Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
VW ruft fünf Millionen Autos in die Werkstatt

Aktionsplan zur Nachbesserung VW ruft fünf Millionen Autos in die Werkstatt

Der VW-Konzern nimmt Fahrt auf im Abgas-Skandal. Erste Etappe ist ein Aktionsplan, wie von den Behörden gefordert. Die IG Metall will jetzt mögliche Nachteile des Abgas-Skandals für die Belegschaft abwehren.

Voriger Artikel
700.000 Seat vom Abgas-Skandal betroffen
Nächster Artikel
Tesla stellt Elektro-SUV "Model X" vor

Betroffene VW-Kunden werden demnächst per Post informiert, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen.

Quelle: Michael Kappeler

Wolfsburg. Im Abgas-Skandal hat VW einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vorgestellt und will fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten holen. Die Wagen gehören zur Marke Volkswagen. Die betroffenen VW-Kunden sollen demnächst per Post informiert werden, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. VW sprach von „Servicemaßnahmen“. Es handle sich aber nicht um eine „Sicherheits-Rückrufaktion“, weil die Sicherheit der Fahrzeuge nicht tangiert sei, sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg. Die Kunden der Fahrzeuge sollen in den nächsten Wochen und Monaten informiert werden. Ex-VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard bestritten, etwas vom Einbau der Diesel-Manipulationssoftware gewusst zu haben.

Zu der Serviceaktion für die Fahrzeuge sagte VW-Markenchef Herbert Diess in Brüssel: „Wir haben einige Lösungen erarbeitet, insbesondere stehen natürlich die Kunden im Fokus im Moment.“ Die Kosten könne VW noch nicht abschätzen. Diess informierte am Abend EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska über den Abgas-Skandal. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte nach dem Treffen: „Beide Teilnehmer waren sich einig, dass es äußerst wichtig ist, das Vertrauen in die europäische Autoindustrie wieder herzustellen.“ VW hatte bereits am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass von der Konzern-Kernmarke VW fünf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Ebenfalls bereits bekannt ist, dass es insgesamt um elf Millionen Fahrzeuge geht, davon 2,8 Millionen in Deutschland.

Volkswagen und die weiteren betroffenen Marken des Konzerns wollen den zuständigen Behörden im Oktober die technischen Lösungen vorstellen. Die betroffenen Autos bestimmter Baujahre und Modelle - darunter der Golf sechs, der Passat der siebten Generation oder die erste Generation des Volkswagen Tiguan - sind mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet. Dass diese Modelle den Motor enthalten, hatte VW bereits am vergangenen Freitag bekanntgegeben. Der Autokonzern hatte mit einer Software Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen in den USA manipuliert.

Am Mittwochnachmittag steht nach dpa-Informationen erneut ein Krisentreffen des Aufsichtsrats-Präsidiums von VW an. Zum innersten Machtzirkel zählen Aufsichtsratschef Berthold Huber, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Aufsichtsrat Wolfgang Porsche, Betriebsratschef Bernd Osterloh und dessen Stellvertreter Stephan Wolf. Dem Gremium soll nach internen Ermittlungen ein erster Zwischenbericht vorgelegt werden. Demnach fiel die Entscheidung zum Einbau der manipulierten Software bereits in den Jahren 2005 und 2006, und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale.

„Unendlicher Schaden“ für VW

Der frühere VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatten nach eigenen Angaben keinerlei Kenntnis vom Einbau der Manipulationssoftware. Beide hätten auch keine Entscheidungen zur Entwicklung oder zum Einsatz der Software getroffen, teilten die Manager am Dienstagabend über die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann mit.

Unterdessen wehrt sich die IG Metall gegen drohende negative Folgen des VW-Abgasskandals für die Belegschaft. Die Affäre bedeute einen „unendlichen Schaden“ für das Produkt, den Konzern und den Standort Deutschland, sagte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel in Frankfurt.

