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American Apparel steht vor finanziellem Fiasko

US-Modekette American Apparel steht vor finanziellem Fiasko

Die US-Modekette American Apparel kämpft gegen die Pleite. Die Skandale des exzentrischen Ex-Chefs Dov Charney haben die Marke ramponiert. Die Kette verbrennt laufend Geld, von April bis Juni stieg der Verlust im Jahresvergleich von 16,2 auf 19,4 Millionen Dollar. 

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Quelle: dpa (Symbolbild)

New York/Los Angeles. Von der Trendmarke zum Ladenhüter: Vor dem Eingang von American Apparel in Lower Manhattan steht ein großes Schild mit der Aufschrift "Sale" - die Klamotten, die einst die Hipster-Herzen höherschlagen ließen, werden nun zu Schleuderpreisen angeboten. Einen Block neben dem berühmtem Delikatessenladen Katz's gelegen, müsste das Geschäft eigentlich brummen. Doch das Gefragteste, was American Apparel hier noch zu bieten hat, sind drei Sitzbänke vor der Glasfront, die Passanten zum Ausruhen einladen.

Im Laden selbst ist wenig los. Das Unternehmen, das auch in Deutschland vertreten ist, befindet sich im freien Fall. Die ehemalige Trendmarke ist längst out. Dabei ist die Filiale auf der East Houston Street, der Demarkationslinie zwischen den New Yorker Szenevierteln East Village und Lower East Side, eine Top-Adresse. Stattdessen droht der finanzielle Kollaps. Der Niedergang ist eng mit dem exzentrischen Ex-Chef, Firmengründer und langjährigen Alleinherrscher Dov Charney verbunden.

Der 46-jährige Kanadier machte die Kette groß, bevor er ihr Image mit seinen Skandalen ramponierte. Charney führte das Unternehmen mit Zuckerbrot und Peitsche. Kommentatoren sprachen von einem absurden Regime, das die Gemeinschaftskultur einer Hippie-Kommune mit dem Leistungsdiktat des Rambo-Kapitalismus kombinierte. Eine Zeit lang galt die aggressiv-provokante Anzüglichkeit als chic, dann ging es bergab. Die Beschäftigung Illegaler flog auf, Mitarbeiterinnen warfen ihm sexuelle Belästigung vor.

Im letzten Jahr gelang es American Apparel, Charney loszuwerden. Doch der lässt nicht locker und kämpft mit allen Mitteln um sein Erbe. Zwischen ihm und dem neuen Management tobt eine erbitterte Schlammschlacht. Charney überzieht das Unternehmen mit Klagen, sieht sich diffamiert, und fordert insgesamt über 40 Millionen Dollar (35,8 Mio Euro) Entschädigung. American Apparel veröffentlichte Auszüge aus einem Fundus an kompromittierenden Fotos, E-Mails, SMS und Videos, die Charney auf den Rechnern des Unternehmens gespeichert haben soll.

Die Sammlung sexistischer und rassistischer Ausfälle passt zum Eindruck des obszönen Macho-Chefs, der sich selbst "Bad Daddy" genannt haben soll, und in einem Interview einst sagte: "Ich bin ein dreckiger Typ, aber die Leute mögen das.» Das ist über zehn Jahre her, damals lief es noch besser. Im letzten Quartal sank der Umsatz hingegen um 17 Prozent verglichen mit dem Vorjahr auf 134 Millionen Dollar. Ein Grund sei die Schließung von Filialen, teilte American Apparel Anfang der Woche auf Basis vorläufiger Geschäftszahlen mit.

Die Kette verbrennt laufend Geld, von April bis Juni stieg der Verlust im Jahresvergleich von 16,2 auf 19,4 Millionen Dollar. Zunehmend existenzbedrohlich ist mittlerweile der Kassenstand des Unternehmens, das in Los Angeles produziert und mit seinen Anti-Sweatshop-Kampagnen und freizügigen Werbemotiven früher den Nerv des Szenevolks traf. Zum Quartalsende standen nur noch liquide Mittel in Höhe von 13 Millionen Dollar in der Bilanz. Mitte Oktober werden Rechnungen bei Investoren fällig, für die das Geld nicht reicht.

Die Börse scheint American Apparel schon abgeschrieben zu haben. Mit 13 Cent stürzte die Aktie zuletzt auf ein Rekordtief. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um 85 Prozent gefallen. Wegen der hohen Pleitegefahr senkte die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnote noch tiefer in den Ramschbereich. American Apparel hatte zuvor gewarnt, Kreditverträge könnten platzen. Der Streit mit Charney hat die Firma bereits in die Hände des Hedgefonds Standard General getrieben, der sie im Insolvenzfall günstig übernehmen könnte.

 dpa

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