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Deutschland / Welt Vermögensverteilung: Die Deutschen werden reicher – aber nicht alle
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17:57 15.04.2019
Etwa die Hälfte aller Deutschen hat selten eine prall gefüllte Geldbörse. Quelle: Boris Roessler/dpa
Frankfurt/Main

Aktien und vor allem Immobilien machen den Unterschied: Nach Daten der Bundesbank sind die Vermögen der privaten Haushalte weiterhin ungleich verteilt - auch wenn sie im Schnitt gestiegen sind. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Bundesbank-Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF) hervor.

Demnach gehören etwa 55 Prozent des Gesamtvermögens den reichsten zehn Prozent der Deutschen. Weitere etwa 40 Prozent des Nettovermögens gehören etwa 40 Prozent der Deutschen. Die verbleibenden drei Prozent des Vermögens gehören der anderen Hälfte der Deutschen.

In Euro ausgedrückt bedeutet das, dass ein Normalvermögender in Deutschland ein Vermögen im Wert von 70 800 (2014: 60 400) Euro besitzt. Weil das ein Medianwert ist, liegt die Hälfte aller Deutschen darüber, die andere Hälfte darunter. Die Bundesbank empfiehlt eine solche Betrachtung, weil die einfachen Mittelwerte zu sehr von Extremen verzerrt seien.

Um zu den zehn Prozent der vermögendsten Haushalte in Deutschland zu gehören, waren im Jahr 2017 den Angaben zufolge gut 555 400 Euro nötig.

Ostdeutsche besitzen deutlich weniger

Regional gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede. So ist der Normalvermögende im Westen mit 92 500 Euro etwa viermal reicher als sein Pendant im Osten (23 400 Euro). Grund sei vermutlich der geringere Anteil an Wohneigentümern in den neuen Ländern. Der höchste Medianwert findet sich in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen mit 139 800 Euro.

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Insgesamt konnten die Bundesbürger dank niedriger Arbeitslosigkeit und höherer Einkommen in den vergangenen Jahren mehr auf die Seite legen. Zugleich profitierten sie von steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen. Abzüglich Schulden verfügten die Haushalte 2017 im Durchschnitt über ein Nettovermögen von 232 800 Euro. Das waren 18 300 Euro mehr als bei der Auswertung drei Jahre zuvor.

„Insbesondere die Nettovermögen von Immobilieneigentümern haben sich in Folge der gestiegenen Immobilienpreise erhöht“, heißt es im Bundesbank-Monatsbericht. Allerdings besitzen nur 44 Prozent der Privathaushalte in Deutschland Wohneigentum.

An vielen geht der Boom vorbei

An vielen Menschen geht der Immobilienboom somit vorbei. In anderen Ländern im Euroraum, zum Beispiel in Italien oder Spanien, ist die Quote der Immobilienbesitzer mit zuletzt etwa 70 beziehungsweise rund 80 Prozent deutlich höher. Dementsprechend ist ein deutscher Normalvermögender weniger reich als die Bürger anderer Ländern, für die vergleichbare Daten vorliegen. In Italien lag der Wert zuletzt bei 126 000 Euro.

In den vergangenen Jahren profitierten den Angaben zufolge allerdings auch Menschen, die zur Miete leben, sowie Haushalte, die zur vermögensärmeren Hälfte zählen, von gestiegenen Einkommen. „Sie versetzen diese Haushalte in die Lage, mehr zu sparen und verringern die Notwendigkeit neue Konsumentenkredite aufzunehmen“, heißt es in der Untersuchung.

Vermögen sind ungleich verteilt

Die Notenbank hat die Studie zum dritten Mal durchgeführt. 9710 Menschen ab einem Alter von 16 Jahren gaben Auskunft über ihr Vermögen: Haus und Auto, wertvolle Sammlungen und Schmuck, Guthaben auf Sparkonten, Bausparverträge, Aktien, Lebensversicherungen. Auf der Soll-Seite: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditkartenschulden, Bafög-Schulden.

Zwar sei die Vermögensungleichheit im Vergleich zur vorherigen Befragung geringfügig gesunken, heißt es in der Studie. Ein eindeutiger Trend sei aber nicht erkennbar, folgert die Bundesbank: „Nach wie vor ist Deutschland ein Land, in dem die privaten Vermögen ungleich verteilt sind.“

Von RND/dpa