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Deutschland / Welt Toys R Us meldet Insolvenz an
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Toys R Us meldet Insolvenz an
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20:20 19.09.2017
Toys R Us hat bereits Gläubigerschutz beantragt.  Quelle: dpa
New York/Wayne

Erdrückende Konkurrenz aus dem Internet und hohe Schulden: Die angeschlagene US-Spielzeugkette Toys R Us kann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Der Konzern aus Wayne im US-Bundesstaat New Jersey kündigte in der Nacht auf Dienstag Anträge auf Gläubigerschutz für seine Geschäfte in den USA und Kanada an. Die Gesellschaften in Europa, Asien und Australien seien nicht betroffen.

„Handels-Apokalypse“

Die Insolvenz des 1948 gegründeten Spielwarenriesen ist das jüngste Beispiel für den von Branchenexperten als „Handels-Apokalypse“ bezeichneten Niedergang des US-Einzelhandels. Die Kundschaft wandert in Scharen ins Netz ab - vor allem zu Amazon. In Amerika sind Kaufhäuser und Shopping-Meilen deshalb zunehmend vom Aussterben bedroht.

„Amazon-Effekt“

Allein in diesem Jahr haben mehr als ein Dutzend amerikanische Ketten wie Payless, Gymboree oder Perfumania Gläubigerschutz beantragt. Kaufhaus-Ikonen wie Macy’s oder Sears ächzen schon lange unter dem Trend zum E-Commerce. Das ist eine Bedrohung für die gesamte US-Wirtschaft, da zahlreiche Jobs am klassischen Einzelhandel hängen. Analysten sprechen vom „Amazon-Effekt“.

875 Filialen in den USA, in Deutschland 66

Toys R Us operierte schon länger an der Schmerzgrenze: Im letzten Quartal fiel ein Verlust von 164 Millionen Dollar an, seit 2013 gab es keinen Jahresgewinn mehr, und beim Marktanteil überholte Amazon. Außerdem wurde das Unternehmen in Folge der Übernahme durch Finanzinvestoren durch rund 5 Milliarden US-Dollar Schulden belastet. Insgesamt beschäftigt die Kette etwa 64.000 Menschen. In den USA hat sie 875 Filialen, in Deutschland 66, weltweit sind es über 1600. Die überwiegende Mehrzahl der Märkte arbeite weiter profitabel und setze ihren Betrieb fort, betonte Toys R Us in seiner Mitteilung zum Insolvenzantrag.

Altwarmbüchen überrascht

Die Angestellten in Deutschland wurden von der Insolvenz der US-Mutter überrascht. „Wir sind immer die Letzten, die etwas erfahren“, kritisierte am Dienstag eine Angestellte der Filiale in Altwarmbüchen. Die deutsche Tochtergesellschaft steht laut dem jüngsten Geschäftsbericht noch relativ gut da: Im Jahr 2015/2016 steigerte sie den Umsatz um 5 Prozent auf 358 Millionen Euro und machte 9 Millionen Euro Gewinn. In Nordamerika sieht es hingegen kritisch aus. Die Schließung von Filialen sei Teil des Sanierungsplans, berichtete das „Wall Street Journal“.

Massiver Strukturwandel

Die Online-Konkurrenz setzt aber auch deutschen Händlern stark zu, warnte der Handelsverband HDE. Die Branche befinde sich in einem „massiven Strukturwandel“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Dienstag. Er erwartet, dass zwischen 2015 und 2020 rund 50 000 Läden verschwinden. Gefährdet seien vor allem kleine Fachhändler. Ihnen fehle in der Regel das Geld für moderne Online-Shops und Warenwirtschaftssysteme.

„Die Schere zwischen Groß und Klein geht immer weiter auseinander“, fasste Genth zusammen. Insgesamt rechnet der HDE für 2017 wegen der guten Konjunktur mit einem Umsatzplus von 3 Prozent für den Einzelhandel insgesamt und 10 Prozent für den Online-Handel.

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