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Deutschland / Welt Für die Sparkassen geht es weiter bergab
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00:16 04.03.2016
Von Albrecht Scheuermann
„Schwierige Zeiten, das steht fest“: Sparkassenchef Thomas Mang. Foto: Surrey Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Vergangenes Jahr haben die 46 Sparkassen des Landes noch in etwa so abgeschlossen wie 2014. Zusammengenommen erreichte ihr Betriebsergebnis 920 Millionen Euro. Damit hätten die Häuser wieder notwendige Reservepolster für die kommenden Jahr schaffen können, sagte Mang. Stark entwickelte sich besonders das Kreditgeschäft mit Firmen und Immobilienkäufern.

Schon dieses Jahr dürfte der Gewinn jedoch um 8 bis 10 Prozent zurückgehen, schätzt der Verband. Bemerkbar machte sich das bereits im Filialnetz und beim Personal. Um Kosten abzubauen, haben die Sparkassen vergangenes Jahr mehr als 80 Zweigstellen geschlossen, jetzt sind es noch 1015. Die Zahl der Mitarbeiter sank um etwa 800 auf jetzt noch 22 760.

Dieser Abwärtstrend werde weitergehen, kündigte Mang an. Die Sparkassen kämen an einem weiteren „Abschmelzen“ ihres Personals nicht vorbei, Entlassungen soll es aber nicht geben. Das Ausmaß des notwendigen Kostenabbaus sei allerdings von Institut zu Institut sehr unterschiedlich. Zudem seien einige Sparkassenfusionen im Gang, erklärte der Sparkassenpräsident.

Der Verband gibt die Schuld für die schwieriger werdende Situation in erster Linie der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank sowie der Regulierungspolitik. Diese mache gerade kleinen Geldhäusern das Leben immer schwerer. Seit der Finanzkrise sei eine Lawine von 40 000 neuen Vorschriften über die Branche niedergegangen. Dieser „ganze Krempel“ müsse verstanden, umgesetzt und kontrolliert werden - was „unglaubliche Mitarbeiterkapazitäten“ binde. Zugleich mache er „drei Fragenzeichen, ob sich dadurch wirklich etwas verbessert oder nur gesunden Instituten das Leben schwerer gemacht wird“.

Mang malte auch Gefahren für die langfristige Finanzierung des Mittelstandes an die Wand. Diese werde durch die derzeitigen Regulierungsvorschläge immer schwieriger. Man könne sagen, „dass zurzeit 500 Jahre Erfahrungen sowie Erfolg im Bankgeschäft auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden“.

Ziemlich gelassen sieht Mang dagegen das Vordringen junger Technologiefirmen, sogenannter Fintechs, die mit neuen Ideen und Angeboten den Finanzmarkt erobern wollen. Ihnen fehlten schließlich im Gegensatz zu den Sparkassen oft die nötigen „Mengengerüste“, um Neuentwicklungen an den Markt zu bringen. Zudem hätten die Sparkassen mit der auch in Hannover ansässigen FinanzIT den „wahrscheinlich größten Fintech Europas“ auf ihrer Seite.

Kritik an Bargeldplänen

Die Sparkassen wollen ihren privaten Kunden weiterhin keine Negativzinsen auf Einlagen zumuten, aber Thomas Mang macht ein Fragezeichen. „Ob wir das schaffen, ob man uns lässt, bleibt abzuwarten.“ Negativzinsen wären jedenfalls „ein Desaster“. Der Verbandspräsident warf der Europäischen Zentralbank vor, mit den Vorstößen zur Einschränkung der Bargeldnutzung genau darauf hinzuarbeiten. Dadurch falle es ihr leichter, Minuszinsen durchzudrücken. Entsprechende offizielle Äußerungen seien ernstzunehmen. „Ich habe gelernt, dass in Europa nichts ohne Absicht geschieht.“ Die EZB wolle das „Bargeld-Bollwerk knacken“. Mang: „Die dies wollen, versündigen sich an der Freiheit der Menschen.“     

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