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Müller stellt sich Fragen der Mitarbeiter

Volkswagen Müller stellt sich Fragen der Mitarbeiter

Volkswagen-Chef Matthias Müller will das alte Hierarchiedenken des Konzerns über Bord werfen und wagt den Praxistest: In Wolfsburg stellt er sich den Fragen von 200 Mitarbeitern.

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„Ihr müsste kreativ sein“: VW-Chef Matthias Müller schwört seine Leute auf die Zukunft ein. Foto: Volkswagen

Quelle: Urban Zintel

Hannover. Der Applaus prasselt, und Matthias Müller lächelt ein bisschen überrascht. Das sei er nicht gewöhnt, sagt er, und der Mann, der sich vor Kameras und Mikrofonen schwertut, beginnt, das Heimspiel zu genießen. Rund 200 Mitarbeiter hat VW im Wolfsburger Hochhaus zusammengeholt, die den Chef mit Fragen löchern sollen - eine Premiere. Eine Stunde lang wird man offen reden, sich dabei aber meist einig sein.

Seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren predigt Müller neuen Umgang, fordert Eigeninitiative und beklagt die Hierarchiegläubigkeit, die im Konzern herrschte, als er selbst Karriere machte. Das soll jetzt anders werden, und dazu gehören regelmäßige Runden wie die gestern. Interessierte Mitarbeiter konnten sich anmelden, dann seien die Teilnehmer ausgelost worden - „für VW untypisch hierarchieunabhängig“, sagt Kommunikationschef Hans-Gerd Bode.

Ja, die Hierarchie. Tatsächlich drehen sich viele Fragen um die Sorge, wie der neue Geist von Mut und Eigeninitiative in allen Winkeln des Weltkonzerns gesät werden kann, wie man das zarte Pflänzchen am Leben hält und auch der letzten Führungskraft klarmacht, dass nicht mehr brüllende Zweireiher den Ton angeben. Von der Außenwelt wünschen sich die VW-Mitarbeiter vor allem mehr Ruhe, im Innern den Erhalt der gerade einziehenden Freiheit.

„Wie stellen Sie sicher, dass sich die Gedanken der Führungskräfte wirklich ändern?“, ist eine dieser Fragen - und gleich die erste. „Das nehme ich jetzt übel“, kontert Müller, es sei nämlich die schwierigste Frage überhaupt. Er tut sich schwer damit, verweist immer wieder auf die Vorbildfunktion der Spitze, an die es ihn „aus irgendwelchen Gründen“ verschlagen hat.

Der Praxistest der Müller-Philosophie kommt mit einem Vertriebsmann von VW Nutzfahrzeuge. Das mit der E-Mobilität sei ja schön und gut, sagt der, aber er müsse Autos in Südamerika verkaufen - da krähe kein Hahn nach Elektromobilität. „Diesen ganzen Hype um Elektroautos versteh ich nicht“, und Müller murmelt: „Ich auch nicht.“ Hier darf er, ist Heimspiel. Der Frager beklagt, dass der Pick-up Amarok viel zu aufwendig entwickelt sei, wohl keinen Nachfolger bekomme, und dass bei VWN die Sorge umgehe, „wie es mit der Marke weitergeht“.

Zu beobachten ist nun der Müllersche Dreisprung. Er beginnt staatstragend mit der „Koexistenz“ von Elektroantrieb und Verbrenner. Dann kommt der fürsorgliche Chef, der berichtet, dass sich „die Truppe beim (VWN-Chef) Ecki Schulz intensiv mit einem adäquaten Nachfolger“ für den Amarok - ja: der sei am Kundenwunsch vorbei entwickelt - befasse. Was die Marke angehe, „teile ich Ihre Befürchtung nicht“. Er kenne die Leiden der hannoverschen Nutzis, „20 Jahre wurden sie nur geprügelt, keiner wollte sie haben“. Es sei Zeit, Mut zu machen, denn „ich glaube, dass VW Nutzfahrzeuge eine große Zukunft hat“. Dort würden die Autos gebaut, die man bei den boomenden Paketdiensten brauche.

Und dann kommt der letzte Sprung, der schwierigste: „Ihr müsst kreativ sein.“ Eigentlich müssten die VWN-Leute dauernd mit Wunschprojekten vor ihm stehen, meint der Chef und erzählt von einem Minibus für die neue Dienstleistungstochter Moia, der in kürzester Zeit konzipiert worden sei. Gebt mir mehr davon, ist die Botschaft.

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