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Deutschland / Welt Das Gebot der Stunde
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00:22 05.09.2015
Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
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Hannover

Ein defekter Laserpointer hat vor 20 Jahren die Welt des Einkaufens revolutioniert. Pierre Omidyar, der damals 28-jährige Gründer der Internetseite Auctionweb, war völlig verblüfft, als ein Bieter tatsächlich 14,83 Dollar ausgeben wollte, um ein Gerät zu ersteigern, das gar nicht funktionierte. Das war am 3. September 1995 – der Geburtsstunde von Ebay.

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Der Rekordhalter unter den Auktionen: Für satte 4,9 Millionen US-Dollar verkaufte ein Besitzer eines Gulfstream-Düsenjets sein Fluggerät. Eine afrikanische Chartergesellschaft gab das höchste von insgesamt 97 Geboten ab.

"Ebay hat den Amateurhändlern die Möglichkeit gegeben, am Handel teilzunehmen", sagt Sven Gabor Janszky, Trendforscher vom Institut 2b Ahead in Leipzig. "Das führte zu einem größeren Markt, damit zu einer größeren Konkurrenz und schlussendlich zu günstigeren Preisen."

An diese Dimensionen dachte Omidyar zunächst überhaupt nicht, seine Firma in San Jose wuchs eher beschaulich. Erst ein Jahr nach der Gründung stellte der Jungunternehmer seinen ersten Mitarbeiter ein. Buchhalter Chris Agarpao arbeitet noch heute bei dem Auktionshaus.

Gründer wurde Milliardär

Den Namen Ebay bekam die Firma 1997. Damals liefen auf der Plattform rund 200.000 Auktionen im Monat, und der millionste Artikel wurde verkauft, eine Spielzeugfigur aus der Sesamstraße. Heute sind zu jeder Zeit rund 800 Millionen Angebote auf dem Marktplatz, 157 Millionen aktive Käufer tummeln sich auf der weltgrößten Auktionsplattform.

Eigentlich wollte Omidyar sein aufstrebendes Unternehmen nach seiner früheren Consultingfirma, der Echo Bay Tehnology Group, benennen. Dummerweise war die Internetadresse echobay.com aber schon an einen Goldminenbetreiber vergeben – es entstand die Abkürzung Ebay.

Und der neue Name steht längst auch für eine Goldgrube: 1998 ging das Unternehmen an die Börse, bei einem Ausgabepreis von 18 Dollar schoss die Aktie am ersten Tag auf über 47 Dollar hoch. Omidyar wurde auf einen Schlag zum Milliardär, die ganze Firma war 1,9 Milliarden Dollar wert.

Gefahr für Ebay

Doch die Vorherrschaft des Onlinegiganten beginnt zu schmelzen. Die Konkurrenz wächst massiv, das Kaufverhalten der Menschen ändert sich. Auch kann Ebay nicht mehr auf sein finanzstarkes Zugpferd Paypal setzen, das nach 13 Jahren unter einem gemeinsamen Ebay-Dach zu einem eigenständigen Unternehmen umgebaut wurde.

Zukunftsforscher Janszky erkennt daher zwei mögliche Tendenzen. Ein Weg könnte sein, dass künftig die künstliche Intelligenz die Regie übernimmt und dem Käufer das Suchen abnimmt – weil sie seinen Bedarf kennt. Schon heute gibt es Beispiele dafür. Ist die Milch im Kühlschrank leer, bestellt das Gerät automatisch neue.

Die zweite Entwicklung bedeutet für Ebay eine echte Gefahr. Trendforscher sehen den Handel wegdriften von zentralen Datenbanken. Jedes Unternehmen greift künftig auf umfangreiche Kundendaten zu, braucht also keine Maklerdienste mehr und bietet schlussendlich die Produkte günstiger als der Branchenprimus an. "Die Logik dahinter ist technisch banal, aber brutal effektiv", sagt Sven Gabor Janszky. "Ebay bekommt Billigkonkurrenz."

Von Carsten Bergmann und Andrej Solokow

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