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Verdi und Amazon buhlen um Treue der Mitarbeiter

Weihnachtsgeschäft Verdi und Amazon buhlen um Treue der Mitarbeiter

Amazon will in den nächsten beiden Kalenderwochen arbeitswilligen Kollegen in den Logistikzentren eine Art Antrittsgeld zahlen, um sie im wichtigen Weihnachtsgeschäft bei Laune zu halten. Verdi hält dagegen - und erhöht das Streikgeld.

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Eingeübte Streikroutine durchbrechen: Umworbene Amazon-Mitarbeiter. Foto: dpa

Quelle: Peter Endig

Hannover. Bieterwettbewerbe kennt man von Ausschreibungen. Wenn der Staat, eine Kommune oder Behörde Aufträge zu vergeben hat, werden Unternehmen aufgefordert, ihre Angebote einzureichen - in der Regel bekommt das günstigste dann den Zuschlag.

Umgekehrt läuft es hingegen beim Übernahmepoker an der Börse: Wenn der Konzern A mit dem Konkurrenten B darum streitet, wer den Rivalen C schlucken darf, warten die Aktionäre auf immer höhere Gebote. Bieterwettbewerbe zwischen Großunternehmen und Gewerkschaften hingegen gab es bisher nicht: Doch nun wollen Amazon und Verdi diese Lücke schließen.

Der Versandhändler und die Arbeitnehmervertreter liegen seit Langem über Kreuz. Seit dem Frühsommer 2013 versucht Verdi mit immer neuen Streikaktionen, bei Amazon einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzel- und Versandhandels durchzusetzen. Verhandlungen darüber lehnt der US-Konzern aber strikt ab: Das Unternehmen sieht sich als Logistiker und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende des Üblichen - jedenfalls für diese Branche.

Hinter diesen Maximal-Positionen haben sich beide Parteien inzwischen eingerichtet. Von Zeit zu Zeit ruft Verdi an einzelnen Standorten die Beschäftigten auf, die Arbeit kurz oder auch mal für länger niederzulegen - der Konzern ignoriert das in der Regel so gut es geht, die Kunden machen das ohnehin. Auch der von der Gewerkschaft im Sommer angesichts der Amazon-Jubiläumsfeierlichkeiten („Prime Day“) ausgerufene „Shame Day“ (Tag der Schande) blieb ohne große Resonanz.

Nun aber möchten beide Seiten offenbar ihre gut eingeübte Streikroutine durch- beziehungsweise unterbrechen: Amazon will in den nächsten beiden Kalenderwochen arbeitswilligen Kollegen in den Logistikzentren eine Art Antrittsgeld zahlen, um sie im wichtigen Weihnachtsgeschäft bei Laune zu halten. Für jede voll gearbeitete Schicht solle es „eine Prämie von 10 bis 20 Euro“ geben, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Vor dem Fest verdoppelt der Konzern seine Belegschaft hierzulande - 10 000 Saisonkräfte werden 9000 Festangestellte beim Paketepacken unterstützen. An Spitzentagen gehen bis zu fünf Millionen Bestellungen ein.

Natürlich weiß auch Verdi um die Wichtigkeit der kommenden beiden Wochen für Amazon - und will seinerseits eine Prämie in Höhe des Amazon-Bonus zuzüglich zum Streikgeld zahlen, um die Arbeitslaune möglichst niedrig zu halten. „Wir wollen damit bei den Streikenden für einen Ausgleich sorgen“, sagte eine Verdi-Sprecherin am Donnerstag in Berlin.

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