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Deutschland / Welt „Unseriöses Inkasso ist eine Plage“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt „Unseriöses Inkasso ist eine Plage“
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22:19 01.12.2011
Der martialische Auftritt ist für manche Inkassofirma Teil der Geschäftsidee. Quelle: dpa
Berlin

 Nur jede hundertste der geprüften Forderungen sei überhaupt zulässig gewesen, teilte der Dachverband der Verbraucherzentralen am Donnerstag in Berlin mit. „Unseriöses Inkasso ist eine bedrohliche Plage“, sagte Vorstand Gerd Billen. „Abzocke und Einschüchterung müssen endlich gestoppt werden.“

Die Einschaltung eines Inkassobüros treibt für die Schuldner in jedem Fall die Kosten in die Höhe. Firmen verlangen der Studie zufolge in aller Regel mehr, als Rechtsanwälten zu fordern erlaubt sei. Heftig schlage das bei Bagatellbeträgen zu Buche. Auf dem Tisch der Verbraucherzentralen landeten zwölf Beschwerden, bei denen es um Ursprungsbeträge von unter einem Euro geht. Die Forderung steigerte sich durch Nebenkosten auf das 60-Fache. In einem Extremfall wuchs eine Hauptforderung von 55 Cent durch das Inkassoverfahren zu einer Gesamtforderung von 115,39 Euro auf.

Drei von vier Adressaten dieser Inkassoschreiben fühlten sich bedroht, hieß es. Oft warnten die Firmen vor einem Schufa-Eintrag, obwohl der bei umstrittenen Forderungen nicht infrage komme. Sie kündigten Hausbesuche oder die Einschaltung einer Detektei an, die „längerfristig und intensiv“ die persönlichen Verhältnisse recherchieren werde.

Im Prinzip haben die Verbraucherschützer nichts gegen Inkasso einzuwenden. Der Einzug von Forderungen gehöre „zu einer Wirtschaft, in der es nicht wie im Wilden Westen zugeht“, sagte Billen. Doch manche Konstellation lässt bei den Verbraucherschützern den Verdacht „mafiöser Verbindungen“ aufkommen. So resultiere jede zweite Beschwerde aus einer Abofalle im Internet, jeder vierte Fall aus einem Gewinnspiel. Auffällig sei das Zusammenwirken dubioser Firmen mit bestimmten Inkassounternehmen, sagte Billen. Er nehme an, dass manches Inkassobüro genau wisse, dass die Forderungen, die es eintreibe, unberechtigt seien.

Die Verbraucherschützer fordern Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, auch der Gesetzgeber müsse tätig werden. Es gelte, den Kostenrahmen zu beschränken, die Informationspflichten der Firmen klar zu bestimmen und die Aufsicht zu stärken. Die Verbraucherschützer stießen auf 15 Inkassofirmen, die ohne jede Zulassung Forderungen eintreiben. Der Forderung nach schärferer Aufsicht schloss sich der Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen an.

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