Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Müller stellt sich Fragen der Mitarbeiter
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Müller stellt sich Fragen der Mitarbeiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:56 06.09.2017
Von Stefan Winter
„Ihr müsste kreativ sein“: VW-Chef Matthias Müller schwört seine Leute auf die Zukunft ein. Foto: Volkswagen Quelle: Urban Zintel
Anzeige
Hannover

Der Applaus prasselt, und Matthias Müller lächelt ein bisschen überrascht. Das sei er nicht gewöhnt, sagt er, und der Mann, der sich vor Kameras und Mikrofonen schwertut, beginnt, das Heimspiel zu genießen. Rund 200 Mitarbeiter hat VW im Wolfsburger Hochhaus zusammengeholt, die den Chef mit Fragen löchern sollen - eine Premiere. Eine Stunde lang wird man offen reden, sich dabei aber meist einig sein.

Seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren predigt Müller neuen Umgang, fordert Eigeninitiative und beklagt die Hierarchiegläubigkeit, die im Konzern herrschte, als er selbst Karriere machte. Das soll jetzt anders werden, und dazu gehören regelmäßige Runden wie die gestern. Interessierte Mitarbeiter konnten sich anmelden, dann seien die Teilnehmer ausgelost worden - „für VW untypisch hierarchieunabhängig“, sagt Kommunikationschef Hans-Gerd Bode.

Ja, die Hierarchie. Tatsächlich drehen sich viele Fragen um die Sorge, wie der neue Geist von Mut und Eigeninitiative in allen Winkeln des Weltkonzerns gesät werden kann, wie man das zarte Pflänzchen am Leben hält und auch der letzten Führungskraft klarmacht, dass nicht mehr brüllende Zweireiher den Ton angeben. Von der Außenwelt wünschen sich die VW-Mitarbeiter vor allem mehr Ruhe, im Innern den Erhalt der gerade einziehenden Freiheit.

„Wie stellen Sie sicher, dass sich die Gedanken der Führungskräfte wirklich ändern?“, ist eine dieser Fragen - und gleich die erste. „Das nehme ich jetzt übel“, kontert Müller, es sei nämlich die schwierigste Frage überhaupt. Er tut sich schwer damit, verweist immer wieder auf die Vorbildfunktion der Spitze, an die es ihn „aus irgendwelchen Gründen“ verschlagen hat.

Der Praxistest der Müller-Philosophie kommt mit einem Vertriebsmann von VW Nutzfahrzeuge. Das mit der E-Mobilität sei ja schön und gut, sagt der, aber er müsse Autos in Südamerika verkaufen - da krähe kein Hahn nach Elektromobilität. „Diesen ganzen Hype um Elektroautos versteh ich nicht“, und Müller murmelt: „Ich auch nicht.“ Hier darf er, ist Heimspiel. Der Frager beklagt, dass der Pick-up Amarok viel zu aufwendig entwickelt sei, wohl keinen Nachfolger bekomme, und dass bei VWN die Sorge umgehe, „wie es mit der Marke weitergeht“.

Zu beobachten ist nun der Müllersche Dreisprung. Er beginnt staatstragend mit der „Koexistenz“ von Elektroantrieb und Verbrenner. Dann kommt der fürsorgliche Chef, der berichtet, dass sich „die Truppe beim (VWN-Chef) Ecki Schulz intensiv mit einem adäquaten Nachfolger“ für den Amarok - ja: der sei am Kundenwunsch vorbei entwickelt - befasse. Was die Marke angehe, „teile ich Ihre Befürchtung nicht“. Er kenne die Leiden der hannoverschen Nutzis, „20 Jahre wurden sie nur geprügelt, keiner wollte sie haben“. Es sei Zeit, Mut zu machen, denn „ich glaube, dass VW Nutzfahrzeuge eine große Zukunft hat“. Dort würden die Autos gebaut, die man bei den boomenden Paketdiensten brauche.

Und dann kommt der letzte Sprung, der schwierigste: „Ihr müsst kreativ sein.“ Eigentlich müssten die VWN-Leute dauernd mit Wunschprojekten vor ihm stehen, meint der Chef und erzählt von einem Minibus für die neue Dienstleistungstochter Moia, der in kürzester Zeit konzipiert worden sei. Gebt mir mehr davon, ist die Botschaft.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Menschen in Deutschland mögen offenbar Fisch auf ihrem Teller. Die beliebtesten Arten sind Lachs, Alaska-Seelachs, Hering, Thunfisch und Forelle. Nicht nur der Verbrauch ist gestiegen – auch die Preise.

06.09.2017

Ab sofort müssen sich Autofahrer auf neue Typklassen in der Kfz-Versicherung einstellen. Knapp sechs Millionen Autos werden künftig höher eingestuft.

06.09.2017

Die meisten Kreuzfahrtschiffe verpesten mit äußerst schlechten Abgaswerten Häfen und Küsten. Doch einige sind schon heute relativ sauber, darunter die Schiffe des hannoverschen Tui-Konzerns. Und nächstes Jahr startet das erste Schiff mit umweltfreundlichem Gasantrieb.

06.09.2017
Anzeige