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Deutschland / Welt Verbraucherschützer entlarven Mogelpackungen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Verbraucherschützer entlarven Mogelpackungen
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16:14 30.12.2016
Die Verbraucherschützer in Hamburg haben unter anderem diese Produkte getestet. Die Ergebnisse sind luftig. Quelle: VZ Hamburg
Düsseldorf

Es kommt nicht auf die Größe, sondern auf den Inhalt an. Seit Jahren durchleuchtet die Verbraucherzentrale Hamburg Waren aus dem Einzelhandel mit dem Röntgengerät. Die Ergebnisse sind immer wieder ernüchternd, so auch die der jüngsten Untersuchung: Die Packungen der Stichprobe – ob Müsli, Reis oder Tagespflege-Creme – enthielten nach Angaben der Verbraucherschützer durchschnittlich 40 Prozent Luft.

„Viele Menschen empfinden das als Täuschung, vielleicht sogar als Betrug“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) Klaus Müller über solche aufgeblasenen Packungen. „Sie zahlen ja für etwas, was sie nachher in der Form nicht bekommen.“ Dies sei ein Dauerärgernis etwa beim Kauf von Kaffee, Getränkepulver, Nachspeisen, Frühstückscerealien oder Instantbrühe. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb strengere Regelungen gegen zu viel Luft in Lebensmittel-Packungen. Bislang vergeblich.

49 Prozent Luft: Das Risotto von Riso Scotti, 210 Gramm für 4,99 Euro. Quelle: Verbraucherzentrale

„Wir kaufen auch mit dem Auge. Die größere Verpackung suggeriert mehr Inhalt und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir zugreifen“, erklärt der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. Auch wenn der Verbraucher es eigentlich besser wisse, schaue er einfach nicht jedes Mal nach dem Grundpreis am Regal.

49 Prozent Luftanteil: Die Frosties von Kellogg’s, 375 Gramm gibt es für 2,69 Euro. Quelle: Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale Hamburg beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema. Zuletzt durchleuchtete sie Anfang Dezember 15 Produkte, über die sich Verbraucher beschwert hatten – von Frühstückscerealien mit einem gemessenen Luftanteil von 49 Prozent in der Verpackung bis zur Augenpflege-Creme mit einem Luftanteil von 68 Prozent. Und sie listet auf ihrer Online-Seite Tricks auf, mit denen die Branche arbeitet – von Sichtfenstern in den Verpackungen, die knapp unter der Befüllungsgrenze enden, bis zu doppelten Böden und Tiegeln mit auffällig dicken Wandungen bei Kosmetika-Produkten.

31 Prozent Luftanteil: Salzlakritz von Toms, 140 Gramm für 1,79 Euro. Quelle: Verbraucherzentrale

Für die Verbraucherschützer ist das Thema aus zwei Gründen ärgerlich. Die Konsumenten würden hinters Licht geführt und auch die Umwelt leide. „Durch Luftverpackungen werden Ressourcen verschwendet“, klagen sie. Auch für den Transport der Produkte werde mehr Platz und damit mehr Kraftstoff benötigt.

Marketingexperte prognostiziert Ende von Mogelpackungen

Wie lange kann sich der Handel diese Mogelpackungen noch leisten? Geht es nach Marketingexperte Fassnacht, dann nicht mehr lange. „Die Verbraucher sind in den vergangenen Jahren mächtiger und smarter geworden. Ich glaube nicht, dass man Mogelpackungen heute noch so problemlos anbieten kann wie früher“, prognostiziert er. Auch die wachsende Bedeutung des E-Commerce erschwere solche Tricks. „Denn im Internet ist der Einkauf weniger von Emotionen angetrieben und man vergleicht genauer die Leistung, die man für sein Geld bekommt.“

Von RND/dpa/cab

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