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"Der iPhone-Absatz wird zurückgehen"

Apple-Wachstum am Limit? "Der iPhone-Absatz wird zurückgehen"

Vor 20 Jahren war Apple fast pleite und sollte für vier Milliarden Dollar verhökert werden. Mit der Rückkehr von Steve Jobs und vor allem mit dem iPhone gelang dann die Wende des Jahrhunderts. Doch die scheinbar unendliche Wachstums-Story scheint nun ans Limit zu kommen.

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Apple-CEO Tim Cook bei der Vorstellung des iPhone 6S im September 2015.

Quelle: dpa

Cupertino. Apple-Chef Tim Cook könnte eigentlich zufrieden sein: Sein Unternehmen erzielte im Weihnachtsgeschäft einen Rekordumsatz von 75,9 Milliarden Dollar und fuhr einen Rekord-Quartalsgewinn von 18,4 Milliarden ein. Aber dennoch stehen bei Apple die Zeichen auf Sturm. Erstmals seit über zehn Jahren rechnen Cook und seine Vorstandskollegen für das kommende Quartal mit einem Umsatzrückgang, weil beim Hauptprodukt iPhone der sensationelle Boom der vergangenen Jahre zumindest vorläufig ein Ende findet.

Man kann sich kaum noch vorstellen, dass Apple vor genau 20 Jahren kurz vor der Insolvenz stand und für rund vier Milliarden Dollar an Sun Microsystems verhökert werden sollte. Sun ist inzwischen von Oracle geschluckt worden und von der Bildfläche verschwunden. Apple dagegen steht seit vielen Monaten an der Spitze der wertvollsten Unternehmen der Welt.

"Der iPhone-Absatz wird zurückgehen"

Vor allem das iPhone brachte die Wende: Seitdem das erste Smartphone mit dem Apfel-Logo 2007 auf den Markt kam, verkaufte Apple in jedem Vierteljahr mehr Geräte als im Vorjahresquartal. Im jüngsten Weihnachtsgeschäft gelang das aber nur noch mit einem dünnen Plus von gut 300.000 Geräten auf den Bestwert von 74,8 Millionen iPhones. Doch schon im laufenden Quartal wird es erstmals anders sein: "Der iPhone-Absatz wird zurückgehen", räumte Cook in der Telefonkonferenz zu den aktuellen Zahlen ein.

Das iPhone ist Apples Geldmaschine, das mit Abstand wichtigste Produkt, das im vergangenen Quartal 68 Prozent des Geschäfts ausmachte. Stagnieren die iPhone-Verkäufe, bewegt sich auch der gesamte Apple-Umsatz kaum. Andere Produktlinien wie die Fernseh-Box Apple TV konnten bisher nicht für Wachstumssprünge sorgen. Das Geschäft mit der Computer-Uhr Apple Watch könnte nach Schätzungen zwar inzwischen rund die Hälfte des Umsatzes der gesamten Schweizer Uhrenindustrie ausmachen, an die iPhone-Dimensionen kommt die neue Produkt-Kategorie jedoch nicht heran.

Verschärft wird die Situation durch den äußerst schwachen Tablet-Markt. Weil bisherige iPad-Anwender viel länger mit den älteren Geräten zufrieden sind, sackte der Tablet-Umsatz wieder um ein Fünftel ein, trotz des Starts des größeren und teureren iPad Pro.

Das iPhone bleibt also das Rückgrat des Apple-Geschäfts und Cook muss die richtige Antwort auf eine entscheidende Frage finden: Sind inzwischen die Grenzen des Marktes für teure Smartphones erreicht? Er glaubt fest daran, dass Apple auch ohne ein Billig-iPhone erfolgreich sein wird. Die Sichtweise von Cook: Es tobt ein weltweiter ökonomischer Sturm, der irgendwann vorbeizieht. Und in Ländern wie China oder Indien entstehe gerade eine riesige Mittelschicht mit potenziellen neuen Käufern von Apple-Geräten.

Marktbeobachter weisen immer wieder darauf hin, dass das Wachstum des Geschäfts vor allem aus Schwellen- und Entwicklungsländern kommt - und dort sind überwiegend günstige Geräte gefragt. Doch Cook beharrt auf seiner Strategie: Noch im Jahr 2010 hätten in China weniger als 50 Millionen Menschen zur Mittelschicht gehört, "2020 wird es eine halbe Milliarde sein", rechnete der Apple-Chef vor. "Das ist eine große Gelegenheit für uns." In Indien sei der iPhone-Absatz im vergangenen Quartal um 76 Prozent hochgesprungen.

Auch in Russland oder Brasilien, wo die niedrigen Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt der Bevölkerung Kaufkraft entziehen, werde sich die Lage auf lange Sicht wieder bessern, zeigte sich Cook überzeugt. "Wir ziehen uns dort nicht zurück." Allein durch die starke US-Währung habe Apple im vergangenen Quartal fünf Milliarden Dollar eingebüßt, was dem gesamten Quartalsumsatz von Facebook entspricht.

Vergleiche mit dem Niedergang des ehemaligen Handy-Weltmarktführers Nokia wischt Cook mit einer Handbewegung vom Tisch: Man sei bei Apple "überwältigt" gewesen von der Zahl wechselwilliger Nutzer des konkurrierenden Google-Betriebssystems Android, erklärte Cook - allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. Und betonte, dass unter den weltweiten iPhone-Nutzern 60 Prozent noch immer ältere Geräte aus der Zeit vor den größeren 6er-Modellen hätten - also es die Aussicht auf ein großes Austausch-Geschäft gebe.

Cooks Botschaft an die Börsianer, die die Aktie in den vergangenen sechs Monaten um ein Fünftel fallen ließen: Apple denkt langfristig und wird sich auch durch schwächere Quartale nicht davon abbringen lassen. Cooks Position stützt, dass der durchschnittliche Verkaufspreis eines iPhones nicht nachgibt und zuletzt leicht auf 691 Dollar stieg. Branchenweit kostet ein Smartphone nach Schätzungen von Marktforschern im Schnitt etwas über 200 Dollar. Der Unterschied erklärt die außergewöhnlichen Profite bei Apple. Die Anleger ließen die Aktie am Mittwoch trotzdem vorbörslich um drei Prozent fallen.

Von Geldsorgen ist Apple damit so weit entfernt wie kaum ein anderes Unternehmen: Der Konzern sitzt auf einem Polster von 216 Milliarden Dollar. Und jedes Quartal kommen neue Milliarden hinzu. Allein die 18,4 Milliarden Dollar Gewinn im vergangenen Quartal waren wieder ein Weltrekord. Die Börse will trotzdem neue Erlösquellen neben dem iPhone sehen. Finanzchef Luca Maestri lenkte in dieser Situation die Aufmerksamkeit auf das wachsende Service-Geschäft unter anderem mit dem Musikdienst Apple Music und dem Bezahlverfahren Apple Pay.

Die fortlaufenden Gerüchte über Apples Pläne im Autogeschäft spielten in der Telefonkonferenz am Dienstag keine Rolle. Aber Cook äußerte sich ungewöhnlich positiv über die Virtual-Reality-Technologie, bei der man mit speziellen Brillen in virtuelle Welten eintauchen kann. "Ich denke nicht, dass VR in einer Nische spielt. Das ist wirklich cool und hat einige interessante Auswirkungen", sagte der Apple-Chef. Passend dazu wurde jüngst bekannt, dass Apple nach Firmenzukäufen auch den renommierten VR-Experten Doug Bowman engagierte.

dpa

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