könne er nicht vorweisen, so der 29-Jährige.

Dass sich Router in Deutschland nach seinem Angriff abschalteten, habe er erst aus den Medien erfahren und gedacht: „Oh Shit.“ Er allein sei der Drahtzieher der Aktion. Eine weitere Person habe ihm aber geholfen, eine Art Nebelkerze im Netz zu zünden und die Spuren zu verwischen.

Ein Informatiker der Telekom sagte aus, die deutschen Geräte seien „immun“ gegen den Angriff gewesen. Da die Schadsoftware wiederholt versucht hatte, sich auf den Routern auszubreiten, hätten sich die Geräte aber unter der Last abgeschaltet.

Erst durch den riesigen Ausfall war der Hacker-Angriff überhaupt aufgefallen - das BKA hatte daraufhin mit den Ermittlungen begonnen. Die weltweite „Infektionsrate“ sei sehr gering gewesen, erklärte ein BKA-Mitarbeiter.

Laut Gericht droht dem Angeklagten eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

So bleiben IT-Angreifer draußen

Hundertprozentige Sicherheit gegen Attacken aus dem Internet gibt es nicht. Trotzdem können viele Verbraucher ihren Schutz deutlich verbessern. Tipps des Bundesamtes für Informationssicherheit (BSI) helfen dabei:
Firmware aktuell halten: Als Firmware wird die Betriebssoftware des Routers bezeichnet. Aktualisierungen bringen neue Funktionen, stopfen aber vor allem auch Sicherheitslücken.

Fernzugriff aus: Viele Router bieten an, angeschlossene Festplatten mit dem Internet zu verbinden. Diese praktische Funktion kann auch Einfallstor für Angreifer sein und sollte deaktiviert werden.
WLAN-Router per Kabelverbindung konfigurieren: Auch wenn es drahtlos praktischer ist – zur Einrichtung vor der ersten Inbetriebnahme und für alle folgenden Wartungsarbeiten sollte man seinen Rechner per LAN- oder USB-Kabel mit dem Router verbinden.

WLAN-Passwort ändern: Voreingestellte WLAN-Passwörter können geknackt werden. Deshalb sollten Nutzer ein eigenes Passwort mit mindestens 20 Zeichen vergeben.
Administrator-Passwort ändern: Der Code, mit dem man in das Einstellungsmenü des Gerätes gelangt, muss unbedingt sicher und individuell sein.

Netzwerknamen ändern: Nutzer sollten ihrem WLAN einen neuen Netzwerknamen (SSID) geben, weil der voreingestellte oft Herstellernamen und Gerätetyp enthält, was Angreifer ausnutzen können.     

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