Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Betriebsversammlung zwischen Mut und Angst

Volkswagen Betriebsversammlung zwischen Mut und Angst

Wegen der Diesel-Affäre wachsen bei VW die Job-Sorgen. Vor allem bei den Leiharbeitern geht die Angst um, dass auslaufende Verträge nicht verlängert werden. Eine Betriebsversammlung sollte nun Mut machen.

Voriger Artikel
Deutsche Bahn erwartet Milliardenverlust
Nächster Artikel
Infos an Bahngleisen sollen besser werden

Betriebsversammlung bei Volkswagen - hier ein Bild aus dem Jahr 2013. Die Veranstaltung am Mittwoch war nicht öffentlich.

Quelle: dpa

Wolfsburg. Bei Volkswagen bangen Beschäftigte wegen der Abgas-Affäre zunehmend um ihre Arbeitsplätze. Betriebsrat und Eigentümer appellierten am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung am Wolfsburger Stammsitz an die Belegschaft, nicht den Mut zu verlieren. „Niemand darf den Kopf in den Sand stecken“, sagte VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche bei der nicht öffentlichen Veranstaltung laut Redetext, der der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorliegt. „Niemand darf glauben, dass der Abgas-Skandal wie ein Gewitter vorbeizieht und danach wie aus heiterem Himmel wieder schönes Wetter kommt.“ Der Konzern könne die schwere Krise aber meistern: Mit einem konsequenten Handeln werde VW den Weg aus „dieser Lage finden“.

Zu der zweiten Betriebsversammlung seit Ausbruch des Diesel-Debakels im September kamen nach Betriebsratsangaben bis zu 20 000 Mitarbeiter. Teilgenommen haben auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und der komplette Vorstand um VW-Chef Matthias Müller.

Bonuszahlungen werden gestrichen

Überschattet wurde das Treffen von wachsenden Arbeitsplatzsorgen. „Seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals sind beinahe elf Wochen vergangen. Ich kann Euch nur sagen: Das waren genauso wie für Euch auch für mich elf harte Wochen“, betonte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Bei vielen Mitarbeitern seien die Sorgen zuletzt nicht kleiner geworden. Doch es gebe auch Gründe für Zuversicht. So habe der Konzern für einen Großteil der in Europa zugelassenen Dieselwagen mit Betrugs-Software inzwischen technische Lösungen präsentiert.

Vor allem Leiharbeiter mit Zeitverträgen fürchten um ihre Zukunft bei VW. Auch die Ankündigung, dass die rund 120 000 festen Beschäftigten im VW-Haustarif auf die sonst üblichen üppigen Bonuszahlungen verzichten müssen, belastet die Stimmung - ebenso wie der Beschluss verlängerter Weihnachtsferien mit längeren Produktionspausen. „Es ist natürlich schade, dass man den Bonus nun nicht bekommt“, sagte ein VW-Mitarbeiter. Es sei zwar eine Frage der Zeit gewesen, bis die Ausschüttung - zehn Prozent des operativen Ergebnisses der Pkw-Kernmarke - auch wieder einmal geringer ausfalle. „Aber dass das jetzt aufgrund solcher Umstände passieren muss, ist schon extrem bedauerlich. Da gibt es schon eine gewisse Wut.“

300 Leiharbeiter sollen gehen

Die Solidarität mit den Leiharbeits-Kollegen sei groß: „Das ist menschlich nicht schön.“ Man müsse aber bedenken, dass Kürzungen hier in Zeiten nachlassender Aufträge ein ganz normales Instrument seien. Ein anderer VW-Mitarbeiter sagte: „Klar geht bei uns die Angst um. Aber es wird schon. Jeder hofft, dass das dicke Ende ausbleibt.“ Wie begründet die Sorgen sind, zeigen Pläne für das Nutzfahrzeugwerk in Hannover. Ende Januar sollen nach HAZ-Informationen rund 300 Verträge auslaufen. Verträge von weiteren 500 Leiharbeitern sollen zudem zunächst nur um drei Monate verlängert werden. Laut Osterloh hat dies nichts mit dem Diesel-Skandal zu tun - es sei der schlechten Nachfrage nach dem Pick-up Amarok geschuldet.

Für andere VW-Werke oder Konzerntöchter seien bislang noch keine vergleichbaren Entscheidungen zu möglicherweise auslaufenden Verträgen getroffen worden, sagte ein Konzernsprecher der dpa. „Es gelten alle bisher gemachten Zusagen.“ Mit Blick auf die Leiharbeit am Hauptsitz betonte Osterloh: „Für den Standort Wolfsburg kann ich jedenfalls für das erste Quartal noch Entwarnung geben. (...) Wir hoffen, dass uns die Kunden die Treue halten.“ Weltweit sind beim VW-Konzern rund 600 000 Menschen beschäftigt, davon etwa 72 500 in Wolfsburg. Mehr als 830 000 Fahrzeuge laufen hier pro Jahr vom Band.

Zumindest die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sind laut Osterloh nicht gefährdet. Auch Wolfgang Porsche betonte, sich für den Erhalt der Jobs einsetzen zu wollen. „Die Familien Porsche und Piëch stehen zur Beschäftigungssicherung bei Volkswagen durch ein stabiles und erfolgreiches Unternehmen“, sagte er. Auch Müller hatte bereits angekündigt, die Stammbelegschaft halten zu wollen.

Von Marco Hadem und Jan-Henrik Petermann/dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Produktion in Hannover heruntergefahren

Volkswagen streicht die Zahl seiner Leiharbeiter am Standort Hannover zusammen. Nach HAZ-Informationen sollen die Verträge von rund 300 Beschäftigten Ende Januar auslaufen. Der Standort Hannover ist damit der erste im Konzern, der nach dem VW-Abgas-Skandal seine Personalzahlen herunterfährt.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 80,09 -0,49%
CONTINENTAL 177,02 +2,99%
DELTICOM 16,86 +1,50%
HANNO. RÜCK 103,72 +0,83%
SALZGITTER 34,30 +4,86%
SARTORIUS AG... 67,15 -1,45%
SYMRISE 54,62 -0,62%
TALANX AG NA... 31,26 +1,09%
TUI 12,40 +0,57%
VOLKSWAGEN VZ 124,65 +2,56%
DAX
Chart
DAX 10.940,50 +1,53%
TecDAX 1.717,00 +0,98%
EUR/USD 1,0746 +0,27%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

THYSSENKRUPP 23,38 +6,01%
CONTINENTAL 177,02 +2,99%
DAIMLER 66,31 +2,70%
RWE ST 11,69 -2,50%
FMC 74,09 -1,08%
FRESENIUS... 68,24 -0,58%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 159,95%
Crocodile Capital MF 122,39%
Stabilitas GOLD+RE AF 113,23%
Fidelity Funds Glo AF 91,70%
Morgan Stanley Inv AF 91,29%

mehr