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Deutschland / Welt Verbraucherstimmung geht leicht zurück
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Verbraucherstimmung geht leicht zurück
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13:51 26.07.2011
Wegen der Schuldenkrise geht die Stimmung der Verbraucher in Deutschland zurück. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Nürnberg

Die Finanznot in Griechenland, die Angst vor einer Ausweitung der Schuldenkrise sowie die steigende Inflation verunsichern die Konsumenten - und lassen sie eher zu werthaltigen Anschaffungen statt zu Anlageprodukten tendieren. Es gebe Indizien, dass die Verbraucher ihr Geld lieber in Wohnungen oder Autos investierten anstatt es auf die Bank zu bringen, berichtete der Konsumexperte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Nürnberg. Bürkl schließt dies aus dem am Dienstag veröffentlichten Konsumklimaindex: Während die Konjunktur- und Einkommenserwartungen sanken, verzeichneten die Forscher bei der Anschaffungsneigung nur einen marginalen Rückgang.

Die Hinwendung zu Sachwerten sei auch ein Zeichen dafür, dass die Verbraucher nicht restlos davon überzeugt seien, dass ihre Geldanlagen sicher seien, erläuterte Bürkl. Auch die zuletzt etwas gestiegene Inflation vor dem Hintergrund eines nach wie vor sehr niedrigen Zinsniveaus mit bescheidenen Habenzinsen spiele eine Rolle. „Da ist natürlich die Gefahr, dass ich reale Verluste erleide bei der Geldanlage, doch groß“, erklärte der Konsumspezialist.

Ohnehin seien die Verbraucher vor dem Brüsseler „Rettungsgipfel“ vergangenen Donnerstag wegen der Schuldenkrise in Griechenland verunsichert gewesen und hätten negative Folgen für den deutschen Steuerzahler befürchtet. Auch die langwierigen Diskussionen im Vorfeld des Gipfels waren der Stimmung im Land laut Bürkl nicht zuträglich. „Diese Hängepartie hat bei den Verbrauchern auch für eine gewisse Verunsicherung gesorgt.“ Der Konsumklimaindex für August ging deshalb von revidiert 5,5 Punkten im Juli auf 5,4 Punkte zurück.

Damit überlagerten die Ereignisse in Südeuropa die guten inländischen Rahmenbedingungen. Allerdings gehen die Deutschen der GfK zufolge nach wie vor davon aus, dass ihre Wirtschaft weiter wächst - wenn auch nicht mehr ganz so stark wie bislang.

Bei der monatlichen Befragung von rund 2000 Menschen hatte diesmal die Schuldenkrise Griechenlands eine entscheidende Rolle gespielt. Wegen der Befürchtung, dass weitere Euroländer in den Strudel geraten könnten, nahm die Konjunkturerwartung der Teilnehmer ab. Auch die Einkommenserwartungen gingen zurück, weil viele Verbraucher im Falle einer Staatspleite oder weiterer Hilfszahlungen der Europäischen Union zusätzliche finanzielle Belastungen fürchteten. Obendrein droht ein weiterer Anstieg der Energiepreise.

Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass die Befragung bereits in der ersten Julihälfte und damit vor dem Brüsseler Gipfelbeschluss stattfand. GfK-Experte Bürkl geht davon aus, dass nach der Einigung nun langsam wieder Ruhe auch bei den Verbrauchern einkehrt - zumal die Euro-Staaten auch Maßnahmen verabschiedet haben, die aktiv eine drohende Krise in anderen Ländern verhindern sollen. „Das ist eigentlich das Neue zur Krisenbewältigung, die wir in der Vergangenheit hatten.“

Damit könnten inländische Faktoren wieder vermehrt in den Vordergrund rücken. Schon im Juli war die Anschaffungsneigung kaum gesunken, weil der robuste Arbeitsmarkt die Angst vor einem Verlust des eigenen Jobs minderte und die Planungssicherheit erhöhte - beides weitere wichtige Kriterien bei größeren Anschaffungen.

dpa

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