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Deutschland / Welt VW-Manager muss für sieben Jahre in Haft
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW-Manager muss für sieben Jahre in Haft
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22:34 06.12.2017
VW-Manager Oliver S.  Quelle: imago
Detroit

In den USA ist der zweite Volkswagen-Mitarbeiter wegen seiner Rolle im Abgas-Skandal zu einer harten Strafe verurteilt worden. Der zuständige Richter Sean Cox verhängte gestern in Detroit eine siebenjährige Gefängnisstrafe gegen den langjährigen VW-Angestellten Oliver S. wegen Verschwörung zum Betrug und Verstoßes gegen Umweltgesetze. Zudem muss der Manager, der laut Anklage von Februar 2012 bis März 2015 in leitender Funktion für Umweltfragen in den USA zuständig war, eine Geldstrafe in Höhe von 400 000 Dollar zahlen. Damit zeigte Richter Cox maximale Härte – das Strafgesetzbuch sieht für die S. zur Last gelegten Verbrechen bis zu sieben Jahre Haft und eine Geldstrafe zwischen 40 000 und 400 000 Dollar vor.

S. wuchs in Stadthagen auf, machte 1988 dort Abitur, studierte Maschinenbau in Hannover und fing danach bei VW an. 2012 ernannte der Konzern ihn zum „General Manager“ für Entwicklung und Umwelt in den USA. Er arbeitete mit den Umweltbehörden zusammen, beantwortete deren Fragen zu Abgasemissionen.

Im Dezember 2016 flog S. für einen Urlaub in die USA. Warum er sich für die Reise entschied, wirkt immer noch rätselhaft: Damals ermittelten US-Beamte längst wegen des Dieselbetrugs gegen VW, die Gefahr für S. war offensichtlich. 

Am 7. Januar 2017 wurde er vor dem Rückflug vom FBI festgenommen. „Auf der Toilette des Flughafens von Miami von acht Beamten verhaftet und in Handschellen zu meiner Frau geführt zu werden“, das beschreibt S. in einem Brief an seinen Richter Sean Cox als eines seiner bis dahin „erniedrigendsten Erlebnisse“.

Doch die Demütigungen hätten damit erst begonnen, so der 48-Jährige in dem Schreiben an Cox, aus dem zuerst die „Bild“-Zeitung unter der Überschrift „VW-Manager schreibt Bettel-Brief an US-Richter“ zitierte. Sein Foto im Knastanzug – der in den USA übliche „Mugshot“ – habe Schande über ihn gebracht und ihn weltweit zum Gesicht von „Dieselgate“ gemacht. Später wurde S. in Gefängniskluft mit Handschellen und Fußfesseln bei Gerichtsterminen vorgeführt.

Die letzten Monate schildert der Angeklagte als Spießrutenlauf durch verschiedene US-Hochsicherheitsgefängnisse. Dass sich das Mitleid von Richter Cox in Grenzen hält, musste S. aber schon einmal erfahren. Zunächst hatte er eine Mittäterschaft am Abgas-Skandal abgestritten und versucht, gegen Kaution auf freien Fuß zu kommen. Doch trotz 1,6 Millionen Dollar an finanziellen Sicherheiten und etlicher Empfehlungsbriefe von Freunden und Familie: Cox schmetterte den Antrag im März ab. 

Im August gab S. schließlich ein Schuldbekenntnis ab und erklärte sich bereit, mit den Strafverfolgern zusammenzuarbeiten. Durch diesen Deal wurden zwar wesentliche Teile der Anklage fallengelassen, das maximale Strafmaß sank drastisch. Es drohten ihm aber immer noch bis zu sieben Jahre Gefängnis und eine hohe Geldstrafe.

In den Ermittlungsakten zitieren US-Beamte Aussagen eines geständigen Kollegen von S. und weiterer Zeugen. Sie sollen belegen, dass S. von der betrügerischen Diesel-Software wusste, diese aber vor den Behörden verschwieg und Ausreden anführte. Im April 2014 habe S. einem VW-Kollegen gemailt: „Zuerst muss entschieden werden, ob wir ehrlich sind. Sind wir das nicht, bleibt alles, wie es ist.“

Von RND/dpa/cwo

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