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Was treibt unsere Konjunktur an, was bremst sie?

Überblick Was treibt unsere Konjunktur an, was bremst sie?

Vieles spricht dafür, dass die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs bleibt. Es gibt allerdings auch Risiken. Ein Überblick über die Konjunkturtreiber- und Bremser der deutschen Wirtschaft.

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Quelle: dpa

Frankfurt/Main. Deutschlands Wirtschaft dürfte im zweiten Quartal 2015 ordentlich gewachsen sein. Was treibt die Konjunktur an - und was bremst den Aufschwung?

KONJUNKTURTREIBER:

Schwacher Euro: Im zweiten Quartal verlor die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar im Jahresvergleich knapp 20 Prozent an Wert. Von der Schwäche der Gemeinschaftswährung profitieren vor allem Unternehmen, die viel exportieren. Ihr Waren werden auf dem Weltmarkt günstiger. Zugleich nehmen sie für Produkte, die beispielsweise in Dollar bezahlt werden, umgerechnet mehr ein. Nach einer vorläufigen Berechnung des Beratungsunternehmens EY für 14 der 30 Dax-Konzerne geht gut die Hälfte der 19 Milliarden Umsatzplus der Unternehmen im zweiten Quartal auf das Konto der Euroschwäche.

Ölpreis: Seit Juni wurde Erdöl wieder deutlich billiger. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent sackte unter die 50-Dollar-Marke. Damit ist der Ölpreis nur noch halb so hoch wie vor einem Jahr und hat wieder das Niveau von 2009 erreicht. Das kommt zwar nicht in vollem Umfang beim Verbraucher an, doch tendenziell wird Tanken und Heizen günstiger. Somit bleibt mehr Geld für den Konsum übrig. Auch für manches Unternehmen sind niedrige Rohstoffpreise ein kleines Konjunkturprogramm: So wird etwa die Lufthansa in diesem Jahr mit 6 Milliarden Euro voraussichtlich rund 200 Millionen Euro weniger für Kerosin ausgeben als bislang geplant.

Niedrige Inflation: Sinkende Energiepreise drückten die Teuerungsrate in Deutschland im Juli im zweiten Monat in Folge. Die Verbraucherpreise lagen nur noch um 0,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das stärkt tendenziell die Kaufkraft der Verbraucher: Es bleibt mehr Geld für den Konsum. Nach Erhebungen der Marktforscher der Nürnberger GfK ist die Konsumlaune der Menschen in Deutschland derzeit bestens.

Arbeitsmarkt: Zwar verpasste der Sommer dem deutschen Arbeitsmarkt wie üblich im Juli einen kleinen Dämpfer. Die Zahl der Jobsucher stieg im Vergleich zum Juni um 61 000 auf 2,773 Millionen, die Arbeitslosenquote legte um 0,1 Punkte auf 6,3 Prozent zu. Dennoch betont der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, insgesamt stehe der deutsche Arbeitsmarkt gut da: Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legten zu, die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern sei weiterhin hoch. Die stabile Lage auf dem Arbeitsmarkt beflügelt den privaten Konsum: Wer nicht um seinen Job fürchten muss, tut sich mit Anschaffungen leichter.

Mini-Zinsen für Baugeld: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft. Darum sind auch Baukredite derzeit so günstig wie seit Jahren nicht - obwohl die Zinsen für Hypotheken zuletzt wieder leicht anzogen. Im vergangenen Jahr gab es einen regelrechten Bauboom in Deutschland: Insgesamt wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 245 300 Wohnungen fertiggestellt und damit 30 500 mehr als ein Jahr zuvor. Im laufenden Jahr wird weiterhin kräftig in Bauen und Renovieren investiert. Der Run auf Immobilien ist groß, auch weil es fürs Sparen kaum noch Zinsen gibt.

KONJUNKTURBREMSER:

China: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie seit 1990 nicht mehr. Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen im Reich der Mitte sorgten für zusätzliche Verunsicherung. Spurlos geht das an Deutschland nicht vorbei, denn China ist mit Abstand Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Asien und ein gewaltiger Absatzmarkt für Waren «Made in Germany». Der VW-Konzern zum Beispiel verkauft in China gut jedes dritte seiner Fahrzeuge, die Flaute auf dem weltgrößten Automarkt setzt den Herstellern zu. Die deutsche Elektroindustrie exportierte im Mai weniger Waren nach China als im Vorjahresmonat - der erste Rückgang seit Spätsommer 2013. Die Maschinenbauer stellen sich auf mehr Gegenwind ein: Die Zeiten zweistelliger Exportraten nach China seien erst einmal vorbei.

Griechenland: Zwar verhandeln die Geldgeber wieder mit Athen über weitere Hilfsmilliarden für das von der Pleite bedrohte Land. Doch es sind noch viele Fragen offen. Als Handelspartner spielt Griechenland für deutsche Unternehmen eine untergeordnete Rolle. Sollte die Lage erneut eskalieren, könnte das allerdings auch die hiesige Wirtschaft dämpfen. Zudem hat die Krise grundsätzliche Probleme der Eurozone offenbart - und die sind noch nicht gelöst. Viele Experten meinen etwa, die derzeit 19 Staaten mit der Gemeinschafswährung müssten wirtschaftlich enger zusammenarbeiten und nicht nur über die EZB gemeinsam Geldpolitik machen.

Euroschwäche: Wer Waren oder Rohstoffe aus dem Ausland bezieht, muss sich auf höhere Kosten einstellen. Denn wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Da der Ölpreis gesunken ist, hält sich der Effekt jedoch in Grenzen.

dpa

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