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Top-Wirtschaftsmächte beraten über China-Krise

Globales Zittern Top-Wirtschaftsmächte beraten über China-Krise

Die G20-Runde der Industrie- und Schwellenländer wurde auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gegründet. Jetzt drohen neue Turbulenzen – ausgelöst von der schwächelnden Konjunktur in China und Unruhen an den Börsen. Genug Debattenstoff also für die G20-Minister bei ihrem Treffen in Ankara. Fragen und Antworten dazu.

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Chinas Wachstumsraten sind gesunken – das merken auch westliche Konzerne am Absatz ihrer Produkte im Reich der Mitte.

Quelle: dpa/Symbolbild

Vor ein paar Wochen hatte die Tagesordnung für das G20-Treffen an diesem Freitag und Samstag in Ankara noch ganz anders ausgesehen. Doch inzwischen beherrschen die Sorgen um das Wirtschaftswachstum in China, das Auf und Ab an den Börsen und die Konjunkturschwäche auch in anderen wichtigen Volkswirtschaften die Gespräche der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20). Kommt es zu einer neuen Wirtschaftskrise - nach der 2007 von den USA ausgehenden globalen Finanzkrise und der seit 2010 schwelenden Euro-Schuldenkrise? An der G20-Erklärung dürfte diesmal besonders lange gefeilt werden.

Wird die Sorge um China das bestimmende Thema der G20?

Nach Aussage von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird die Krise in China zentrales Thema sein. Die Welt werde sich auf weitere Zuspitzungen - ausgehend von den chinesischen Börsen oder anderen Schwellenländern - gefasst machen müssen, meinte er jüngst. Zumal aktuelle Meldungen aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt die Zitterpartie anheizen. Kurz vor dem G20-Treffen wurde aus Peking gemeldet, dass die Industrieproduktion im August gesunken ist. Zwar hat die Führung in Peking für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr sieben Prozent als Ziel ausgegeben - was das kleinste Plus seit einem Vierteljahrhundert wäre. Jedoch wird davon ausgegangen, dass die tatsächliche Wachstumsrate längst weit niedriger ist.

Warum macht der China-Schock den G20-Partnern so zu schaffen?

Lange Zeit war China die Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft. Doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Die chinesische Wirtschaft befindet sich in einem Übergang zu einer echten Marktwirtschaft, das Modell des Staatskapitalismus' scheint an seine Grenzen zu stoßen - und die Führung in Peking wirkt nach den staatlichen Intervention ratlos. Es ist fraglich, wie Peking der Abbau der in den Boomjahren aufgestauten Risiken gelingt. Von der bisher riesigen Nachfrage Chinas hängen wiederum andere Volkswirtschaften ab, darunter Deutschland und Japan.

Bestehen Ansteckungsfahren durch die Börsenturbulenzen in China?

IWF-Chefin Christine Lagarde warnt davor. Die aktuellen Schwankungen auf den Finanzmärkten zeigten, wie rasch Risiken von einer zur nächsten Volkswirtschaft übergreifen könnten. Einen Einbruch für die Weltwirtschaft erwarten viele Ökonomen wegen der nachlassenden Dynamik in China aber bisher nicht, allenfalls Korrekturen der Prognosen nach unten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist pessimistischer als im Juli und dürfte seine Prognose für das globale Wachstum senken. Im Juli hatte er 3,3 Prozent vorausgesagt - nach 3,4 Prozent im vergangenen Jahr.

Ist China das einzige Problemfeld?

Keinesfalls. Aus anderen Schwellenländern reißen die Negativnachrichten nicht ab. Auch die indische Wirtschaft legte zuletzt schwächer zu als erwartet. Aus Brasilien und Russland kam zuletzt wenig Erfreuliches. Das Wachstum in Industrieländern kommt nur langsam in Schwung. Allenfalls die USA stehen inzwischen wieder besser da. Zu schaffen machen etlichen Schwellenländern die fallenden Rohstoffpreise und die wachsenden Unsicherheiten über die künftige Zinspolitik der US-Notenbank und die globale Geldpolitik insgesamt.

Weshalb sorgt die weltweite Geldpolitik für Unruhe?

Jahrelang pumpten die Notenbanken massenweise billiges Geld in die Wirtschaft, um die Konjunktur anzukurbeln. Weltweit senkten Notenbanken die Zinsen nahe Null. Die Wirtschaft wuchs aber weniger stark als die Staatsschulden. Die extrem lockere Geldpolitik befeuerte Spekulationsblasen bei Aktien und Immobilien. Die können rasch platzen. Bei einer Krise würden Regierungen und Notenbanken aber im Dilemma stecken: Weitere Zinssenkungen sind kaum möglich.

Ist es nicht Zeit, aus der Politik des Billig-Geldes auszusteigen?

Natürlich, denn Wachstum nur mit noch mehr frischem Geld und auf Pump kann auf Dauer nicht gut gehen. Die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, will angesichts guter US-Konjunktur die Zügel fester anziehen. Aber die für dieses Jahr in Aussicht gestellte Zinswende könnte sich angesichts der Unsicherheiten in China hinziehen. Die Leitzinsen könnten noch länger auf Rekordtief gehalten werden. Aus den USA kamen zuletzt vorsichtigere Töne nach dem Motto: Abwarten und sehen. Steigen die US-Zinsen, wird massiv Kapital aus anderen Ländern abgezogen und in den USA angelegt - vor allem zulasten von Schwellenländern.

Geht es in Ankara denn nur um China und die Geldpolitik?

Nein. Die G20-Minister wollen auch über die Finanzmarkt-Regulierung und die Umsetzung der Maßnahmen im Kampf gegen Steuerbetrug und Steuertricks internationaler Konzerne beraten. Es geht auch um mehr Investitionen in die Infrastruktur. Zusammen mit den Arbeitsministern werden zudem Wege zu mehr Jobs ausgelotet.

dpa

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