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Ebeling und Döpfner: Ein seltsames Paar

Springer kooperiert mit ProSiebenSat.1 Ebeling und Döpfner: Ein seltsames Paar

Der eine führt ProSiebenSat.1, der andere Springer – gemeinsam könnten Thomas Ebeling und Mathias Döpfner den deutschen Meinungsmarkt dominieren. Doch fusioniert wird vorerst nicht. Und Freunde werden die beiden auch kaum.

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Es hätte viel Fantasie bedurft, sich vorzustellen, dass sich zwei Männer wie Thomas Ebeling und Mathias Döpfner hätten zusammenraufen können.

Quelle: dpa

Berlin. Es war ein Gedankenspiel. Eines, das, wäre es wahr geworden, die gesamte Medienlandschaft durcheinandergewirbelt hätte: das Zusammengehen der beiden Medienkonzerne Axel Springer und ProSieben Sat.1. Vor drei Wochen war die Nachricht aus Bankenkreisen durchgesickert: Thomas Ebeling, Vorstandschef der Münchner Sendergruppe, und Mathias Döpfner, Vorstandschef des Berliner Verlags, stünden in frühen Verhandlungen.

Sofort war die Aufregung groß: Was für eine geballte Markt- und Medienmacht könnte da entstehen? Schon jetzt verfügt der „Bild“-Konzern im deutschen Meinungsmarkt laut Medien-Vielfaltsmonitor über einen Anteil von 8,5 Prozent, ProSieben Sat.1 über 7,8 Prozent. Addiert wären sie meinungsmächtiger als Bertelsmann, mit RTL und Gruner + Jahr das größte deutsche Medienunternehmen. Welche Folgen hätte das für den Zuschauer, die Leser, die Konkurrenz?

Es hätte viel Fantasie bedurft

An diesem Donnerstag wird Ebeling die Halbjahresbilanz von ProSieben Sat.1 präsentieren. Er hätte sich zu diesen Fragen äußern müssen. Doch am Mittwochnachmittag nahmen beide Konzerne allen Spekulationen die Luft: Eine Fusion ist nicht geplant. Über eine Zusammenarbeit zur Förderung digitaler Start-ups hinaus, ein Projekt, das sie wenige Minuten zuvor bekannt gemacht hatten, sei nichts geplant: „Weitere gesellschaftsrechtliche Veränderungen sind nicht vorgesehen“.

Tatsächlich hätte es viel Fantasie bedurft, wie sich zwei Männer wie Döpfner und Ebeling hätten zusammenraufen sollen. Im wahren Leben würden sie sich wohl nie begegnen. Der eine, 52 Jahre alt, führt den größten deutschen Zeitungsverlag, der andere, nur fünf Jahre älter, die größte deutsche Senderfamilie.

Es wäre ein Kräftemessen gewesen

Beide gehören sie zu den bestbezahlten Managern Deutschlands, mit Bezügen von gut zehn Millionen Euro der eine, mit zuletzt 27 Millionen Euro der andere. Sich jedoch vorzustellen, dass Ebeling, wie Döpfner, sprachgewaltig über ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert sinniert oder sich beim Spaziergang am Anblick blühender Rhododendren erfreut, fällt ebenso schwer wie sich umgekehrt Döpfner beim Thaiboxen vorzustellen oder beim Mitfiebern für Hannover 96.

An rechtlichen Hürden ist Springer vor zehn Jahren schon einmal mit dem Plan gescheitert, sich ProSieben Sat.1 einzuverleiben. Aber diesmal wäre es auch um ein Kräftemessen gegangen. „Wie kommen die dazu, uns als Juniorpartner zu bezeichnen?“, ereiferten sie sich bei Springer, als die Meldung von einem möglichen Zusammengehen öffentlich wurde und sie in der Presse die Formulierung lasen, deren Urheber sie bei ProSieben Sat.1 vermuteten.

Geschickter Teppichhändler

„Was treibt die, öffentlich zu erklären, Friede Springer werde in jedem Fall die Kontrolle behalten?“, regten sich die Münchner über die Berliner mit der Verlegerwitwe als Mehrheitsaktionärin auf. Harmonie klingt anders, aber darum wäre es auch nicht gegangen. Vielmehr um nackte Zahlen.

Da wiederum ticken Ebeling und Döpfner ganz ähnlich. Knapp 200 Millionen Euro Verlust belasteten Springer, als Döpfner 2002 mit damals 38 Jahren Vorstandsvorsitzender wurde. „Jugend forscht“ hämten Kritiker und erinnerten daran, dass er als Chefredakteur, der er bis dahin war, noch jede Zeitung defizitärer verließ, als er sie vorgefunden hatte. Bald erwies er sich als ebenso geschickter Teppichhändler wie Schöngeist. 2014 ist Springer gesund. Der Gewinn liegt bei 236 Millionen Euro.