Aus nationaler Sicht sei der Skandal mit der Finanzkrise 2008/2009 vergleichbar. Arbeitnehmer seien dafür nicht verantwortlich, meinte Wetzel am Montagabend. Er gab aber zu, dass sich auch die in Wolfsburg mächtige IG Metall Fragen zu ihrem Beitrag zur Unternehmenskultur bei VW stellen müsse. Es stehe ein großer Kulturwandel an. „Es ist kein Wert an sich, größer als Toyota zu sein“, sagte Wetzel. Zudem müsse man fragen: „Wieso haben wir davon nichts gewusst?“ Die Affäre hat aus Sicht der Gewerkschaft aber mit der besonders ausgeprägten Mitbestimmung im Konzern nichts zu tun.

6,5 Milliarden Euro für Service-Leistungen

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“, der Betriebsrat habe nicht erst „seit gestern“ Veränderungen in der Unternehmenskultur gefordert. „Wir haben neue Strukturen eingefordert, weil wir klar gesehen haben, dass Volkswagen so auf Dauer nicht mehr zu führen ist.“ Bisher hätten sich Mitarbeiter mit Verbesserungsvorschlägen nicht durchsetzen können, „weil ihnen keiner zugehört hat“. Die bisherigen finanziellen Rückstellungen wegen des Abgas-Skandals dürften einem Bericht zufolge nicht für die Lösung aller Probleme ausreichen. Dies geht aus einer Antwort von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auf entsprechende Fragen bei einer Manager-Versammlung hervor, wie das Fachblatt „Automobilwoche“ schreibt.

Die veranschlagten 6,5 Milliarden Euro sind demnach vor allem für technologische Lösungen und Service-Leistungen vorgesehen. Möglicher Schadenersatz, Anwaltshonorare und andere Kosten kämen obendrauf. Ein VW-Sprecher verwies auf die Gewinnwarnung aus der vergangenen Woche fürs dritte Geschäftsquartal, wonach der angenommene Betrag für Serviceleistungen „Einschätzungsrisiken“ unterliege und auch bereits klar nur den Serviceleistungen zugeordnet worden sei.

Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller versprach eine „schonungslose und konsequente Aufklärung“. Volkswagen werde in den nächsten Tagen betroffene Kunden darüber informieren, dass das Abgasverhalten ihres Fahrzeugs in Kürze nachgebessert werden müsse, sagte Müller laut Mitteilung am Montagabend. VW stehe vor der „größten Bewährungsprobe“ in der Unternehmensgeschichte. Müller ist Nachfolger von Martin Winterkorn, der im Zuge des Skandals seinen Posten räumen musste.

Von Ralf Krüger, Anja Semmelroch, Andreas Hoenig und Martina Herzog/dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Nach Audi und Skoda
Foto: Vom Abgas-Skandal bei Volkswagen sind auch etwa 700.000 Fahrzeuge von Seat betroffen.

Vom Abgas-Skandal bei Volkswagen sind auch etwa 700.000 Fahrzeuge von Seat betroffen. Diese Zahl nannte ein Sprecher der spanischen Konzerntochter am Dienstag. Welche Modelle genau betroffen sind, sagte er nicht.

mehr
Mehr aus Deutschland / Welt

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 81,65 -0,83%
CONTINENTAL 182,49 +0,26%
DELTICOM 17,76 -1,60%
HANNO. RÜCK 103,37 +0,17%
SALZGITTER 34,25 -2,47%
SARTORIUS AG... 70,18 +2,42%
SYMRISE 57,93 +3,89%
TALANX AG NA... 31,87 +1,04%
TUI 12,94 -1,36%
VOLKSWAGEN VZ 127,73 -0,29%
DAX
Chart
DAX 11.236,50 +0,51%
TecDAX 1.756,50 +1,36%
EUR/USD 1,0562 -0,48%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

FMC 77,20 +3,47%
FRESENIUS... 69,87 +2,31%
BEIERSDORF 78,43 +1,86%
DT. BANK 17,32 -3,34%
THYSSENKRUPP 23,48 -2,44%
INFINEON 16,20 -1,12%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 163,72%
Crocodile Capital MF 122,39%
Stabilitas GOLD+RE AF 112,08%
Fidelity Funds Glo AF 98,25%
Morgan Stanley Inv AF 95,73%

mehr