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VW gibt Abgas-Manipulation zu

Winterkorn verspricht Aufklärung VW gibt Abgas-Manipulation zu

Volkswagen hat zugegeben, die Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen in den USA mittels einer Software manipuliert zu haben. Der Konzern gibt damit die Vorwürfe der US-Umweltbehörde EPA zu. VW-Chef Martin Winterkorn versprach eine umfassende Aufklärung der Affäre.

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Quelle: dpa

Wolfsburg/Washington. Der Volkswagen-Konzern steht im Mittelpunkt eines Umweltskandals, der die ganze deutsche Autobranche in Mitleidenschaft ziehen könnte. Die US-Umweltbehörde wirft dem deutschen Autobauer technische Manipulationen im großen Stil vor, um günstige Emissionswerte bei Dieselmotoren vorweisen zu können. Am Sonntag erklärte der Konzern, dass die Vorwürfe zutreffen. „Wir haben das gegenüber der Behörde eingeräumt. Der Sachverhalt trifft zu. Wir arbeiten aktiv mit der Behörde zusammen.“ Dem VW-Konzern drohen im Extremfall hohe Milliardenstrafen.

Wie ernst der Wolfsburger Konzern den Vorfall nimmt, zeigte die Tatsache, dass Konzernchef Martin Winterkorn sich selbst zu einer Erklärung veranlasst sah. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben.“ Das Unternehmen arbeite mit den zuständigen Behörden „offen und umfassend“ zusammen, um den Sachverhalt zu klären. Volkswagen habe selbst eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben. „Klar ist: Volkswagen duldet keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art.“

Am Freitagabend hatte die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) mitgeteilt, dass bei Abgastests an Fahrzeugen mit Dieselmotoren des Volkswagen-Konzerns Manipulationen festgestellt worden seien, womit er gegen amerikanische Umweltgesetze verstoßen habe. Betroffen sind bisher rund 482 000 Autos. Laut EPA soll die eingebaute Software es ermöglichen, das Abgas-Kontrollsystem nur bei offiziellen Emissionstests zu aktivieren. Das würde bedeuten, dass der Schadstoffausstoß im Normalbetrieb viel höher wäre.

Es droht ein Bußgeld von 37.500 Dollar pro Auto

Bislang seien Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2015 aufgefallen, darunter das für VW in den USA wichtigste Modell Jetta, aber auch der Golf, Beetle und der Passat sowie der Audi A3. „Solche Mittel zu benutzen, um die Klimaschutzstandards zu umgehen, ist illegal und eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit“, hatte EPA-Vertreterin Cynthia Giles gesagt. Ihre Behörde werde die Untersuchungen in diesem „sehr ernsten“ Fall fortsetzen. Dabei sei es möglich, dass weitere Verdachtsfälle ans Licht kommen, sagte Giles.

Die Behörde kann pro Auto ein Bußgeld von bis zu 37.500 Dollar verhängen. Im Extremfall droht dem Konzern also nach heutigem Stand eine Strafzahlung von umgerechnet mehr als 15 Milliarden Euro. Zwar rechnen Experten nicht damit, dass die Behörde dieses Strafmaß ausschöpft, aber teuer wird die Affäre für den Konzern auf jeden Fall.

„Da ist etwas fundamental schiefgegangen bei VW“, sagte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. „VW muss den Fall zum Anlass nehmen, um die internen Prozesse zu überprüfen.“ Das Verfahren sei bedrohlich, meint auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Das Ausmaß sei derzeit nicht absehbar. „Fest steht: Es wird teuer.“

Die Aktie gerät unter Druck

Bereits am Freitag war die VW-Aktie stark unter Druck geraten, und heute wird mit einem weiteren Kursrutsch gerechnet. Am Wochenende gab es bereits einen Vorgeschmack. Im außerbörslichen Handel wurde die VW-Aktie nur noch mit rund 155 Euro taxiert. Damit hat sie seit Donnerstag schon mehr als 8 Prozent an Wert eingebüßt.

Dabei geht der mögliche Schaden deutlich über die Kosten einer eventuellen Nachrüstung der Fahrzeuge sowie die von den US-Behörden verhängten Strafen hinaus. Speziell die deutschen Autohersteller arbeiten seit Jahren mit Erfolg daran, dass Image der Dieseltechnologie in den USA zu verbessern. Der als Luftverschmutzer verpönte Dieselmotor wird als „Clean Diesel“ massiv beworben und hat deshalb – auf niedrigem Niveau – deutliche Marktanteilsgewinne im US-Pkw-Markt verzeichnet. Dazu beigetragen haben die Markteintritte von Chrysler und General Motors, wenn auch nach wie vor deutsche Hersteller überwiegen. Nun könnte der Dieselmotor jedoch wieder einen starken Rückschlag erleben. „Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie“, urteilt Experte Bratzel.

Bei VW kommt erschwerend hinzu, dass sich die Kernmarke Volkswagen in den USA ohnehin schwertut. In diesem Jahr hatte Volkswagen wieder Tritt gefasst, aber nun droht erneut ein tiefes Absatzloch. Erst am Freitag hatte der Konzern über ein weltweites Absatzminus seiner Marken von 5,4 Prozent im August gegenüber Vorjahr berichtet, bei der Marke Volkswagen allein belief sich der Rückgang sogar auf 8,1 Prozent.

Kommentar von Albrecht Scheuermann

Peinliche Fragen an den VW-Konzern

Für VW-Chef Martin Winterkorn kommt es knüppeldick. Gerade erst hatte man beschlossen, seine Amtszeit bis 2018 zu verlängern – und nur wenige Wochen später muss er sich mit einem Skandal auseinandersetzen, der nicht nur für VW üble Folgen hat. Er versetzt der ganzen deutschen Autoindustrie einen Schlag.

Technische Manipulationen mit der Absicht, günstigere Schadstoffwerte bei Dieselmotoren vorzugaukeln – eine bessere Steilvorlage hätte Volkswagen den Umweltschützern nicht geben können. In der Ökodiskussion steht die ganze Autoindustrie nun ziemlich blöd da. Wenn Volkswagen in den USA Emissionswerte manipuliert, liegt der Verdacht nahe, dass das auch anderswo geschieht und dass auch andere Autohersteller keine Unschuldslämmer sind. Dies mag ungerecht sein, aber die Zweifel sind da.

Wie dumm muss man sein, um so etwas anzustellen und zu glauben, die Sache fliegt nicht auf? Vielleicht waren es nur eigenmächtige VW-Leute in den USA, die auf diese Weise besser dastehen wollten. Allerdings stellen sich dann auch peinliche Fragen Richtung Wolfsburg. Wie kann es sein, dass so etwas im Konzern so lang unbemerkt bleiben konnte? Oder wusste man auch in Wolfsburg etwas? Es gibt viel aufzuklären bei VW – und etliche Manager werden diese Affäre nicht im Amt überleben.

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Absturz der VW-Aktie

Als einen strategischen „Super-GAU“ für die Weltmarktstellung von VW bewertet die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz die Abgas-Manipulation des Automobilkonzerns. Schadensersatzansprüche bei VW-Aktienbesitzern seien nach deutschem Recht aber so gut wie unmöglich.

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