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Visa-Pflicht belastet deutsch-russischen Handel

Wunsch nach Erleichterung Visa-Pflicht belastet deutsch-russischen Handel

Die Wirtschaft hat an die deutsche und russische Regierung appelliert, endlich die Reisehemmnisse auf beiden Seiten abzubauen. Visa-Pflicht auf deutscher und Registrierungspflicht auf russischer Seite belasteten die Wirtschaft immens, sagte der Chef des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Metro-Chef Eckhard Cordes.

Berlin. „Spätestens zur Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland sollte die beiderseitige Visa-Freiheit ... Realität sein.“ Auf dem Weg dahin sollten möglichst schnell erste Erleichterungen geschaffen werden.

Mit der Visa-Pflicht auf deutscher Seite „verbindet sich immer noch die Idee, illegale Einwanderer und Kriminelle fernzuhalten“, sagte Cordes. Dabei stünden jedem Konsular-Beamten im Durchschnitt gerade mal sechs Minuten zur Prüfung der Visa-Anträge zur Verfügung. Mit Blick auf die heute (Montag) in Hannover beginnenden deutsch- russischen Konsultationen appellierte Cordes an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), das Thema Visa-Liberalisierung offensiver anzugehen. „Länder wie Finnland, Polen, Spanien oder Frankreich sind schon deutlich weiter und legen die Regeln für den Schengen-Raum weniger streng aus, als unsere Konsulate dies tun.“

Mit mehreren 100 Millionen Euro belastet

Angesichts dieser Hindernisse seien im vergangenen Jahr nur rund 450.000 deutsche Touristen und Geschäftsleute nach Russland gereist. Von dort seien 350.000 Menschen nach Deutschland gekommen - „beides mit sinkender Tendenz“, bedauerte Cordes. „Im gleichen Zeitraum konnte die Türkei drei Millionen russische Touristen begrüßen und 2011 könnten es sogar vier Millionen werden, denn im April hat die Türkei Visa für Russen komplett abgeschafft.“ Schon zuvor konnte dort ein Visum direkt bei der Einreise problemlos erworben werden.

Trotz dieser Hindernisse stehe der Handel mit Russland 2011 vor einem Rekordjahr, sagte Cordes. Er rechnet mit einem bilateralen Handelsvolumen von 70 Milliarden Euro. „Damit haben wir die Krise von 2009 vollständig überwunden.“ Große Steigerungsraten erwartet Cordes quer durch alle Branchen, „von der Gesundheitswirtschaft über den Maschinen- und Anlagenbau bis hin zur Agrarwirtschaft“. Besonders groß sei auch der Markt für Energiespartechnologien sowohl in der Industrie als auch im Wohnungsbau. Russland wolle seine Energieeffizienz bis 2020 um 40 Prozent steigern.

Cordes verwies auf eine vor kurzem vorgestellte Umfrage unter Mitgliedsunternehmen seines Verbandes und ein entsprechendes Positionspapier. Danach sagen 56 Prozent der Unternehmen, dass sie mehr in Russland investieren würden, wenn es die Visa-Pflicht nicht gäbe. Daraus werde ersichtlich, dass diese Reisehemmnisse mit Russland und anderen osteuropäischen Staaten die europäischen Volkswirtschaften jährlich mit mehreren 100 Millionen Euro belasten, sagte Cordes.

kas/dpa

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