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VW-Chef Winterkorn tritt zurück

Nach Abgas-Affäre VW-Chef Winterkorn tritt zurück

Angesichts der Affäre um Abgasmanipulationen tritt Volkswagenchef Martin Winterkorn zurück. Als Vorstandsvorsitzender übernehme er die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren, erklärte Winterkorn am Mittwoch in Wolfsburg. 

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Angesichts der Affäre um Abgasmanipulationen tritt Volkswagenchef Martin Winterkorn zurück.

Quelle: dpa
  • VW-Chef Martin Winterkorn hat seinen Rücktritt bekanntgegeben.
  • Über die Nachfolge berät der Aufsichtsrat am Freitag.
  • Der Konzern wird Strafanzeige gegen die Schuldigen erstatten.

Wolfsburg. In der Affäre um Abgasmanipulationen tritt Volkswagenchef Martin Winterkorn zurück. Als Vorstandsvorsitzender übernehme er die Verantwortung für die bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren, erklärte Winterkorn am Mittwoch in Wolfsburg. „ Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell.“ Mit seinem Rücktritt mache er den Weg dafür frei. Über die Nachfolge werde der Aufsichtsrat am Freitag beraten, sagte Interims-Aufsichtsratschef Berthold Huber.

Er sei bestürzt darüber, was in den vergangenen Tagen geschehen sei, erklärte der 68-jährige Winterkorn im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums am Konzernsitz in Wolfsburg. „Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, fügte er hinzu.

Winterkorn habe keine Kenntnis von der Manipulation der Abgaswerte gehabt, sagte Huber weiter. Das Präsidium des Aufsichtsrats habe Winterkorns Rücktrittsentscheidung deshalb „mit großem Respekt“ entgegengenommen. Über die Vorschläge zur personellen Neubesetzung von Winterkorns Posten werde am Freitag im Aufsichtsrat beraten. Nähere Angaben machte er nicht. Als möglicher Nachfolger von Winterkorn ist Porsche-Chef Matthias Müller schon länger im Gespräch.

Weil: Strafanzeige durch VW erstatten

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) würdigte die Verdienste Winterkorns. Er habe dessen Entscheidung mit größter Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Die Tragweite des Schadens sei groß. Weil kündigte gegen die Verantwortlichen strafrechtliche Schritte an. „Wir werden durch das Unternehmen auch Strafanzeige erstatten“, sagte der SPD-Politiker. Ein Sonderausschuss werde die Aufklärung vorantreiben und sich dabei auf externe Berater stützen.

VW werde dafür sorgen, „dass diese Affäre vollständig und schnell aufgeklärt wird“, sagte Weil. Das Vertrauen in das Unternehmen müsse „sehr schnell“ wieder hergestellt werden. „Das darf bei Volkswagen nie wieder passieren.“ Niedersachsen hält 20 Prozent an Volkswagen.

Für die Grünen ist der Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn ein folgerichtiger Schritt. „Damit hat der VW-Konzern die Chance auf einen Neuanfang. Sein Nachfolger muss beweisen, dass Anspruch und Wirklichkeit bei VW zusammenpassen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer in Berlin.

Erklärung von VW-Chef Winterkorn

In einem kurzen Statement hat VW-Chef Martin Winterkorn seinen Rücktritt von der Konzernspitze bekanntgegeben. Die Erklärung von Volkswagen dazu im Wortlaut:

Erklärung Prof. Dr. Winterkorn
„Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.
Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.

Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei.
Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.
Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden.“

Vorermittlungen gegen VW

Der Konzern gerät unterdessen auch in Deutschland ins Visier der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab den Beginn von Vorermittlungen gegen VW bekannt. Mögliche rechtliche Schritte gegen verantwortliche Mitarbeiter der Volkswagen AG stünden dabei im Mittelpunkt, hieß es. Eine von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingesetzte Kommission hat mittlerweile in Wolfsburg mit der Prüfung begonnen, ob elf Millionen Dieselautos deutschen und europäischen Regeln entsprochen haben.

Noch unklar sind die Umstände einer möglichen Rückruf-Aktion. „Soweit sind wir noch nicht, wir kennen ja erst seit gestern die Zahl“, sagte ein Konzernsprecher und wies auf die sehr komplexe Organisation einer derartigen Aktion hin. Fragen nach den im Einzelnen betroffenen Modellen blieben zunächst unbeantwortet.

In den USA drohen Volkswagen sowohl wegen möglicher Straftaten wie Betrug als auch wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Umweltgesetze hohe Strafen und Bußgelder. Der Skandal betrifft nach Konzernangaben weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge mit Motoren vom Typ EA 189.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer für den Konzern gab es an der Frankfurter Börse. Dort stieg der Kurs der VW-Aktie nach einem zweitägigen dramatischen Kursverfall allmählich wieder.
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte VW auf, alle Autos zurückzurufen und umzurüsten, die mit der Manipulations-Software ausgerüstet sind. „Wenn das nicht freiwillig geschieht, muss Verkehrsminister Dobrindt Druck machen und Rückruf und Nachrüstung durchsetzen“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Künftig müsse das Kraftfahrtbundesamt selbst Abgastests auf Prüfstrecken durchführen.

Es mehren sich zudem Stimmen, die vor einer Ausweitung des Image-Schadens bei VW auf die gesamte deutsche Exportindustrie warnen. Der Präsident des Autoverbands VDA, Matthias Wissmann, sagte in Frankfurt, man dürfe nicht Hunderte von Zulieferern und Herstellern unter Generalverdacht stellen. Der Skandal stelle die Abgas-Nachbehandlung und -Reinigung beim Diesel nicht generell infrage. Die deutschen Maschinenbauer fürchten derweil um den guten Ruf des Standorts Deutschland. Der Branchenverband VDMA sieht mit Sorge, dass ein Fehlverhalten auf die gesamte Industrie übertragen werden könnte.

dpa/afp/ska

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