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Deutschland / Welt Versicherungsbetrug für neue TV-Geräte zur EM
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Versicherungsbetrug für neue TV-Geräte zur EM
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00:15 05.06.2016
Von Albrecht Scheuermann
Ein neues Fernsehgerät vor der EM? Die Versicherungsbranche bemerkt auffällig hohe Schadensmeldungen vor Großereignissen. Quelle: Andrey Popov
Hannover

Wer sich für Fußball interessiert, legt meist auch Wert auf ein großes und scharfes Fernsehbild. Gerade vor großen Meisterschaften wie jetzt der EM in Paris melden die Händler deshalb häufig Mehrumsätze, weil viele Kunden sich noch schnell mit einem besseren Gerät ausrüsten. Das Geld dafür stammt gar nicht so selten aus der Kasse einer Versicherung. Das behauptet jedenfalls die Branche. Vor sportlichen Großereignissen und immer auch dann, wenn eine neue Technik auf den Markt kommt, nähmen die Schadensmeldungen auffallend zu, berichtete gestern der Versicherungsverband GDV. Derzeit kommen beide Faktoren zusammen - neben der Fußball-EM das neue Format HDR (High Dynamic Range), das eine fantastische Bildqualität verspricht. Wer die Vorzüge der neuen Technik einmal erlebt hat, möchte sie oft auch beim Blick ins Stadion nicht missen.

Allerdings sind die HDR-fähigen Geräte mit teils mehr als 2000 Euro recht teuer. Manche kommen da offenbar auf die Idee, die Versicherungskasse anzuzapfen. „Zur Finanzierung eines neuen Fernsehers wird manchmal ein Schaden am alten Gerät herbeigeführt, den es so nie gegeben hat“, sagt Thomas Leicht, Vorsitzender der Kommission Kriminalitätsbekämpfung im Branchenverband GDV. Jedes Jahr würden den deutschen Versicherern Tausende Schäden an Fernsehgeräten gemeldet. Eine GDV-Untersuchung belege, dass jeder vierte davon nicht plausibel sei. „In vielen Fällen passen Schadensschilderung und Schadensbild nicht zueinander. Der Schaden kann demzufolge nicht so passiert sein, wie er geschildert wurde“, erklärt Leicht.

Ausgewertet für die Untersuchung wurden knapp 1800 Schäden an TV-Geräten, die bei den Versicherern eingereicht wurden. Bei 25 Prozent davon traten laut Verband Ungereimtheiten auf; die durchschnittliche Forderung an die Versicherung betrug 745 Euro.

Bei Versicherungsbetrügern beliebt ist vor allem die private Haftpflichtversicherung. Sie zahlt dann, wenn der Versicherte fremdes Eigentum beschädigt. Zum Beispiel meldet ein Freund oder Bekannter des Gerätebesitzers seiner Versicherung, dass er aus Versehen den Fernseher von der Kommode gestoßen habe, und veranlasst sie so, die Kosten zu übernehmen. Immerhin räumt auch der GDV-Experte Leicht ein: „Die allermeisten unserer Kunden sind ehrlich.“ Die schwarzen Schafe warnt er jedoch vor den Folgen: Ihnen drohten nicht nur der Verlust des Versicherungsschutzes und Schadensersatzforderungen, sondern sogar Haftstrafen.

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