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Deutschland / Welt Viagra und Botox aus einer Hand
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00:20 26.11.2015
In New York zahlt Pfizer hohe Steuern - und kauft sich in Irland ein. Quelle: Henny Ray Abrams
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Frankfurt

Die zwei Pharmakonzerne kommen zusammen auf einen Jahresumsatz von rund 60 Milliarden Dollar und wären damit unangefochten Branchenführer. Ein Hauptmotiv der Fusion: Steuern sparen.

Die Fusion ist der vorläufige Höhepunkt einer seit Monaten laufenden Übernahmewelle, die von der Billiggeldschwemme der Notenbanken ausgelöst wurde. Finanzierungen sind billig, und auch eigene Aktien sind angesichts gestiegener Börsenbewertungen eine immer beliebtere Währung. Die Allergan-Anteilseigner sollen nun je Aktie 11,3 Papiere des fusionierten Unternehmens erhalten, das den Namen Pfizer tragen wird. Insgesamt entspreche das einer Prämie von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Allergan-Kurs, bevor erste Presseberichte dazu auftauchten, teilten die Unternehmen mit. Die bisherigen Pfizer-Aktionäre können unter bestimmten Bedingungen ganz aussteigen und eine Barzahlung wählen. Ansonsten können sie pro bisherige Pfizer-Aktie eine des neuen Unternehmens erhalten.

Formal ist die Transaktion so gestaltet, dass Allergan mit Firmensitz in Irland den größeren Pfizer-Konzern aus New York kauft. Denn für US-Konzerne sind steuerliche Aspekte derzeit ein wichtiges Fusionsmotiv. Allergan war früher selbst amerikanisch, hat jedoch nach der Übernahme durch den irischen Konzern Actavis seinen Sitz ins steuergünstige Dublin verlegt. Pfizer hatte bereits im vergangenen Jahr einen ähnlichen Versuch unternommen. Die geplante Übernahme von Astrazeneca scheiterte jedoch am Widerstand des britischen Unternehmens. Unter der Bedingung einer deutlich gedrückten Steuerlast dürfte die Übernahme langfristig Wert schaffen, erklärte das US-Analysehaus Bernstein. Entscheidend sei aber, dass die US-Behörden den Konzernen keinen Strich durch die Rechnung machen. Denn der US-Regierung sind solche Steuersparmodelle schon lange ein Dorn im Auge, die Gesetzeslücke wird gerade geschlossen.

In der Pharmabranche dreht sich das Übernahmekarussell bereits seit einiger Zeit. Die großen Konzerne wie Pfizer, Merck & Co oder die Schweizer Novartis und Roche stehen oft wegen auslaufender Patente für ihre Verkaufsschlager unter Druck. Dabei werden die Lücken im eigenen Portfolio durch Übernahmen geschlossen. Gleichzeitig wird in vielen Ländern im Gesundheitssektor gespart.

Besonders lukrativ erschienen in den USA zuletzt Unternehmen aus der Biotechnologie, die als Schlüssel für neue Medikamente gilt. Auch der Trend zur Spezialisierung nährt die Übernahmewelle. Während sich früher Pharmakonzerne durch ein breites Produktportfolio auszeichneten, gilt heute eine kritische Größe in lukrativen Teilbereichen als Königsweg. Viele Konzerne spalten sich deshalb auf oder tauschen Geschäftsbereiche untereinander. Auch Pfizer setzt möglicherweise nicht auf Dauer auf einen Mega-Verbund mit Allergan. Sollte die Rekordübernahme gelingen, könnte sich Pfizer danach in zwei Konzerne aufspalten. Einer davon würde sich auf patentgeschützte Mittel konzentrieren und der andere auf ältere Medikamente.

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