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Deutschland / Welt Tui gliedert 350 Mitarbeiter vorerst nicht aus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Tui gliedert 350 Mitarbeiter vorerst nicht aus
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00:15 01.10.2016
Von Jens Heitmann
Demonstrationszug durch Hannovers Innenstadt: Tui-Beschäftigte hatten Erfolg mit ihrem Protest - vorerst zumindest.
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Hannover

Das Ziel bleibe aber „die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und der Ausbau der führenden Marktposition in Deutschland“, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben an die Belegschaft.

Nach dem ursprünglichen Plan wollte das Management die Mitarbeiter des sogenannten Support-Centers in die Tui Customer Operations GmbH (TCO) eingliedern. Die Gesellschaft betreibt mit 600 Beschäftigten vor allem das Call-Center des Veranstalters. Die Support- Mitarbeiter kümmern sich um spezielle Kundenwünsche, Gruppenreisen und unterstützen die Reisebüros. Ziel der Geschäftsführung ist es, alle kundennahen Dienstleistungen in der TCO zu bündeln, Tui Deutschland soll sich auf Vermarktung und Vertrieb konzentrieren.

Gegen das Vorhaben haben die Tui-Mitarbeiter ungewöhnlich scharf protestiert – erst bei einer Betriebsversammlung, später auch mit einem Demonstrationszug durch Hannovers Innenstadt. Die Konditionen des TCO-Haustarifs hätten die 350 Tui-Mitarbeiter deutlich schlechter gestellt als ihre Kollegen beim bei der Muttergesellschaft: Die TCO-Beschäftigten arbeiten 40 statt 38,5 Stunden und müssen auch am Wochenende einsetzbar sein. Zudem fällt das Weihnachtsgeld geringer aus, es gibt keine betriebliche Altersvorsorge, weniger Urlaub und schlechtere Konditionen bei den Mitarbeiterrabatten für Tui-Reisen.

Konzern erhöht Gewinnziel

Die Tui erwartet trotz der Türkei-Krise und der Terroranschläge einen höheren Gewinn. Obwohl man im Sommer auf dem wichtigen deutschen Heimatmarkt weniger Pauschalreisen verkaufte als ein Jahr zuvor, stieg die Zahl der Gäste konzernweit um ein Prozent, wie der Reisekonzern gestern in Hannover mitteilte. Für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr kündigt Vorstandschef Fritz Joussen höhere Erträge an: Rechnet man Sondereffekte, Währungskurse und das verkaufte Reiseportal Hotelbeds heraus, soll der operative Gewinn (Ebita) um 12 bis 13 Prozent steigen. Bisher hatte Tui ein Plus von 10 Prozent angepeilt.

Einen herben Buchungseinbruch bei Reisen in die Türkei konnte Tui mit Angeboten für andere Ziele mehr als wettmachen. Die Kunden verhielten sich allerdings sehr unterschiedlich. Während die Briten bei der Tui 5 Prozent mehr Reisen buchten als im Vorjahr und dabei im Schnitt gleich viel ausgaben, ging die Zahl der Gäste aus den nordischen Ländern um 10 Prozent zurück. Deutschland stagniert auf Vorjahresniveau.

Von der Ausgliederung erhofft sich das Management dem Vernehmen nach Einsparungen im unteren einstelligen Millionenbereich. Die Mannschaft um Tui-Deutschland-Chef Sebastian Ebel will die Kosten senken, um den Renditevorgaben des Konzerns näher zu kommen – bisher hinkt sie den Erwartungen deutlich hinterher. Der Veranstalter gewinnt zwar Marktanteile, aber unter dem Strich zahlt sich das noch nicht so aus wie gewünscht.

Das nun vereinbarte Moratorium passt der Tui-Deutschland-Führung deshalb eher schlecht als recht. „Der Ball liegt jetzt im Feld der Betriebsräte“, hieß es gestern. Sollten in den nächsten Wochen keine belastbaren Sparvorschläge auf den Tisch kommen, werde das Ausgliederungskonzept wieder aktuell.

Die Arbeitnehmervertreter schreckt das nicht. „Uns war wichtig, dass der Ball erst einmal wieder in der Luft ist“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Michael Pönipp. Er und seine Kollegen finden eine Ausgliederung der Service-Mitarbeiter zwar aus organisatorischen Gründen nicht hilfreich, sie würden sich dem aber nicht verwehren – insofern sich die Einbußen der Beschäftigten in Grenzen halten. Sie machen sich deshalb dafür stark, die Ausgliederung der Aufgaben schleichend zu vollziehen: Immer wenn ein Tui-Deutschland-Mitarbeiter freiwillig ausscheidet, soll ein Nachfolger bei der TCO eingestellt werden.

Das Rentenniveau sinkt bis 2045 voraussichtlich auf 41,6 Prozent – wenn nichts unternommen wird. Das geht aus Berechnungen des Bundessozialministeriums hervor.

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