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"Fragen Sie Ihre regionale Brauerei"

Umweltinstitut zu Glyphosat in Bier "Fragen Sie Ihre regionale Brauerei"

In deutschem Bier sind Spuren des umstrittenen Pestizids Glyphosat nachgewiesen worden. Wie sollten Verbraucher darauf reagieren? Ist Bio-Bier eine Alternative? Ein Interview mit Karl Bär vom Umweltinstitut München.

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"Glyphosat ist das am allermeisten verbreitete Pestizid überhaupt": Karl Bär, Agrarwissenschaftler und Referent für Agrar- und Handelspolitik am Umweltinstitut München.

Quelle: Umweltinstitut München

Hannover. Warum hat das Institut diesen Test gemacht?
Aktuell durchläuft Glyphosat in der EU einen Wiederzulassungsverfahren. Im nächsten Monat soll entschieden werden, ob das Mittel für die nächsten 15 Jahre wieder zugelassen wird oder nicht. Als Umweltinstitut plädieren wir für eine Landwirtschaft, die ohne diese ganzen Gifte funktioniert.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft stellt eine Gefahr für Mensch und Umwelt dar und wir würden gerne davon wegkommen. Gerade Glyphosat ist problematisch, weil es am häufigsten und in großen Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Ebenso problematisch sind die vermuteten großen Gesundheitsgefahren. Es ist euphemistisch, Glyphosat als Pflanzenschutzmittel zu bezeichnen, da es seine Funktion ist, alle Pflanzen, die damit besprüht werden, zu töten. Die Wissenschaft und die Behörden streiten sich derweil über die Frage, wie gefährlich das Mittel ist. Lobbyismus und Geld spielen hierbei eine große Rolle.

Das Mittel ist als Einzelprodukt die Cashcow von einigen wenigen Chemieunternehmen, insbesondere der Firma Monsanto. Damit wird irrsinnig viel Geld verdient. Der Streit um die wissenschaftliche und politische Einordnung von Glyphosat ist stark vom Lobbyismus dieser Firmen beeinflusst, die viel Geld in die Hand nehmen können. Doch wenn wir nicht wissen, wie gefährlich es ist, können wir es nicht in Tonnen jedes Jahr in die Landschaft kippen.

Das Münchner Umweltinstitut hat 14 der beliebtesten Biermarken Deutschlands testen lassen und dabei Spuren des Unkrautvernichters Glyphosat gefunden. Die Werte lagen zwischen 0,46 und 29,74 Mikrogramm pro Liter und damit im extremsten Fall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser von 0,1 Mikrogramm, wie das Umweltinstitut am Donnerstag mitteilte.

Wo wurde das Pflanzenschutzmittel bislang überall nachgewiesen?
Glyphosat ist das am allermeisten verbreitete Pestizid überhaupt – weltweit, wie auch in Deutschland. Es ist davon auszugehen, dass mehr als jeder dritte Hektar in Deutschland im Ackerlandbereich jedes Jahr mindestens einmal mit Glyphosat bespritzt wird. Weil es in sehr großen Mengen in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt, haben wir den Verdacht, dass es in fast allen Lebensmitteln nachzuweisen ist.

Letztes Jahr im Herbst hat der WDR Brötchen getestet und konnte das Pestizid nachweisen. Tierärztliche Labore haben es ebenfalls in Organen von Tieren gefunden, die mit belasteten Futtermitteln in Kontakt kamen. Wir haben Hinweise darauf, dass es im menschlichen Urin ist. Es könnte auch im Fleisch sein. Es gab auch einen umstrittenen Fund der Grünen Bundestagsfraktion in der Muttermilch. Die Werte, die wir jetzt im Bier gefunden haben, gehen über das vermutete Maß an Hintergrundbelastung deutlich hinaus.

Wie gefährlich ist das Pestizid für den Menschen?
Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass Glyphosat krebserregend und erbgutschädigend ist. Es steht außerdem im Verdacht, ins Hormonsystem einzugreifen. Selbst bei kleinsten Mengen kann man also einen Schaden davon tragen.

Warum wurde gerade Bier getestet? Welche Biere schnitten besonders schlecht ab?
Wir haben die 14 in Deutschland meist gekauften Biersorten getestet. Der Anlass ist das Jubiläum 500 Jahre Reinheitsgebot. Zudem wird Bier aus Getreide hergestellt. Beim Anbau kommt viel Glyphosat zum Einsatz. Entsprechend wahrscheinlich war es, dass wir dort etwas finden.

Die drei Spitzenreiter sind die Marken Hasseröder mit 29,74, Jever mit 23,04, Warsteiner 20,74 Mikrogramm pro Liter. Am besten schnitt Augustiner ab mit 0,46 Mikrogramm pro Liter. Das ist insgesamt eine ziemlich hohe Streuung. Ich nehme an, dass die Werte über die Jahre und Jahreszeiten ein bisschen schwanken. Nachgewiesen wurde das mit zwei verschiedenen Messmethoden.

Wie weit wurde der Grenzwert überschritten?
Es gibt keinen Grenzwert für Bier. Es gibt nicht für jedes verarbeitete Lebensmittel einen eigenen Grenzwert. Ansonsten müsste es für Zitronenlimonade, Orangenlimonade jeweils einen eigenen Grenzwert geben und die Verbraucher und der Gesetzgeber würden verrückt werden.

Was es gibt, ist ein gesetzlicher Grenzwert bei Pestiziden für Trinkwasser. Der liegt bei 0,1 Mikrogramm pro Liter und gilt auch für Brauwasser. Das heißt, das am meisten belastete Bier aus unserem Test überschreitet den gesetzlichen Grenzwert für Pestizide das 300fache.

Wie kommt das Pestizid in das Bier?
Wir gehen davon aus, dass das Glyphosat über das Getreide, das Malz in das Bier hineinkommt.

Was fordern Sie von den Herstellern, von der Politik?
Ich fordere von den Lebensmittelherstellern, dass sie über den Einkauf steuern, dass keine Pflanzenschutzmittel im Bier sind. Ich fordere von der Politik, dass sie den Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden in der Landwirtschaft massiv einschränkt. Die Lebensmittelkontrolle ist Ländersache – die Festsetzung von Grenzwerten und Zulassung von Pestiziden ist EU-Aufgabe.

Was raten Sie Konsumenten? Ist der Umstieg auf Bio-Bier eine echte Alternative?
Die Verbraucher sollten sich bei ihren regionalen Brauereien informieren, wie sie mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln im Bier umgehen. Ein Umstieg auf Bio-Bier ist eine Alternative, da bei der Herstellung, beim Biogetreideanbau, zumindest keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel verwendet werden.  

Interview: Oliver Tim Becker

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