Leidenschaftlicher Serienfan

Auch Ebeling wurde wenig zugetraut. Zwar hatte er sich als Sanierer des Schweizer Pharma-Unternehmens Novartis einen Namen gemacht. Vom Mediengeschäft indes hatte er keine Ahnung. Wie sollte er da den angeschlagenen Fernsehkonzern zum Erfolg führen?

Aktuell wird die Aktie, die seinerzeit bei einem Euro dümpelte, mit 45 Euro gehandelt. Auch hat sich Ebeling als leidenschaftlicher Serienfan entpuppt. Bei wichtigen Produktionen verlegt er angeblich sogar sein Büro in die Nähe des Geschehens. Mitarbeiter vermuten, er wolle damit demonstrieren: Obacht, ich bekomme mit, wenn hier irgendjemand glaubt, unnötig Geld ausgeben zu können. 

Kapuzenshirt statt Krawatte

Döpfner wie Ebeling haben früh erkannt, dass sie ihre Unternehmen auf die Digitalisierung der Medienlandschaft einstellen und die Abhängigkeit vom klassischen Print- sowie dem werbefinanzierten Fernsehgeschäft reduzieren müssen. Döpfner tat dies, indem er Traditionsgeschäfte wie die Buchverlage und Regionalzeitungen abstieß.

Stattdessen beteiligte er Springer an Start-ups, kaufte Portale, die das für Zeitungen verloren gegangene Kleinanzeigengeschäft online betreiben, und führte für „Bild“ und „Welt“ digitale Bezahlmodelle ein. Um die Unternehmenskultur zu verändern, reiste er mit Führungskräften ins Silicon Valley, wo sie mit Kapuzenshirt statt Krawatte herumliefen und zu zweit in Doppelzimmern billiger Hotels übernachteten.

Verrat an der DNA?

Ganz anders Ebeling: Er ließ Führungskräfte bei einer Reise nach Tel Aviv von Soldaten im Nahkampf trainieren. Die strategisch bedeutendste Entscheidung traf Ebeling gleich zu Beginn seiner Amtszeit: Jungen Unternehmen überließ er Werbezeiten gegen eine Umsatz- oder Firmenbeteiligung. Zalando war die erste Firma, die damit ihren Bekanntheitsgrad steigerte, zahlreiche weitere folgten.

Inzwischen steht ProSieben Sat.1 im Ruf, ein Mischkonzern mit angeschlossenen Fernsehsendern zu sein. Nichts erinnert an die Gründungsidee des Pioniers Leo Kirch, der Sat.1 einst als Verlegerfernsehen startete, mit aufwendig eigenproduzierten Filmen punktete und den heute vielfach verbreiteten politischen Gesprächssendungen mit „Talk im Turm“ den Weg geebnet hat.

Verrat an der DNA des Unternehmens ist ein Vorwurf, mit dem sich auch Döpfner konfrontiert sieht. Springer gehe es nicht mehr um Journalismus, heißt es. „Bild“ taugt ohnehin nicht als publizistisches Aushängeschild.

Hart und direkt

Wie die beiden Männer mit diesen Vorwürfen umgehen, zeugt von ihrer Unterschiedlichkeit. Ebeling lässt das schlicht kalt. Hart und direkt, wie es seine Art ist, sagte er über das Verlustgeschäft mit dem Sender N24: „Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern“. Von seinen Mitarbeitern verlangt er ein Programm, das, in Anspielung auf die Münchner Schickeria-Disko, „mehr Bottrop als P1“ ist.

Ganz anders Döpfner. Er setzte sich nach dem Verkauf von „Hamburger Abendblatt“ und „Hörzu“ an seinen Laptop und schrieb eine Art Grundsatzprogramm für Springer. Der erste Satz lautet: „Sinn und Seele des Unternehmens ist der Journalismus.“ Niemals, sagt er, dürfe sich Springer, bei allem Streben nach Wachstum und Gewinn, die Frage stellen: „Wozu noch Journalismus, wenn ich mit E-Commerce auch ohne Journalismus viel Geld verdienen kann“?

"Es geht um Wachstum"

In der Wirtschaft allerdings ist Größe alles. Da sind sich die beiden Konzernchefs einig. Im Vergleich zu einem Internet-Giganten wie Google „können wir kleinen Hanseln aus dem kleinen Deutschland nichts anbieten“, sagte Ebeling einmal. Und Döpfner predigte seinen Führungskräften im vergangenen Jahr: „Jetzt, im nächsten Schritt, geht es ohne Wenn und Aber um Wachstum (…) Warum sollte Axel Springer nicht ein Unternehmen sein, das eine Marktkapitalisierung von zehn Milliarden Euro erreicht?“ Bei einer Fusion mit ProSieben Sat.1 wären es sogar 15 Milliarden gewesen, auf einen Schlag.

Dazu wird es nun nicht kommen, mehr als ein wenig Kooperation im Digitalen ist nicht verabredet. Aber für mehr hätte es Döpfner und Ebeling ohnehin an Gemeinsamkeiten gefehlt.

Von Ulrike Simon

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