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VW-Abgasaffäre Und was ist mit den deutschen Kunden?

Fahrer eines Skandal-Diesels können nur neidisch in die USA schauen: Entschädigungen sind hier nicht geplant.

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"Ernsthafte Konsequenzen": Vize-Generalbundesanwältin Sally Yates (Mitte) las VW gestern in Washington die Leviten und stellte das Entschädigungspaket vor.

Quelle: Pete Marovich/Getty Images/AFP

Hannover. In den ersten Tagen des Abgas-Skandals machte ein VW-Manager eine simple Rechnung auf: Der Konzern könne sämtliche Autos von den US-Kunden zurückkaufen, das werde 6 bis 8 Milliarden Dollar kosten.

Was damals verwegen klang, wird nun gemacht, und in den monatelangen Verhandlungen ist es teurer geworden als zunächst erwartet. Insgesamt 10 Milliarden Dollar (knapp 9 Milliarden Euro) kann es den Konzern kosten, wenn alle Kunden das Angebot annehmen, ihr Auto zum aktuellen Zeitwert zurückzugeben und zusätzlich mehrere Tausend Dollar Entschädigungen kassieren. Bei insgesamt 499.000 Autos rechnet der Konzern also mit gut 20.000 Dollar pro Fahrzeug.

Verbraucherschützer kritisieren VW

Davon können VW-Fahrer im Rest der Welt nur träumen. In Deutschland wissen Zehntausende Kunden immer noch nicht, wann sie für die Umrüstung in die Werkstatt sollen. Hier gibt es für die Stunde Wartezeit allenfalls kostenlos Kaffee – eine Entschädigung für deutsche VW-Besitzer hält der Konzern für unnötig.

Längst liegen aber Forderungen auf dem Tisch, diese Käufer ebenfalls großzügiger zu bedienen. "Auch in Deutschland haben wir offenkundig Kunden zweiter Klasse", sagte am Dienstag Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Die hohen Zahlungen in den USA zeigten, dass das dortige Rechtssystem Betrügereien und Tricksereien hart bestrafe.

Entschädigung für Kunden in Europa?

Am Wochenende hatte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska in einem Interview gefordert, Entschädigungen für europäische Kunden müssten in der Größenordnung liegen, "die den US-Konsumenten gezahlt wird". Eine Übertragung des US-Angebots auf den Rest der Welt würde allerdings die VW-Pleite bedeuten: Nach Konzernangaben sind weltweit insgesamt elf Millionen Autos mit der Manipulationssoftware zur Motorsteuerung unterwegs – es wären über 200 Milliarden Euro zu zahlen.

VW machte am Dienstag erneut  lar, dass die US-Einigung nichts mit den Streitigkeiten in anderen Ländern zu tun habe. Das liegt nicht nur am extrem großen juristischen Druck in den USA, sondern auch an der besonders aufwendigen technischen Lösung. Dort sind die Abgasvorschriften härter als in Europa.

Verbrauch soll sich nicht verschlechtern

"Dies macht die Entwicklung technischer Lösungen in den Vereinigten Staaten schwieriger als in Europa oder anderen Regionen der Welt", erklärte der Konzern. Deshalb griffen die Ingenieure damals zur Software. Dass die auch in Ländern verwendet wird, wo sie zur Einhaltung der Grenzwerte gar nicht nötig wäre, erklärt ein hochrangiger Automanager schlicht mit "Schlampigkeit" bei Volkswagen.

So kann VW den Kunden in Europa anbieten, ihre Autos mit geringem Aufwand in vorschriftsgemäßen Zustand zu versetzen. Je nach Modell geschieht das durch neue Software und ein zusätzliches Kunststoffteil im Ansaugtrakt. Der Konzern verspricht, dass sich dadurch weder Leistung noch Verbrauch verschlechtern.

Was wird aus den zurückgekauften Autos?

Solange das wirklich so ist, ändert sich nicht der Wert des Fahrzeugs und Kläger dürften schlechte Karten haben. Einzelne Gerichte haben VW-Kunden aber auch schon recht gegeben, dort zieht der Konzern oder der Händler in die nächste Instanz.

Auch den US-Kunden wollen die Wolfsburger Techniker noch eine technische Lösung anbieten. Die ist offenbar fertig entwickelt, von den Behörden aber noch nicht genehmigt.

Für den Konzern steckt dahinter mehr als nur technischer Ehrgeiz: Lassen sich die zurückgekauften Autos gesetzeskonform umbauen, kann man sie in den USA noch als Gebrauchtwagen weiterverkaufen und wenigstens etwas Geld zurückholen. Denkbar ist auch die Demontage mit anschließendem Verkauf der Einzelteile.

Es sei jedenfalls nicht damit zu rechnen, dass eine halbe Million Autos in die Schrottpresse geht, hieß es gestern in Konzernkreisen.

Von Stefan Winter/RND

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