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Deutschland / Welt VW-Chef Winterkorn will weitermachen
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17:30 22.09.2015
VW-Vorstandschef Martin Winterkorn: „Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben." Quelle: dpa
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Berlin

Es wäre falsch, "wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger die harte und ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Dienstag in einem von Volkswagen veröffentlichten Video-Statement. "Das hat unsere Mannschaft nicht verdient. Auch deshalb bitten wir, bitte ich, um Ihr Vertrauen auf unserem weiteren Weg", sagte er an die Adresse von Kunden, Behörden und Öffentlichkeit. "Wir klären das auf", betonte der 68-Jährige.

„Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht. Auch ich habe zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Antworten auf alle Fragen“, sagte Winterkorn. Der 68-Jährige betonte: „Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten.“

Die IG Metall hat gegen vorschnelle Personalentscheidungen bei VW ausgesprochen. "Zunächst müssen alle Fakten auf dem Tisch liegen", sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann. Er gehe davon aus, dass der Vorstand um Winterkorn bereits bei der am Mittwoch anstehenden Sitzung das Aufsichtsratspräsidiums umfassend informieren werde. Den Vorsitz des Kontrollgremiums führt der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber.

Hofmann fürchtet negative Folgen des Skandals um manipulierte Abgaswerte von Dieselfahrzeugen für die gesamte deutsche Autoindustrie. "Das ist für alle Hersteller ein Schlag ins Kontor." Zudem hingen am technisch vergleichsweise komplexen Dieselantrieb in Deutschland überproportional viele Arbeitsplätze gerade bei den Zulieferern. "Wir hoffen, dass die Antriebstechnologie Diesel insgesamt keinen Schaden nimmt", sagte Hofmann. Man benötige dringend einen hohen Dieselanteil, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu minimieren. Die IG Metall trete konsequent für realistische Testzyklen ein.

Dobrindt setzt Untersuchungskommission ein

Unterdessen will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine Untersuchungskommission einsetzen. Die Kommission unter Leitung von Verkehrs-Staatssekretär Michael Odenwald werde noch diese Woche nach Wolfsburg reisen, sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin. Die Kommission unter Leitung von Verkehrs-Staatssekretär Michael Odenwald werde noch diese Woche nach Wolfsburg reisen, sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin. Sie soll nach seinen Worten untersuchen, „ob die betreffenden Fahrzeuge konform der deutschen und der europäischen Regeln gebaut und auch geprüft worden sind“. Dazu wollen die Experten Gespräche führen und Einblick in Unterlagen erbitten.

Dobrindt sagte weiter, Volkswagen habe die Unterstützung aller Maßnahmen zugesagt. Es werde auch Gespräche mit der US-Umweltbehörde EPA und anderen deutschen Herstellern geben. In der Kommission sitzen Fachleute des Ministeriums und des Kraftfahrt-Bundesamtes. Ihre Arbeit wird den Angaben zufolge auch wissenschaftlich begleitet. Die EPA wirft VW die Manipulation von Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeugen vor, es drohen milliardenschwere Strafzahlungen. Die Wolfsburger haben das Fehlverhalten bereits eingeräumt und einen Verkaufsstopp für die betreffenden Modelle in den USA erlassen.

Der VW-Abgas-Skandal: Was seit Freitag geschah

Viele dachten, nach dem gewonnenen Machtkampf gegen VW-Patriarch Ferdinand Piëch würde für VW-Vorstandschef Martin Winterkorn wieder etwas Ruhe einkehren. Doch die Dieselabgas-Affäre bei dem Autokonzern erschüttert seit dem Wochenende die gesamte Branche. Ein Überblick:

Freitag, 18. September: Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. VW will sich dazu wegen des laufenden Verfahrens zunächst nicht äußern.

Samstag, 19. September: Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September: Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist: „Die Manipulation an der eingesetzten Software hat es gegeben.“

Montag, 21. September: Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Man werde von den fraglichen Typen vorerst auch keine gebrauchten Wagen mehr verkaufen. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil sagt: „Eine Manipulation von Emissionstests ist völlig inakzeptabel.“ Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel nennt den Vorfall „schlimm“. Am Nachmittag wird bekannt, dass das Präsidium des VW-Aufsichtsrats am Mittwoch (23.9.) zu einem Krisentreffen zusammenkommt. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn für den Skandal mit den Worten: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September: Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. Die Aktie der Wolfsburger rauscht weiter in den Keller.

dpa/afp/frs/ska

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